Schamlos im Nacktbereich

geschrieben von undeutsch | 1 Feb, 2010

"Nacktzone" stand unmissverständlich auf einem Schild vor dem Eingang zum Wellnessbereich mit Whirlpool, Saunas, Ruheräumen. Dahinter nackte Menschen, alte und junge, kleine und grosse, dicke und dünne. Mitten darunter ein Paar Mitte zwanzig, er in Badehose, sie in Bikini; ungeniert. Dass ihnen das nicht peinlich ist...?

Irreführung

geschrieben von undeutsch | 28 Sep, 2009

"Körperverletzung durch Irreführung" nennt Thilo Bode von www.foodwatch.de die Werbefalschaussagen der Lebensmittelindustrie. Zwei "Müsterli" aus dem Interview mit der "Sonntagszeitung":

"Wenn Sie sich 'Beo Heimat Apfel-Birne' kaufen, abgeblich eine 'Bio-Erfrischung' aus 'rein natürlichen Zutaten', wie der Hersteller wirbt, kriegen Sie in Wahrheit eine Brause ohne einen einzigen Bio-Apfel drin, dafür aber mit Aromen. Sie dürfen auf der Packung mit dem Spruch 'natürliche Aromen' werben, auch wenn diese nur mithilfe von Bakterien und Pilzen und nicht aus Früchten gewonnen wurden. Das Produkt ist dann Bio und schmeckt auch nach Apfel, enthält aber nicht die Spur der Frucht, die auf der Packung abgebildet ist. Lediglich der Zucker ist aus ökologischer Produktion."

"In Mövenpicks teurer Erdbeermarmelade für 'echte Feinschmecker' ist praktisch dasselbe drin wie bei anderen Marmeladen, aber für den doppelten Preis. Dafür steht 'Mövenpick of Switzerland' drauf. Hergestellt wird sie allerdings in Schleswig-Holstein."

Revoluzzer

geschrieben von undeutsch | 23 Sep, 2009

Polo Hofer kommt sich irre cool vor, weil er in einem - endlich - rauchfreien Restaurant den anderen Gästen Zigarettenqualm um die Ohren pustet. Ist ja auch wirklich die Quintessenz des Revoluzzertums: ungefragt fremde Menschen mit Zigarettengestank zu belästigen.

Oder ist er einfach nur rücksichtlos? Das sind wahre Revoluzzer schliesslich auch - aber im Dienste eines höheren Ideals; nicht aus purem Egoismus. 

Schwanz einziehen

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Als "absolut inakzeptabel" bezeichnet laut 20min von heute Hans Bühler, Mitglied von Natur und Sport Zürich, dass ein 26-jähriger Mann nackt an der Thur gejoggt ist. Absolut inakzeptabel ist für mich, dass "offizielle Naturisten" immer gleich den Schwanz einziehen, wenn wieder einmal jemand "öffentliches Ärgerniss" erregt hat. Ein Ärgerniss für mich ist, dass Menschen immer noch für Aufruhr sorgen, wenn sie sich so zeigen, wie sie sind - wie alle Menschen im Grunde sind: einfach nur nackt.

Textil-Camping

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Ich LIEBE FKK-Campings. Stellt euch mal diese Komödie vor (so erlebt diesen Sommer auf einem Textil-Camping, mehrmals, immer wieder):

Eine enge Duschkabine, nass natürlich und mit sandigem Boden. Davor eine lange Schlange wartender Menschen, weil jedeR ja rein muss, sich ausziehen, rasieren vielleicht, eincremen vielleicht, jedenfalls abtrocken und wieder anziehen und das DAUERT. Nun ja, auch ich: Ausziehen geht ja noch, duschen sowieso, abtrocknen auch - aber dann: Wie komme ich mit den nassen, leicht sandigen Füssen wieder in die verflixten Hosen? Bei den kurzen geht es einigermassen, auch wenn ich GARANTIERT innen ankomme und mir nassen Sand von innen ans Hosenbein schmiere. Wie aber um Himmels Willen, kriege ich es hin, dass bei LANGEN Hosen nicht ein Hosenbein in der nassen Lache auf dem Boden landet? Eines klemme ich mir unter den Arm oder hänge es über die Schulter, das andere kremple ich hoch; dann rein mit einem Fuss - das Sandproblem ist wie bei den kurzen; dann das angezogene Bein hochgekrempelt halten, das andere aufkrempeln, reinschlüpfen - wieder dieses Sandproblem, verschärft, weil ich mit dem Gleichgewicht ringe...

Richtig URLAUB dagegen der FKK-Camping:

Kein Ausziehen, weil man kommt schon nackt; keine Schlange, eine grosse Gemeinschaftsdusche; Platz; zum Abtrocknen geht man raus; auch anziehen (falls es abends etwas kühler geworden sein sollte oder man einen Ausflug plant) kann man sich ganz entspannt im Trockenen.

Wieso tun sich Menschen solche Textil-Campings eigentlich an?

Enthaarungswut

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Gunhild Kübler in der "NZZ am Sonntag": "Als Gründe für die derzeitige Enthaarungswut geben Mediziner und Soziologen an, dass durch die Nacktheit in den Medien, durch Pornofilme und durch knappe Badebekleidung der Intimbereich zu einem Thema für die Mode geworden sei. Womöglich breche sich auch bei jungen Frauen heute ein 'Hang zur Infatilisierung' Bahn - enthaarte Schamlippen sehen kindlich aus. Mit Sicherheit ist jedoch das Bedürfnis, den eigenen Körper zu stylen, heute so weit verbreitet wie nie zuvor. Und der Machbarkeitswahn sucht sich immer neue Gebiete. Der Trend geht hin zu makelloser Perfektion. Zum Kunstprodukt. Was am Mesnchen an seine Verwandtschaft mit dem Tier erinnern könnte, soll weg."

Und wo bleibt dabei - so meine bange Frage - Platz für tierisch guten Sex?

Männer

geschrieben von undeutsch | 5 Mai, 2009

Die aktuelle Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch); Interview mit einem "Lebenskünstler" (Sam Krieg); dieses Zitat:

"Ich liebe die Unkompliziertheit von Männern; während Frauen Probleme wälzen, die sie noch gar nicht haben, überlegen wir uns entweder überhaupt nichts oder reagieren erst, wenn alles schon zu spät ist, und dann am liebsten falsch."

