Schamlos im Nacktbereich

geschrieben von undeutsch | 1 Feb, 2010

"Nacktzone" stand unmissverständlich auf einem Schild vor dem Eingang zum Wellnessbereich mit Whirlpool, Saunas, Ruheräumen. Dahinter nackte Menschen, alte und junge, kleine und grosse, dicke und dünne. Mitten darunter ein Paar Mitte zwanzig, er in Badehose, sie in Bikini; ungeniert. Dass ihnen das nicht peinlich ist...?

Grösste Gefahr

geschrieben von undeutsch | 6 Dez, 2009

"Wenn im 17. Jahrhundert über die Hexen abgestimmt worden wäre, hätte es geheissen: Wir müssen sie verbrennen. Und bis ins 20. Jahrhundert galten die Juden als grösste Gefahr für die Schweiz. Hätte es 1930 eine Abstimmung gegeben, wären auch Massnahmen gegen die Juden beschlossen worden."

Mario Erdheim in der "Sonntagszeitung" im Interview über die Anti-Minarett-Initiative

Entsorgte Väter

geschrieben von undeutsch | 24 Nov, 2009

Für den Film wirbt ein Flyer - mit folgendem Bild: Ein Fussgängerzonen-Schild, darauf eine stilisierte Frau und ein Kind. Darunter ein zweites Schild: "Privatbesitz".

Darum geht es in dem Film: Dass Mütter - und Behörden! - Kinder als Privatbesitz der Mütter betrachten - und die Väter als im Zweifel entbehrliche "Erzeuger".

"Der entsorgte Vater" heisst der Film von Douglas Wolfsperger; ein doppeldeutiger Titel: Er portraitiert Väter, die "entsorgt" worden sind: ihres Sorgerechts beraubt, zwangsweise aus dem Leben ihrer Kinder entfernt.

Leider keine Einzelfälle. Weil auch Behörden meinen - vermeintlich dem "Kindswohl" verpflichtet - eine von ihnen phantasierte "Ruhe", vermeintlich "klare Verhältnisse" könnten wichtiger sein für ein Kind, als der lebendige Kontakt zu seinem Vater.

Als ob "Verhältnisse" geklärt werden könnten, indem man den Vater entsorgt, als ob ein Kind zur Ruhe finden könnte mit dieser klaffenden Wunde einer erzwungenen Vaterlosigkeit.

Wenn sich Eltern nicht auch nach einer Trennung darauf besinnen können, Eltern zu bleiben - dann muss man sie dazu zwingen. Das fordert das "Kindeswohl". Eine Lösung gegen eineN der beiden ist keine Lösung. Das muss beiden klar (gemacht) werden.

Und wer den Umgang mit dem anderen Elternteil torpediert oder gar unmöglich macht - der sollte um sein "Sorgerecht" bangen müssen. Nicht der, der diesen Kontakt sucht.

Trackback

geschrieben von undeutsch | 19 Okt, 2009
Was ist ein Trackback? Nun "blogge" ich schon eine ganze Weile - bin aber nach wie vor blutiger Anfänger. Deshalb konnte ich mit den Begriffen "Trackback" und "Pingback" bisher rein gar nichts anfangen. Mein Sohn Tobias (http://www.bannerweb.ch/) hat es auf seinen Webseiten jetzt erklärt. So, dass sogar ich es verstehe - und gleich einmal ausprobiere: http://www.bannerweb.ch/blog/was-ist-eigentlich-pingback-562.html.

Irreführung

geschrieben von undeutsch | 28 Sep, 2009

"Körperverletzung durch Irreführung" nennt Thilo Bode von www.foodwatch.de die Werbefalschaussagen der Lebensmittelindustrie. Zwei "Müsterli" aus dem Interview mit der "Sonntagszeitung":

"Wenn Sie sich 'Beo Heimat Apfel-Birne' kaufen, abgeblich eine 'Bio-Erfrischung' aus 'rein natürlichen Zutaten', wie der Hersteller wirbt, kriegen Sie in Wahrheit eine Brause ohne einen einzigen Bio-Apfel drin, dafür aber mit Aromen. Sie dürfen auf der Packung mit dem Spruch 'natürliche Aromen' werben, auch wenn diese nur mithilfe von Bakterien und Pilzen und nicht aus Früchten gewonnen wurden. Das Produkt ist dann Bio und schmeckt auch nach Apfel, enthält aber nicht die Spur der Frucht, die auf der Packung abgebildet ist. Lediglich der Zucker ist aus ökologischer Produktion."