Pinsel

geschrieben von undeutsch | 16 Mär, 2009

Jeder Mann hat einen Pinsel. Doch nur wenige können damit machen, was Pricasso kann...:

www.pricasso.com

(Den Tipp verdanke ich 20min friday.)

Verquere Logik?

geschrieben von undeutsch | 11 Feb, 2009

Da gibt die Schweiz international mal wieder die Lachnummer, der Zürcher Statthalter Bruno Graf spricht von einer "Rückkehr des viktorianischen Zeitgeistes" und ausgerechnet die FKK-Verbände klatschen Beifall: Der Kanton Appenzell macht nackt Wandern zu einem Offizialdelikt. "Man distanziere sich klar von den Nacktwanderern" zitiert der Tagi die Schweizer Naturisten Union und Kurt Fischer, Präsident des deutschen Verbandes für FKK sagt, sein Verband nehme konsequent keine "Nacktwanderer" auf. Denn: "Die Freiheit des Einzelnen hört bekanntlich dort auf, wo die Freiheit der anderen tangiert wird."

Von einer verqueren Logik spricht er und bemüht selbst eine solche. Denn: Tangiert es meine Freiheit nicht, wenn andere mir verbieten, nackt zu sein? Ich will mich nur so zeigen dürfen, wie Gott (oder die Natur) mich geschaffen hat. Viel eher dürfte ich fordern, dass der junge Mann in der Tram gegenüber sein Lippenpiercing entfernt, wenn er in die Öffentlichkeit tritt. Mich stört das nämlich. Oder noch schlimmer: Diese knallige, aufdringliche und zudem meist verlogene Werbung, die mich allenhalben anschreit, an jeder Strassenecke.

Wie viel müssen wir ertragen, ansehen, anhören - weil es eben so ist und weil eine Welt, in der es anders wäre, ärmer wäre, kälter, trist? Und da darf ein nackter Mann auf der Plakatwand dazu gehören, eine nackte Frau auf der Titelseite eines Magazins am Kiosk auch, ein ganz realer nackter Mann in den Appenzeller Bergen aber nicht?

Wo ist da die Logik?

Die Verbände verteidigen wohl eher ihre Pfründe. Und: Der alte Zwist zwischen "ordentlichen" (sprich meist: bieder-bünzligen) Naturisten hier und revoluzionären, anarchistischen oder zumindest alternativen Nudisten dort scheint immer noch nicht überwunden. Im Zweifel zähle ich mich lieber zu letzteren. Obwohl auch mir der Mut fehlt, nackt wandern zu gehen.

Auch ohne "Offizialdelikt".

anstössig

geschrieben von undeutsch | 29 Jan, 2009
Wie von Gott geschaffen durch Gottes freie Natur zu wandern - was den einen Ausdruck unbeschwerten Lebensgefühls ist, ist für andere "anstössiges Verhalten". Für Melchior Looser zum Beispiel, Vorsteher des Appenzeller Justiz-, Polizei- und Militärdepartements. Deshalb sollen dort Nacktwanderer in Zukunft gebüsst werden: 200 Franken werden züchtig bekleidete Ordnungshüter ihnen gleich an Ort und Stelle aus den nicht vorhandenen Hosen ziehen (Tagesanzeiger von heute). Statt eigene Prüderie dafür ins Feld zu führen, weicht Looser aus: "Schliesslich halten sich im Sommer auch viele Kinder in unseren Bergen auf." Looser scheint selber keine zu haben. Sonst wüsste er: Kinder "blütteln" für ihr Leben gerne. Und nehmen es auch Erwachsenen nicht übel, wenn sie es tun.

Nachhilfe

geschrieben von undeutsch | 8 Dez, 2008
"Fast zwei Drittel der Schweizer Eltern schicken ihre Kinder in die Nachhilfe. Dies sei eine Gefahr für die Chancengleichheit, warnen Experten", steht heute in 20min. - Eine Gefahr für die Chancengleichheit, ja; besser: ein Beweis mehr, dass es so etwas wie Chancengleichheit de facto gar nicht gibt. Und ein Armutszeugnis für die Staatsschule. Wenn zwei Drittel der SchülerInnen auf Nachilfe angewiesen sind - was ist das für eine Schule? Oder stehen übertriebene Leistungserwartungen der Eltern dahinter? Was sind das für Eltern? - Was ist das für eine Gesellschaft?

Rufmord

geschrieben von undeutsch | 22 Jul, 2008

Das Bild zeigt einen kleinen Jungen, der Mamas Zigarettenpäckchen und deren Feuerzeug gepackt hat. Mama hatte sie wohl kurz auf dem Wohnzimmertisch abgelegt, nachdem sie sich - daneben stehend - eine Zigarette angesteckt hatte. Das Bild zeigt die Mama, wie sie ihrem Söhnchen die Zigaretten und das Feuerzeug wieder aus der Hand nimmt.

So weit, so normal.

Die Bildunterschrift: "Verantwortungslos - B.S. lässt Zigaretten rumliegen, Sohn S.P. greift zu."

Und im Begleittext "Mama B.S. (30) hat noch nicht gemerkt, dass man Zigaretten nicht achtlos rumliegen lassen sollte." Wer wundere sich da, das ihr Ex-Ehemann das alleinige Sorgerecht zugesprochen erhalten habe.

Ich wundere mich nicht: B.S. ist Britney Spears, eines der Lieblingsopfer aktueller Medienhetzkampagnen.

Wann endlich wird Rufmorf strafbar? Und verantwortungslosen "Journalisten" das Handwerk gelegt?

(Die Zeitung übrigens - wen wundert's: "Blick am Abend")

Leidenschaftslos

geschrieben von undeutsch | 21 Jul, 2008

Roland Nef hat allem Anschein nach Sex-Inserenten auf seine Ex gehetzt. Das ist Scheisse, grosse Scheisse sogar. Aber es hat nichts mit seinem Job zu tun. Als Frau würde ich wohl eher vorsichtig sein, mich mit ihm auf eine allzu leidenschaftliche Liebes-Beziehung einzulassen. Aber weshalb sollte er die Armee nicht führen können? Mit Liebe und Leidenschaft hat die Armee erfahrungsgemäss eher wenig zu tun.

Raften

geschrieben von undeutsch | 13 Jun, 2008

Jetzt heisst es wieder: "Da sieht man es - Riverrafting ist gefährlich; und wofür soll das überhaupt gut sein? 'Teambildung' - was soll das?" - Es ist zum Heulen: Nicht nur blutige Laien, draufgängerische Einzelkämpfer, die in jugendlichem Übermut sich masslos überschätzen - auch das Militär denkt, Raften ist Schlauchboot fahren in reissendem Wasser.

Die Jungs könnten noch leben, wenn ihre Führer gewusst hätten, was sie tun. Denn "Teambildung" ist gut und richtig und Raften kann tatsächlich dazu beitragen: Weil man dabei - wie bei anderen erlebnispädagogischen Unternehmungen auch - subjektiv an Grenzen zu kommen glaubt, die objektiv keine sind und im Überwinden derselben fast zwangsläufig zu Erfolgserlebnissen kommt; und weil dabei einer auf den anderen angewiesen ist, weil das Boot sonst Kapriolen schlägt und nicht zu steuern ist.

Dabei ist aber wichtig, dass die Gefahren objektiv zu meistern sind - und zwar mit einer gross genug kalkulierten "stillen Reserve". Nur Idioten bringen sich (und erst noch andere) real in Gefahr.

Nein: Raften ist und bleibt ein geeignetes Mittel. Man muss es nur zu nutzen wissen. Und Schlauchboot fahren auf reissendem Wasser hat mit Raften nichts zu tun.

Prävention

geschrieben von undeutsch | 12 Feb, 2008

Wie pervers ist die Gesellschaft, in der wir leben? Da fordert ein Ratgeber der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Eltern von Kleinstkindern auf, Kinder beim Wickeln zu streicheln, zu kitzeln, zu liebkosen und zu küssen. Und auch Scheide und Klitoris dabei nicht geflissentlich zu übersehen. - Und wir handeln das öffentlich unter dem Schlagwort "Erotik mit Kindern" ab, schelten es eine Anleitung zu sexuellen Handlungen mit Kindern; ein Strafrechtsprofessor meint gar, wer diesem Rat folge, riskiere "unter Umständen strafrechtliche Konsequenzen".

Also gut, drehen wir das Rad zurück, sagen wir wieder "Pfui Teufel" zu den "Schamregionen", züchten wir eine weitere Generation verklemmter Neurotiker mit einem gespaltenen Verhältnis zum Körper - und sorgen wir so dafür, dass sich die Spirale echter sexueller Übergriffe munter weiter dreht.

Die Broschüre will Kinder unterstützen, ihren Körper als lustvoll, als gut, als rundum OK zu erfahren - überall, ohne Tabus und "entwertete Zonen" -, Stolz auch auf ihre Geschlechtlichkeit zu entwickeln. Sie ist reinste Prävention.

Monarchie

geschrieben von undeutsch | 14 Dez, 2007

"Wir haben eine Demokratie - und keine Diktatur oder Monarchie", sagte SVP-Nationalrätin Ursula Haller.

O-Ton Christoph Blocher (laut "news" von heute): "Ich vertrete nicht das Parteigedankengut, sondern ich sorge dafür, dass die Partei mein Gedankengut vertritt."

Die SVP als Sprachrohr eines Mannes - keine Monarchie?

Wahlkampfverdruss

geschrieben von undeutsch | 1 Okt, 2007

Gute Diagnose - schlechte Therapie. Markus Bienz heute in der 20-Minuten-Umfrage zu den Schweizer Nationalratswahlen: "Ich gehe aus Protest nicht zur Wahl. Der Abstimmungswahlkampf verläuft derart tief unter der Gürtellinie, dass ich meine Stimme verweigere. Besonders gestört haben mich die üblen ausländerfeinlichen Plakate."

Eine Meinung, mit der er nicht alleine steht. Alle fünf befragten Personen wollen nicht wählen gehen - längst sind die Nichtwähler die weitaus grösste Wählergruppe, nicht nur in der Schweiz; die Politik erreicht das Volk nicht mehr.

Das ist freilich nicht nur den PolitikerInnen anzulasten. Denn eine Aussage wie die von Markus Bienz ist dämlich. Wenn ich mich aufrege - dann sollte ich erst recht zur Wahl: die wählen gehen, die keine "üblen ausländerfeidlichen Plakate" in die Gegend hängen. Denn noch gibt es durchaus Alternativen.

Kinder: Störfaktoren der Ego-Gesellschaft

geschrieben von undeutsch | 9 Aug, 2007

In Zürich ist eine Frau einer ultracoolen "Lounge" verwiesen worden - weil sie gestillt hat. Die stellvertretende Direktorin des "Lakeside": "Wer gediegen ein Cüpli trinkt, will vielleicht nicht beim öffentlichen Stillen zusehen." Ein 20min-Leser setzt noch eins obendrauf: "Wenn man ein Kind hat, muss man halt in Gottes Namen auf gewisse Dinge verzichten und kann nicht zu jeder Tageszeit überall sein."

"Cüpli" sind DINKS vorbehalten, Mütter sollen heim an den Herd. Sind sowieso sowas von obervorgestern. Wer kriegt denn heute noch Kinder?

Man kann so denken: Kinder als Privatsache, im Grunde unerwünschte Störfaktoren der für mobile Menschen optimieren Spass-Gesellschaft (die immer nur MEINEN Spass meint, nicht den anderer Menschen).

Ein Hoch dem Egoismus - und die Ewigvorgestrigen, die heute noch Eltern werden, ab in die Ghettos, in denen sie und ihre zweibeinigen Plagegeister nicht stören.

Eigentlich konsequent.

Nach uns keine Zukunft, nach uns die Sintflut; aber whirlpoolwarm, bitteschön.

Empfohlen!

geschrieben von undeutsch | 12 Jun, 2007

Durchgeknallte "Fans" randalieren und brennen im Stadion Feuerwerkskörper ab - die Vereine müssen Strafe zahlen; letztlich auf Kosten derjenigen, die wirklich des Sportes wegen gekommen sind, die höhere Eintrittspreise oder TV-Gebühren zahlen müssen.

Der FCZ will da nun nicht mehr mitspielen - er leitet die Rechung portioniert an identifizierte Randale-"Fans" weiter: "Verursacherprinzip". - Ein mutiger Schritt, zur Nachahmung unbedingt empfohlen!

Peanuts

geschrieben von undeutsch | 10 Jun, 2007

Aufschrei vergangene Woche: Die (notabene freigesprochenen, das heisst juristisch unschuldigen, das heisst auch zu Unrecht angeklagten) ehemaligen Swissair-Verantwortlichen erhalten Prozesskostenentschädigungen von zusammen rund 3 Millionen Franken.