"In Mövenpicks teurer Erdbeermarmelade für 'echte Feinschmecker' ist praktisch dasselbe drin wie bei anderen Marmeladen, aber für den doppelten Preis. Dafür steht 'Mövenpick of Switzerland' drauf. Hergestellt wird sie allerdings in Schleswig-Holstein."

Revoluzzer

geschrieben von undeutsch | 23 Sep, 2009

Polo Hofer kommt sich irre cool vor, weil er in einem - endlich - rauchfreien Restaurant den anderen Gästen Zigarettenqualm um die Ohren pustet. Ist ja auch wirklich die Quintessenz des Revoluzzertums: ungefragt fremde Menschen mit Zigarettengestank zu belästigen.

Oder ist er einfach nur rücksichtlos? Das sind wahre Revoluzzer schliesslich auch - aber im Dienste eines höheren Ideals; nicht aus purem Egoismus. 

Schwanz einziehen

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Als "absolut inakzeptabel" bezeichnet laut 20min von heute Hans Bühler, Mitglied von Natur und Sport Zürich, dass ein 26-jähriger Mann nackt an der Thur gejoggt ist. Absolut inakzeptabel ist für mich, dass "offizielle Naturisten" immer gleich den Schwanz einziehen, wenn wieder einmal jemand "öffentliches Ärgerniss" erregt hat. Ein Ärgerniss für mich ist, dass Menschen immer noch für Aufruhr sorgen, wenn sie sich so zeigen, wie sie sind - wie alle Menschen im Grunde sind: einfach nur nackt.

Erfahrung von Sinn

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Noch ein Zitat aus der "Männerzeitung", das nachdenklich macht:

"Als Mitarbeiter der Kirche war ich immer gefordert, Antworten auf den Zeitgeist zu finden. Früher hiess dies, die Armen mit Essen zu versorgen. Heute bedeutet es, Jugendlichen die Erfahrung von Sinn zu vermitteln."

Eltern

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Eine Trouvaille aus der "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch):

"Unsere Kinder erleben Mutter und Vater weniger als getrennte Personen, sondern mehr in Stimmungen, die zwischen ihnen herrschen. Sie erfassen deren Beziehung."

Wenn das stimmt - welche Konsequenzen hätte es für Eltern, gerade auch, wenn sie nach einer Trennung getrennt erziehen! Denn wenn sich ein Paar als Paar auch trennt - Eltern bleiben beide, immer; egal, wie sie sich verhalten. Als Eltern haben sie eine Beziehung, so lange sie Kinder haben.

Immunsystem trainieren!

geschrieben von undeutsch | 20 Aug, 2009
Vogelgrippe, Schweinegrippe - die Angst ist gross, dass in den kommenden Jahren ein Grippevirus entsteht, der sich rasend schnell verbreitet UND wirklich gefährlich ist. Angst hilft manchen Industriezweigen, ihre Umsätze zu steigern - für den Umgang mit Krankheiten ist sie ein schlechter Ratgeber. Können wir uns vorbereiten, ohne in Hygienemittelwahn zu verfallen und Tamiflu zu bunkern? Ja, können wir: Indem wir unser und unserer Kinder Immunsystem trainieren; durch massvollen Einsatz von Hygienmitteln, durch - ja: fiebrige Erkrankungen, deren Fieber wir - das ist wichtig - NICHT senken. Durch Masern zum Beispiel (um wieder einmal ein bisschen zu provozieren). Indem wir uns und unsere Kinder nicht oder sehr zurückhaltend impfen. Denn eines ist klar: Die Strategie, Krankheiten ausrotten zu wollen, führt ebenso geradewegs in die Katastrophe, wie jede andere Strategie der Ausrottung. "Mit Gewalt gegen" ist meist ein schlechter, fataler Weg. "Mit" müssen wir gehen - lernen und wachsen. Das hilft dauerhaft. Und bringt uns weiter.