Heute publiziert die Sontagszeitung weitere Zahlen, die die Summe relativieren: "Konservativ geschätzt" kassierten die sieben Ankläger für ihre strafrechtlichen Untersuchungen in den vergangenen Jahren rund 6 Millionen Franken. Und noch einmal 4,5 Millionen gaben sie für Gutachten aus, die sie überwiegend gar nicht verwenden konnten: 10,5 Millionen für eine - letztlich - ungerechtfertigte Anklage. So werden die 3 Millionen für die Verteidiger-Kosten vergleichsweise zu Peanuts!

Nackt - oder Michalsky

geschrieben von undeutsch | 30 Mai, 2007

Heute habe ich meinen Top-Designer entdeckt. Bei Tchibo:

"Ich bin am allerliebsten so, wie Gott uns alle schuf. Wenn das gerade mal nicht geht, dann trage ich Jeans, T-Shirt und Sneaker."

Michael Michalsky

Spanische Rechenspiele

geschrieben von undeutsch | 16 Mai, 2007
Juristen ticken anders; das war mir schon immer klar. Wie anders - das beginne ich allerdings erst jetzt zu ahnen: In Spanien ist ein Arzt wegen Körperverletzung und fahrlässiger Tötung zu insgesamt 1'933 Jahren (sic!) Haft verurteilt worden. Schon das kommt mir spanisch vor. In 20min heisst es weiter: "Davon muss er nach spanischem Recht höchstens 20 Jahre verbüssen." Ein Jahr hinter spanischen Gardinen zählt danach so viel wie 100 Jahre Leben "draussen"; in nicht einmal vier Tagen hat man ein Jahr abgesessen. Vielleicht schauen Gefangene deshalb so schnell so alt aus.

Bücher? Da war doch was...

geschrieben von undeutsch | 11 Mai, 2007

Erschreckende Zahlen aus einer online-LeserInnen-Befragung von 20min:

21 Prozent der 6008 TeilnehmerInnen gaben an, im Laufe eines Jahres kein einziges Buch zu lesen. 28 Prozent antworteten mit "1-3 Bücher" pro Jahr.

Das heisst, dass rund die Hälfte der 20min-LeserInnen, die sich an der Umfrage beteiligten, jährlich höchstens drei Bücher liest. Die Hälfte!...

Für die Mehrheit der Schweizer Bundesräte dürfte auch gelten, dass ihnen zu "Bücher?" gerade einmal "Dan Brown" oder "Harry Potter" einfällt. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie Bücher zum x-beliebigen Handelsgut erklärt und sich geweigert haben, die Buchpreisbindung zum Gesetz zu erheben.

Dabei hätten sie doch nur einmal Zeitung lesen müssen - und darin, was z.B. die Franzosen für Erfahrungen gemacht haben, als sie die Buchpreisbindung abgeschafft und später - erschrocken - wieder eingeführt haben. Aus den Erfahrungen anderer zu lernen, wäre ein Zeichen von Intelligenz - offenbar Mangelware in einer Gesellschaft, die daran ist, das Lesen zu verlernen.

Lärmsteuer

geschrieben von undeutsch | 23 Apr, 2007

Die Mechanismen der (sozialen) Marktwirtschaft zu nutzen, um politische erwünschte Ziele zu erreichen, ist eine viel diskutierte und wirksame Massnahme. Anders ausgedrückt: Auf das Privatwohl und -wehe zu zielen, um das Gemeinwohl zu mehren.

Das schweizer Bundesamt für Umwelt fordert, das nun auch im Hinblick auf Lärm(emissionen) zu tun: Wer Lärm produziert und die Umwelt damit belastet, soll eine Steuer zahlen, als Lenkungsabgabe. Gemeint sind Flughäfen, Fabriken, Betreiber von Autostrassen.

Das Prinzip könnte man ausdehnen und z.B. die Kfz-Steuern ausschliesslich an der Höhe der Fahrzeug-Emissionen ausrichten: der Schadstoff-Emissionen wie der Lärmemissionen. Stark progressiv steigend.

Dann müssten wir über Offroader und anderen Blödsinn nicht mehr ideologisch diskutieren: Wer sie fahren will und damit die Mitwelt weit überdurchschnittlich belastet, soll auch dafür blechen; und zwar spürbar.

Wenig kreativ

geschrieben von undeutsch | 16 Feb, 2007
Es sind nicht immer jugendliche HipHopper, die zur Spraydose greifen; manchmal sind es auch 46-jährige gestandene Männer, SVP-Politiker und Grossratskandidaten wie André Corboz aus dem Waadtland. Das Strafgericht in Vevey hat ihn jetzt zu 90 Tagessätzen à 150 Franken sowie einer Busse von 1500 Franken verurteilt, berichtet 20min. Corboz hatte zehn Hauswände besprayt, allerdings weitaus weniger kreativ als viele der von der SVP jüngst kriminalisierten HipHop-Jünger das oft tun: Er hat "Neger geht heim" und "Neger raus" gesprüht. Mehr ist ihm offenbar nicht eingefallen.

Humorlos

geschrieben von undeutsch | 14 Feb, 2007

Hallo? Was ist DAS denn für eine Reaktion?

"In Ohio stehen ein 16- und ein 17-jähriges Mädchen vor dem Jugendgericht, weil sie die Schulwebsite gehackt haben, um zu verkünden, dass wegen Schnee die Schule den ganzen Tag geschlossen bleibe." (20min von heute)

Ich hätte sie für den Rest ihrer Schulzeit vom Informatik-Unterricht befreit - und dazu verknurrt, die Schulwebsites sicherer zu machen.

Bushit

geschrieben von undeutsch | 30 Dez, 2006
Eine Hinrichtung - egal welches Menschen - als "Meilenstein auf dem Weg zur Demokratie" - egal welches Staates - zu bezeichnen, kommt auch nur einem in den Sinn: George W. Bush. - Bushit!

Biologen-Hetze

geschrieben von undeutsch | 14 Dez, 2006

Wenn jemand an den Darwinismus glaubt - ist das seine Sache. Wenn er den Unsinn als "wissenschaftlich" deklariert, auch. Wenn er aber antritt, andere Auffassungen mundtot zu machen, geht das entschieden zu weit.