Textil-Camping

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Ich LIEBE FKK-Campings. Stellt euch mal diese Komödie vor (so erlebt diesen Sommer auf einem Textil-Camping, mehrmals, immer wieder):

Eine enge Duschkabine, nass natürlich und mit sandigem Boden. Davor eine lange Schlange wartender Menschen, weil jedeR ja rein muss, sich ausziehen, rasieren vielleicht, eincremen vielleicht, jedenfalls abtrocken und wieder anziehen und das DAUERT. Nun ja, auch ich: Ausziehen geht ja noch, duschen sowieso, abtrocknen auch - aber dann: Wie komme ich mit den nassen, leicht sandigen Füssen wieder in die verflixten Hosen? Bei den kurzen geht es einigermassen, auch wenn ich GARANTIERT innen ankomme und mir nassen Sand von innen ans Hosenbein schmiere. Wie aber um Himmels Willen, kriege ich es hin, dass bei LANGEN Hosen nicht ein Hosenbein in der nassen Lache auf dem Boden landet? Eines klemme ich mir unter den Arm oder hänge es über die Schulter, das andere kremple ich hoch; dann rein mit einem Fuss - das Sandproblem ist wie bei den kurzen; dann das angezogene Bein hochgekrempelt halten, das andere aufkrempeln, reinschlüpfen - wieder dieses Sandproblem, verschärft, weil ich mit dem Gleichgewicht ringe...

Richtig URLAUB dagegen der FKK-Camping:

Kein Ausziehen, weil man kommt schon nackt; keine Schlange, eine grosse Gemeinschaftsdusche; Platz; zum Abtrocknen geht man raus; auch anziehen (falls es abends etwas kühler geworden sein sollte oder man einen Ausflug plant) kann man sich ganz entspannt im Trockenen.

Wieso tun sich Menschen solche Textil-Campings eigentlich an?

Enthaarungswut

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Gunhild Kübler in der "NZZ am Sonntag": "Als Gründe für die derzeitige Enthaarungswut geben Mediziner und Soziologen an, dass durch die Nacktheit in den Medien, durch Pornofilme und durch knappe Badebekleidung der Intimbereich zu einem Thema für die Mode geworden sei. Womöglich breche sich auch bei jungen Frauen heute ein 'Hang zur Infatilisierung' Bahn - enthaarte Schamlippen sehen kindlich aus. Mit Sicherheit ist jedoch das Bedürfnis, den eigenen Körper zu stylen, heute so weit verbreitet wie nie zuvor. Und der Machbarkeitswahn sucht sich immer neue Gebiete. Der Trend geht hin zu makelloser Perfektion. Zum Kunstprodukt. Was am Mesnchen an seine Verwandtschaft mit dem Tier erinnern könnte, soll weg."

Und wo bleibt dabei - so meine bange Frage - Platz für tierisch guten Sex?

Bald zurück...

geschrieben von undeutsch | 17 Jul, 2009
So, nach zweieinhalb Jahren Studium (neben 80%-Job, grosser Familie und einem neuen kleinen Menschlein, das im Oktober auch schon zwei wird...) bin ich jetzt "Master of Science" - und absolut ferienreif. Fahre morgen auch los, nach Frankreich - für DREI Wochen! Dann komme ich Mitte August zurück, hab sicher zwei Wochen noch alle Hände voll zu tun, um mich wieder einzuwühlen in meine Arbeit; dann vielleicht aber auch mal wieder die eine oder andere Minute, diesen Blog zu "pflegen". Denn beim Pendeln wird mir sicher das eine oder andere Kommentierenswerte auffallen wie früher - wenn ich jetzt wieder einmal die Augen für die Umwelt öffnen kann und nicht immer in irgendein Lehrbuch oder Skript starren muss. Bis bald, hoffentlich! Und: Schöne Ferien!!!

Männer

geschrieben von undeutsch | 5 Mai, 2009

Die aktuelle Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch); Interview mit einem "Lebenskünstler" (Sam Krieg); dieses Zitat:

"Ich liebe die Unkompliziertheit von Männern; während Frauen Probleme wälzen, die sie noch gar nicht haben, überlegen wir uns entweder überhaupt nichts oder reagieren erst, wenn alles schon zu spät ist, und dann am liebsten falsch."