Hans Jörg Jacobsen, ehemaliger Präsident des Verbands Deutscher Biologen, ist einer, der das tut, schreibt zumindest "Info3" (www.info3.de). Er und sein Biologie-Kollege Prof. Ulrich Kutschera aus Kassel führen, so das Magazin, eine Mobbing-Kampagne gegen einen Mitarbeiter des Kölner Max-Planck-Instituts, der es als Genetiker gewagt hatte, Darwins Theorie zu bezweifeln.

Auf Jacobsen bezieht sich auch der "Spiegel" in einem Hetzartikel gegen den ersten und einzigen Lehrstuhl für biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel-Witzenhausen. In fünf Jahren wird der vom Land Hessen übernommen und damit dauerhaft eingerichtet - wenn die Kampagne der Darwin-Anhänger keinen Erfolg hat.

Der Verband Deutscher Biologen setzt sich unter anderem dafür ein, gentechnische Landwirtschaft in Deutschland freizugeben und wirbt auf seiner Website mit exzellenten Kontakten zu Pharma- und Chemiekonzernen. Kein Wunder, dass ihnen ein unabhängiger Lehrstuhl so ganz anderer Prägung ein Dorn im Auge ist. Er steht ihren Lobby-Aktivitäten im Weg.

Christliches Abendland

geschrieben von undeutsch | 11 Dez, 2006
Die europäischen Länder gehören zum christlichen Kulturkreis; sind Teil des "christlichen Abendlandes". Wenn Menschen anderer Herkunft, anderen Glaubens bei uns leben wollen, dürfen sie das. Wenn sie ihre eigenen Bräuche begehen, ihre eigenen Feste feiern wollen, dürfen sie das. Wenn einige von ihnen uns verbieten wollen, die unseren zu pflegen - dann geht das zu weit. Und wenn einige von uns es für "politisch korrekt" halten, unsere eigenen - christlichen - Bräuche in der Öffentlichkeit nicht mehr zu begehen, unsere eigenen Feste nicht mehr zu feiern, dann grenzt das nicht nur an Dummheit; dann ist das dumm. Und gefährlich. Jedenfalls darf diese Art "vorauseilenden Gehorsams" nicht unwidersprochen bleiben!

nackt - ein Skandal!

geschrieben von undeutsch | 29 Nov, 2006

"Jenna und Barbara Bush, die Zwillingstöchter des US-Präsidenten, geraten während ihres Argentinien-Besuchs täglich in die Schlagzeilen: Sie sollen sogar nackt über den Hotelflur gerannt sein."

Heisst es heute auf www.20min.ch. Welch ein Skandal!

Klar geraten sie damit in die Schlagzeilen dieser bigotten, heuchlerischen Welt: weil jeder gerne dabeigewesen wäre, sich das aber nicht einzugestehen traut. Oder zuzugeben.

Nackt sind wir alle. Menschen sind so, so sehen sie aus. Was sollte daran anstössig sein? Anstössig sind - möglicherweise - die Gedanken, die wir uns machen, die Bilder und Fantasien, die in uns aufsteigen, wenn wir nackte Menschen sehen, junge nackte Mädchen wie die Bush-Töchter.

Wenn es einen Skandal gibt, dann sind wir dessen Urheber, nicht sie.

Dummdreistes Geschrei

geschrieben von undeutsch | 27 Nov, 2006

Wieder sind sie marschiert: Fanatisierte Massen treugläubiger Menschen; diesmal in der Türkei. Anlass: Der geplante Papst-Besuch. Ex-Kardinal Ratzinger habe "den Islam beleidigt".

(Wir erinnern uns: Ratzinger hatte in einer Rede einen byzantinischen Kaiser aus dem 14. Jahrhundert zitiert: „Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst Du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten...“. - Ratzinger hatte das wohlbemerkt in einer Rede getan, in der er zu einem Dialog der Religionen aufgerufen hatte. Das Zitat stand in einem Kontext, den nahezu alle, die ihn kritisieren, gar nicht kennen.)

Kann man "den Islam" beleidigen? Wer ist das? Eine Person? Eine Institution? Es ist der Oberbegriff für eine Reihe von religiösen Strömungen, die sich alle auf ein und dieselbe Quelle berufen - und sich ansonsten oft gar nicht grün sind. Wörtlich heisst Islam: Unterwerfung unter oder Hingabe an Gott. Kann man eine Unterwerfung beleidigen?

Man kann Allah beleidigen - ob es ihn juckt? Man kann Mohammed beleidigen - aber der kriegt das gewiss nicht mehr mit. Man kann Anhänger Mohammeds beleidigen - wenn man das tut. Der Papst hat es nicht getan.

Er hat "den Islam" beleidigt... Das klingt irgendwie gut und empörend. - Rechtfertigt es dummdreistes Geschrei auf der Strasse?

Kluge Köpfe

geschrieben von undeutsch | 20 Nov, 2006

Punkto Lohn- und Lohnnebenkosten, klagt die deutsche Wirtschaft, ist Deutschland nicht konkurrenzfähig. Trotzdem brummt der Export; und: Unter 68 Regionen in der EU landeten elf Mal deutsche Bundesländer in den Top 20, was ihre Innovationskraft anbelangt. Das zeigt ein Innovationsindex, den das Statistische Landesamt Baden-Württemberg berechnet hat.

Auch international kann sich Deutschland sehen lassen: Knapp 20 Prozent aller Patentanmeldungen weltweit stammen aus Deutschland; "besser" sind nur die - weitaus grösseren - USA; sie lieferten 2005 ein knappes Viertel aller Patentanmeldungen.

Was wieder einmal zeigt: Kosten sind nicht die ganze Wahrheit. Ein wesentlicher Standortvorteil sind motivierte, kreative MitarbeiterInnen. "Kluge Köpfe", wie man sie in Deutschland noch häufig findet - nicht nur hinter der "FAZ".

Keine Hausaufgaben!

geschrieben von undeutsch | 15 Nov, 2006

Sollen in der Primarschule die Hausaufgaben abgeschafft werden, fragt 20min in einer aktuellen Leserumfrage. Erschreckendes Ergebnis: 83 Prozent der LeserInnen sagen: "nein". Menschen sind Gewohnheitstiere.

Dabei sind Hausaufgaben völlig überflüssig. "Es gibt keine Forschungsergebnisse, die zeigen, dass Kids schlauer oder kreativer werden, wenn sie Hausaufgaben machen", sagt Sarah Bennett. Die Anwältin in New York ist zweifache Mutter und Co-Autorin des Buches "The Case against Homework" - einem von zwei Büchern, die in den USA die Diskussion um Hausaufgaben derzeit neu beleben.

Ich fand Hausaufgaben immer schon fragwürdig. Nichts habe ich gegen interessante Forschungsaufgaben für Schülerinnen und Schüler, die gerne weitersuchen, Fragen weiterverfolgen, Experimente machen oder das Internet durchforsten - freiwillig natürlich, aus Interesse, nicht auf Druck. Auf Prüfungen kann sich vorbereiten, wer sie gut überstehen will; das liegt in der Natur der Sache. Aber Hausaufgaben? Oft dienen sie doch nur dazu, in der Schule nicht bewältigten Stoff auf Eltern oder Nachhilfelehrer abzuwälzen.

Überhaupt: Wir sind viel zu stofffixiert in der Schule, nach wie vor. Was mir vorschwebt, ist exemplarischer Unterricht: Schmeisst 70 Prozent des aktuellen Stoffes aus den Lehrplänen; er wird ohnehin nur unterrichtet, weil er in den Lehrplänen steht; niemand braucht ihn wirklich. Fragt, was die jungen Menschen tatsächlich interessiert, was sie wissen wollen, entdecken wollen, erfahren wollen, was sie ausprobieren wollen, lernen wollen. Und lasst sie es tun: Schafft Freiräume für Experimente und Erlebnisse; für Erfahrungen.

Der "Stoff" bleibt auch so. Wer einmal in einem Theaterstück einen römischen Feldherren gespielt hat, "weiss" hinterher viel mehr über das "alte Rom", als ein anderer, der 300 Jahreszahlen auswendig herunterleiern kann. Wer einen mathematischen Beweis selbst erdacht hat, hat mehr Mathe intus als ein anderer, der das halbe Lehrbuch nachvollziehend durchgerechnet hat. Auch in der Schule ist "weniger" mehr.

Und plötzlich wollen die Kinder "Hausaufgaben" machen. Sie forschen einfach weiter; und merken es nicht einmal.

Liebe ist

geschrieben von undeutsch | 15 Nov, 2006

Wenn zwei Männer miteinander ins Bett gehen, schaden sie niemandem; im Gegenteil: Sich und dem anderen tun sie (hoffentlich) etwas Gutes. Wenn zwei Männer sich ineinander verlieben, ist das schön - weil es immer schön ist, wenn Menschen lieben. Wenn sie zusammen leben wollen, sollte das allen nur Recht sein. Weshalb denn auch nicht?

Völlig unverständlich also, dass ein Abgeordneter des südafrikanischen Parlamentes den Dienstag als den "traurigsten Tag in zwölf Jahren Demokratie" bezeichnet hat. Weil das Parlament an diesem Tag die so genannte "Homo-Ehe" gebilligt hat.

Dass es sich um einen "christlichen Abgeordneten" gehandelt habe, macht die Reaktion nicht verständlicher; im Gegenteil: Behauptet das Christentum nicht, die "Religion der Liebe" zu sein? Seit wann gibt es "gute Liebe" und "schlechte Liebe"? Liebe ist.

Macht Religion intolerant?

geschrieben von undeutsch | 13 Nov, 2006

Elton John fordert, "organisierte Religion total (zu) verbannen". In einem Interview mit dem "Observer" sagte er, Religion verwandle Menschen in "hasserfüllte Lemminge". Als Beispiel nannte der Musiker den Schwulen-Hass, den die Religionen stets geschürt hätten.

Erst jüngst fand sich in der Zeitung ein Bericht über randalierende orthodoxe Juden, die gegen eine Schwulen-Parade in Israel auf die Strasse gegangen waren - um nicht immer nur Beispiele aus der islamischen Welt zu zitieren.

Ich gebe zu: Johns Forderung hat etwas. Mir geht sie allerdings zu weit. Was ich fordern würde, ist eine weltweite "Antirassismus-Strafnorm" wie in der Schweiz: Wer andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung angreift, verunglimpft, bedroht, unterdrückt oder ausbeutet, wird verwarnt, geächtet, bestraft. Er schliesst sich selbst aus der Gemeinschaft toleranter, oder einfach: menschlicher Menschen aus.

Nur müssten wir das noch viel deutlicher machen; vor allem angesichts all der fanatischen Scharfmacher weltweit, in allen Kulturen, unter dem Deckmantel (fast) aller Religionen.

Väter unter Generalverdacht

geschrieben von undeutsch | 10 Nov, 2006

Väter können oder wollen nicht erziehen. Mütter schon. - So einfach ist das Elternbild weiter Teile derer, die professionell mit Eltern arbeiten. In einem "Fachbeitrag" über den "Umzug zum anderen Elternteil" von Daniela Studer heisst es:

"Bei einer Trennung oder Scheidung fällt in der Regel dem einen Elternteil das Sorgerecht, dem anderen das Besuchsrecht zu. (...) Ist die Fähigkeit der Mutter zur Kindererziehung nicht massiv eingeschränkt, wird in den meisten Fällen das Sorgerecht der Mutter zugesprochen."

So weit - schlecht genug, aber nun einmal die Realität. Wirklich hart wirds vier Absätze weiter:

"Bei einem Umzug müssen mit dem Vater viele Fragen vorgängig geklärt werden. Die optimale Betreuung des Kindes muss gewährleistet sein und der Vater muss sich die nötige Zeit nehmen können, um sich angemessen um das Kind zu kümmern. (...) Der neue Wohnort des Kindes beim Vater muss ähnlich geprüft werden, wie wenn es sich um eine Pflegefamilie handeln würde..."

Die Mutter bekommt das Sorgerecht, wenn ihre "Fähigkeit zur Kindererziehung nicht massiv eingeschränkt" ist, der Vater steht unter Generalverdacht. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Das ist Sexismus pur.

Es geht noch weiter im Text:

"Vielleicht hilft eine kleine Liste, auf der aufgeschrieben wird, was den anderen Elternteil für eine kindorientierte Erziehung qualifiziert. Einige Erziehungsgrundsätze müssen vielleicht mit dem Vater neu diskutiert werden."

Dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein.