Geiles Knastleben oder mühsame Beziehungsarbeit?

geschrieben von undeutsch | 3 Apr, 2009

Vergeltung, hart rannehmen - oder doch am Grundgedanken des Jugendstrafrechts festhalten? Das Magazin (Nr. 13) hat dieser Frage einen magazintypisch differenzierten Beitrag gewidmet.

"Einsperren, das ist der Trend. Hart drannehmen. Allerdings ist das die Optik der Erwachsenen. Aus der Sicht mancher jungen Straftäter ist das Gefängnis nämlich gar nicht so übel: Sie können rund um die Uhr fernsehen, müssen nicht aufstehen, bekommen einwandfreies Essen und sind umgeben von freundlichen Aufsehern. Der Täter im Fall Lucie hat das explizit als Motiv angegeben: Er habe zurück in den Knast gewollt. Die Fachleute sind sich einig, dass Gefängnisdrohungen nichts bringen."

Findet auch Jugendanwaltschaftssprecher Hans Mellinger (Aargau): "Wer Probleme hat, macht Probleme. Eine Straftat ist nicht nur ein Unglück für das Opfer, meistens ist sie auch ein Unglück für den Täter. Fast immer begehen Jugendliche ein Delikt in einer beschissenen Krisensituation."

Und da hilft nur eines, meint sein Zürcher Kollege Hansueli Gürbler: "Meine Erfahrung nach 23 Jahren ist: Wenn ich ganz aus der Nähe mit einem Jugendlichen arbeite, ihn kenne und verstehe, geht die Gewalt zurück. Das Aggressionspotenzial sinkt."

Was nicht nur den Tätern hilft - sondern auch potenziellen Opfern!

Idealistisch-realistische Bitterfotze

geschrieben von undeutsch | 3 Apr, 2009

Die erste Hälfte des Buches ist harte Kost, vor allem für männliche Leser: Da kotzt uns Maria Sveland all ihren Frust, ihre Wut vor die Füsse, ihre Unzufriedenheit mit Lebensbedingungen, die es Männern so leicht macht, es sich einfach zu machen und all die Bürde, die Last, das schlechte Gewissen vor allem den Frauen aufhalst, einverleibt - ein einziger Aufschrei gegen etwas, das Maria Sveland als Missbrauch erlebt, ungerecht und brutal. Doch dann - einmal so erleichtert - wendet sich der Stil, wird differenzierter und die "Bitterfotze" entpuppt sich als letztlich doch romantische Idealistin.

Zwei Zitate aus diesem Teil des Buches, die mich - weshalb auch immer - besonders angesprochen haben:

"Ich bin einverstanden mit 'Dankbarkeit' in dem Sinne, dass man in aller Ruhe innehalten kann und sehen, was man hat. Dass der Reichtum in Reichweite ist. Immer wenn man geglaubt hat, das Gras auf der anderen Seite sei grüner, musste man feststellen, dass dem nicht so war. Es erfordert auch eine gewisse Begabung, zu erkennen, was man hat." (Seite 123)

Und aus einem Gespräch mit einer alten Frau:

"'Ich bereue bestimmte Entscheidungen, aber ich bin nicht verbittert. Wenn ich sauer wäre wegen allem, was ich hätte tun sollen, und allem, was ich nicht getan habe, dann könnte ich nicht weiterleben. Ich versuche zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist, und nachzuholen, was möglich ist, und Dinge zu machen, die ich früher nicht geschafft habe.' - 'Aber genau davor habe ich Angst', sage ich, 'ich möchte nicht gemein sein, aber ich will wirklich nicht in dreissig Jahren auf Teneriffa sitzen und meine Entscheidungen bereuen! Ich möchte die richtigen treffen!' - Mary schaut mich ernst an. - 'Ja, vielleicht schaffst du es ja, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wenn es nicht gelingt, und vielen gelingt es nicht, sich immer richtig zu entscheiden, dann ist es sicher keine gute Idee, in dreissig Jahren hier zu sitzen und verbittert zu sein! Du musst lernen, damit zu leben, dass du dich vielleicht manchmal nicht richtig entscheidest.'" (Seite 250)

(Aus: Bitter Fotze, Kiepenheuer & Witsch, 2009)