Sadistische Rituale

geschrieben von undeutsch | 3 Nov, 2006
In Saudi-Arabien sind ein Mann und eine Frau verschleppt und vergewaltigt worden. Verurteilt wurden jetzt sie. Sie waren zusammen in einem Auto unterwegs gewesen. Obwohl sie nicht verheiratet sind. Das Urteil: 90 Peitschenhiebe.

Gesundes Kind

geschrieben von undeutsch | 2 Nov, 2006

Gespräch zweier Frauen gestern in der Tram: "Ja, und er mag keine Milchschnitte." - "Was ist das für ein Kind? Vanille mag er nicht und Milchschnitten mag er nicht." - "Na ja, Vanille kann ich verstehen, das ist schon nicht jedermanns Sache."

Ja, was ist das für ein Kind? Ein (noch) gesundes, allem Anschein nach.

übel

geschrieben von undeutsch | 31 Okt, 2006

Ich halte mich ja nur selten auf Damen-WCs auf. Meines Wissens nach, sind sie aber immer ähnlich aufgebaut: Die Damen gehen darin in kleine, abgeschlossene Kabinen, lassen dort - von den Blicken der anderen verborgen - die Hosen herunter (oder heben die Röcke), erledigen ihr Geschäft und kommen vollkommen bekleidet wieder aus jenen Kabinen, um sich eventuell im Vorraum noch die Hände zu waschen.

Dass sie hysterisch auf Männer in ihren WC-Anlagen reagieren, denen sie unterstellen, lüstern blickend durch Löcher in eben jene abgeschlossenen Kabinen zu spähen, das ist das eine. Dass aber jetzt in Italien eine Abgeordnete entrüstet aufschreit, weil die Trassexuelle Vladimir Luxuria die Damentoiletten aufsucht, die sich eben als Dame fühlt - das ist etwas anderes.

Elisabetta Gardini ist das, die sich dort so ereifert. Sie ist die Sprecherin der Partei Silvio Berlusconis. "Übel" sei ihr geworden beim Anblick Luxurias auf der Damentoilette.

Mir wird immer noch übel beim Anblick von Berlusconi-Fans, nicht nur auf Damen-Toiletten. Jetzt weiss ich einmal mehr, wieso.

Pharisäer-Debatte

geschrieben von undeutsch | 27 Okt, 2006

Zuerst wollte ich ja nichts dazu sagen, um mich nicht einmal mehr als völlig unsensiblen Holzkopf zu outen. Jetzt aber reicht es mir doch: Da finden in einer seelisch belastenden Extremsituation junge Männer auf einer Kiesgrube neben anderen Knochen einen Totenschädel. Sie packen ihn, albern damit herum und machen Fotos. Jahre später tauchen diese Fotos auf - und der "Skandal" ist geboren: "Totenschändung". Und wieder einmal grassiert die "Angst vor der Reaktion der islamischen Welt".

Ja, auch dieser Schädel hat einmal zu einem Menschen gehört. Dieser Mensch hat gelebt, ist (hoffentlich) geliebt worden, ist gestorben, wurde betrauert. Das aber ist lange her, das Fleisch zerfallen, die Seele längst wo sie hingehört - nur dieser Schädel, inzwischen anonym, zeugt noch davon, dass er einmal gelebt hat, dieser Mensch, der längst zu "ein Mensch" geworden ist - nicht in der Erinnerung derer, die ihn kannten, wohl aber für die, die seinen Schädel fanden.

Mehr noch: Ein Schädel ist es, ein menschlicher; es könnte der eigene sein, bald schon in dieser Situation; das macht das Spiel makaber - aber auch verständlich. Nicht entschuldbar, aber verständlich. Wer gänzlich ohne Schuld - sogar vergleichbare Schuld - ist, der werfe den ersten Stein.

Es geht um Menschen. Bei dem Toten wie bei den "Tätern". Menschen sind so. Auch wenn es den Pharisäern nicht passt.

Er-leben!

geschrieben von undeutsch | 25 Okt, 2006
Manche Eltern haben schon ein komisches Verständnis von Erziehung: versuchen ihre Kinder in Watte zu packen und meinen, ihnen so etwas Gutes zu tun. So gibt es Eltern, die ihre Kinder krank melden, wenn die in der Schule an den Projekttagen "Flucht Asyl Integration" der Flüchtlingshilfe Schweiz teilnehmen sollen. Angst macht ihnen ein eineinhalb Stunden dauerndes "Schlepper-Spiel", in dem sich die SekundarschülerInnen in die Sitaution von Asybewerbern versetzen können - erlebnisnah. Rund 50'000 Jugendliche haben laut Flüchtlingshilfe schon mitgespielt, vor zwei Jahren ist ein Mädchen dabei zusammengebrochen. Die Flüchtlingshilfe hat längst reagiert und die Spielrequisiten entschärft. - Viel Lärm um nichts, ein Sturm im Wasserglas und wieder einmal mehr: "Sicherheit vor Erleben". So tut man Kindern gewiss nichts Gutes!

Herr Doktor

geschrieben von undeutsch | 20 Okt, 2006

Da habe ich es doch glatt gewagt, in einem Mail einen Herrn Doktor einfach mit seinem Namen anzusprechen. Seine Antwort: "Ich fühlte mich ein wenig durch den Umstand brüskiert, dass Sie in Ihrer Anrede meinen Titel weggelassen haben. Ich dachte, es sei eine allgemein akzeptierte Anstandsregel, dass man dies erst dann tut, wenn man von dem Gegenüber von dieser 'Anstandspflicht' entbunden wird."

Das gibt's wirklich. Nicht erfunden.

Probleme, aktuelle

geschrieben von undeutsch | 18 Okt, 2006

Dämliche Aussage: Regine Fretz vom Volksschulamt des Kantons Zürich kontert die Forderung nach einem "Schulfach Finanzen/Schuldenberatung" der Zeitschrift heute zufolge so: "Wir können nicht alle aktuellen Probleme der Jugendlichen im Lehrplan aufnehmen."

Hallo? Wozu ist denn die Schule da?

"Die Kinder auf das Leben vorzubereiten", nennens wohl die meisten. Ich würde sagen: "Den Jugendlichen zu helfen, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden." Dazu gehört: Ihnen zu helfen, ihre Probleme zu meistern, ihre aktuellen. Welche denn sonst?

Konsumgeil

geschrieben von undeutsch | 18 Okt, 2006

Unsere profit- und konsumgeile Gesellschaft beginnt, sich selbst in den Schwanz zu beissen: Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz hat Schulden, im Schnitt 500 Franken. Betreibungsbeamte fordern deshalb ein "Schulfach Schuldenberatung".

Ich fordere: Bremst die aus, die sich hemmungslos an Unmündigen zu bereichern versuchen. Handyrechnungen an Minderjährige, die 50 Franken im Monat übersteigen, sind inskünftig unzulässig, illegal, null und nichtig.

Ähnliches gilt für den Barverkauf von Elektronikartikeln und Klamotten: Bei 100 Franken ist Schluss. Wer mehr ausgeben will, braucht die Unterschrift der Eltern. Genauso wie für schriftliche Kaufverträge.

Gott verwahre...

geschrieben von undeutsch | 6 Okt, 2006

Ein heisses Eisen fasst der "Beobachter" in Ausgabe 20 an: die Verwahrung von Straftätern. Er stellt den Fall Robert Wenger vor. Obwohl Wenger nur kleinere Betrügereien und Diebstähle beging, wurde er 54 Jahre lang verwahrt. Auch Kurt Papst (Name von der Redaktion geändert) ist verwahrt worden. Er passt schon besser ins Bild, ist Sexualstraftäter - nach Schweizer Strafrecht. "In Deutschland wäre er straflos geblieben oder mit bedingten Strafen davongekommen", schreibt der "Beobachter"; für die gleichen Taten.

Oder Markus Wenger, auch er Sexualstraftäter, aber längst therapiert. Sieben Jahre war er geflohen, lebte fünf davon in Deutschland - "'ohne rückfällig zu werden', wie er betont. In der Nähe von Dresden baute er aus dem Nichts ein erfolgreiches Handelsunternehmen auf und gründete eine Familie - sein Sohn ist inzwischen zehn Jahre alt." Dann wurde ihm eine Verkehrskontrolle zum Verhängnis, er sitzt wieder, in der Schweiz, verwahrt.

Der beste Satz steht kurz vor dem Ende des Beitrages: "Im Strassenverkehr nimmt man jährlich 500 Tote in Kauf. Bei Straftätern gilt hingegen punkto Risiko eine Nulltoleranz."

Auch wenn das unverhältnismässig ist; auch wenn es unmenschliche Folgen hat. Diffuse Ängste sind stärker als Vernunft und Mitmenschlichkeit.

Evolution

geschrieben von undeutsch | 3 Okt, 2006
Erfreuliche Nachricht: "Nur" 62 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer glauben (entlarvende, aber korrekte Wortwahl!) an die Evolutions-Theorie Darwin'scher Prägung. Nicht so erfreulich: 28% der Evolutions-Zweiflerinnen und -Zweifler setzen religiöse Dogmen an die Stelle des vorherrschenden "wissenschaftlichen" Glaubenssatzes. Selig sind die geistig Armen jeglicher Prägung...

Mindestforderung

geschrieben von undeutsch | 2 Okt, 2006

Bedenkenswerte Initiative der SVP: Zuwanderer müssen explizit anerkennen, dass die staatliche Rechtsordnung über der Religion steht; andernfalls sollen sie das Aufenthaltsrecht verlieren können. "Über der Religion" ist missverständlich formuliert. Einwanderer müssen anerkennen, dass die Gesetze des Staates, in dem sie leben, im Konfliktfall höher zu gewichten sind, als die "Gesetze", die sich aus ihrer Religionszugehörigkeit ergeben.

Darin gerade unterscheiden sich ja säkulare von z.B. islamischen Staaten: Die Menschen machen bei uns die Gesetze, sie einigen sich darauf, nicht "Gott" - oder besser: Kleriker, die ein Interpretationsmonopol für religiöse Schriften für sich beanspruchen. Wer bei uns leben will, muss das anerkennen. Ich denke, das ist das Mindeste, was ein Staat verlangen kann.

Staatsaufträge

geschrieben von undeutsch | 29 Sep, 2006

SVP-Grossrat Rudolf Guggisberg fordert: Der Kanton Bern soll künftig bei Staatsaufträgen Unternehmen bevorzugen, die Lehrlinge ausbilden. FDP-Präsident Johannes Matyassy widerspricht: Damit würden ausserkantonale und internationale Unternehmen benachteiligt - "das wäre eine Wettbewerbsverzerrung."

Dem widerspreche ich. Der Staat ist nicht einem abstrakten "freien Wettbewerb" verpflichtet - ohnehin eine ideologische Konstruktion -, sondern seinen Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb ist die Idee von Guggisberg gar nicht schlecht - wenn gewährleistet ist, dass auch solche Unternehmer zum Zug kommen, die gar keine Lehrlinge ausbilden können oder dürfen, weil ihre "Buden" zu klein sind.

Lehrlinge sollten ein Kriterium sein, umweltfreundliche Arbeit ein zweites, regionale Nähe ein drittes - und dann auch der Preis. Aber in dieser Reihenfolge.

Schiefes Bild

geschrieben von undeutsch | 29 Sep, 2006

"Wer mit einem Transparent vor dem Gebäude steht, sollte zunächst einmal froh sein, dass er noch einen Vertrag hat", kommentiert Swiss-CEO Christoph Franz den Streik der Ex-Crossair-Piloten. Da hat er Recht. Das gilt aber für alle Piloten, auch für die der Ex-Swissair. Dass sie unverhältnismässig bevorzugt werden, begründet es nicht. Und: Schuld daran, dass die Swiss nach wie vor auf so wackligen Beinen steht, sind gewiss nicht die Piloten oder andere "einfache Mitarbeiter"; es sind die Manager, diejenigen, die - wie immer - ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben und sich vor Existenzsorgen nicht fürchten müssen.

Selbstzensur

geschrieben von undeutsch | 27 Sep, 2006
So weit sind wir also schon: In China geht "Google" vor den Diktatoren in die Knie und zensiert sich selbst, in Berlin sagt die Deutsche Oper Mozarts "Idomeneo" ab - aus Angst vor islamistischem Terror. In der Inszenierung bringt König Idomeneo abgehackte Köpfe auf die Bühne, von Poseidon, Jesus, Buddha und - jetzt erst wird's brezlig: Mohammed. Das Landeskriminalamt warnte vor einem unkalkulierbaren Risiko - die Verantwortlichen kuschten vorsorglich. Wie weit man es mit Terror(drohungen) doch bringen kann in einer Welt, in der zunehmend die Angst regiert...