Entsorgte Väter

geschrieben von undeutsch | 24 Nov, 2009

Für den Film wirbt ein Flyer - mit folgendem Bild: Ein Fussgängerzonen-Schild, darauf eine stilisierte Frau und ein Kind. Darunter ein zweites Schild: "Privatbesitz".

Darum geht es in dem Film: Dass Mütter - und Behörden! - Kinder als Privatbesitz der Mütter betrachten - und die Väter als im Zweifel entbehrliche "Erzeuger".

"Der entsorgte Vater" heisst der Film von Douglas Wolfsperger; ein doppeldeutiger Titel: Er portraitiert Väter, die "entsorgt" worden sind: ihres Sorgerechts beraubt, zwangsweise aus dem Leben ihrer Kinder entfernt.

Leider keine Einzelfälle. Weil auch Behörden meinen - vermeintlich dem "Kindswohl" verpflichtet - eine von ihnen phantasierte "Ruhe", vermeintlich "klare Verhältnisse" könnten wichtiger sein für ein Kind, als der lebendige Kontakt zu seinem Vater.

Als ob "Verhältnisse" geklärt werden könnten, indem man den Vater entsorgt, als ob ein Kind zur Ruhe finden könnte mit dieser klaffenden Wunde einer erzwungenen Vaterlosigkeit.

Wenn sich Eltern nicht auch nach einer Trennung darauf besinnen können, Eltern zu bleiben - dann muss man sie dazu zwingen. Das fordert das "Kindeswohl". Eine Lösung gegen eineN der beiden ist keine Lösung. Das muss beiden klar (gemacht) werden.

Und wer den Umgang mit dem anderen Elternteil torpediert oder gar unmöglich macht - der sollte um sein "Sorgerecht" bangen müssen. Nicht der, der diesen Kontakt sucht.

Schwanz einziehen

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Als "absolut inakzeptabel" bezeichnet laut 20min von heute Hans Bühler, Mitglied von Natur und Sport Zürich, dass ein 26-jähriger Mann nackt an der Thur gejoggt ist. Absolut inakzeptabel ist für mich, dass "offizielle Naturisten" immer gleich den Schwanz einziehen, wenn wieder einmal jemand "öffentliches Ärgerniss" erregt hat. Ein Ärgerniss für mich ist, dass Menschen immer noch für Aufruhr sorgen, wenn sie sich so zeigen, wie sie sind - wie alle Menschen im Grunde sind: einfach nur nackt.

Eltern

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Eine Trouvaille aus der "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch):

"Unsere Kinder erleben Mutter und Vater weniger als getrennte Personen, sondern mehr in Stimmungen, die zwischen ihnen herrschen. Sie erfassen deren Beziehung."

Wenn das stimmt - welche Konsequenzen hätte es für Eltern, gerade auch, wenn sie nach einer Trennung getrennt erziehen! Denn wenn sich ein Paar als Paar auch trennt - Eltern bleiben beide, immer; egal, wie sie sich verhalten. Als Eltern haben sie eine Beziehung, so lange sie Kinder haben.

Textil-Camping

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Ich LIEBE FKK-Campings. Stellt euch mal diese Komödie vor (so erlebt diesen Sommer auf einem Textil-Camping, mehrmals, immer wieder):

Eine enge Duschkabine, nass natürlich und mit sandigem Boden. Davor eine lange Schlange wartender Menschen, weil jedeR ja rein muss, sich ausziehen, rasieren vielleicht, eincremen vielleicht, jedenfalls abtrocken und wieder anziehen und das DAUERT. Nun ja, auch ich: Ausziehen geht ja noch, duschen sowieso, abtrocknen auch - aber dann: Wie komme ich mit den nassen, leicht sandigen Füssen wieder in die verflixten Hosen? Bei den kurzen geht es einigermassen, auch wenn ich GARANTIERT innen ankomme und mir nassen Sand von innen ans Hosenbein schmiere. Wie aber um Himmels Willen, kriege ich es hin, dass bei LANGEN Hosen nicht ein Hosenbein in der nassen Lache auf dem Boden landet? Eines klemme ich mir unter den Arm oder hänge es über die Schulter, das andere kremple ich hoch; dann rein mit einem Fuss - das Sandproblem ist wie bei den kurzen; dann das angezogene Bein hochgekrempelt halten, das andere aufkrempeln, reinschlüpfen - wieder dieses Sandproblem, verschärft, weil ich mit dem Gleichgewicht ringe...

Richtig URLAUB dagegen der FKK-Camping:

Kein Ausziehen, weil man kommt schon nackt; keine Schlange, eine grosse Gemeinschaftsdusche; Platz; zum Abtrocknen geht man raus; auch anziehen (falls es abends etwas kühler geworden sein sollte oder man einen Ausflug plant) kann man sich ganz entspannt im Trockenen.

Wieso tun sich Menschen solche Textil-Campings eigentlich an?

Enthaarungswut

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Gunhild Kübler in der "NZZ am Sonntag": "Als Gründe für die derzeitige Enthaarungswut geben Mediziner und Soziologen an, dass durch die Nacktheit in den Medien, durch Pornofilme und durch knappe Badebekleidung der Intimbereich zu einem Thema für die Mode geworden sei. Womöglich breche sich auch bei jungen Frauen heute ein 'Hang zur Infatilisierung' Bahn - enthaarte Schamlippen sehen kindlich aus. Mit Sicherheit ist jedoch das Bedürfnis, den eigenen Körper zu stylen, heute so weit verbreitet wie nie zuvor. Und der Machbarkeitswahn sucht sich immer neue Gebiete. Der Trend geht hin zu makelloser Perfektion. Zum Kunstprodukt. Was am Mesnchen an seine Verwandtschaft mit dem Tier erinnern könnte, soll weg."

Und wo bleibt dabei - so meine bange Frage - Platz für tierisch guten Sex?

Männer

geschrieben von undeutsch | 5 Mai, 2009

Die aktuelle Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch); Interview mit einem "Lebenskünstler" (Sam Krieg); dieses Zitat:

"Ich liebe die Unkompliziertheit von Männern; während Frauen Probleme wälzen, die sie noch gar nicht haben, überlegen wir uns entweder überhaupt nichts oder reagieren erst, wenn alles schon zu spät ist, und dann am liebsten falsch."

Idealistisch-realistische Bitterfotze

geschrieben von undeutsch | 3 Apr, 2009

Die erste Hälfte des Buches ist harte Kost, vor allem für männliche Leser: Da kotzt uns Maria Sveland all ihren Frust, ihre Wut vor die Füsse, ihre Unzufriedenheit mit Lebensbedingungen, die es Männern so leicht macht, es sich einfach zu machen und all die Bürde, die Last, das schlechte Gewissen vor allem den Frauen aufhalst, einverleibt - ein einziger Aufschrei gegen etwas, das Maria Sveland als Missbrauch erlebt, ungerecht und brutal. Doch dann - einmal so erleichtert - wendet sich der Stil, wird differenzierter und die "Bitterfotze" entpuppt sich als letztlich doch romantische Idealistin.

Zwei Zitate aus diesem Teil des Buches, die mich - weshalb auch immer - besonders angesprochen haben:

"Ich bin einverstanden mit 'Dankbarkeit' in dem Sinne, dass man in aller Ruhe innehalten kann und sehen, was man hat. Dass der Reichtum in Reichweite ist. Immer wenn man geglaubt hat, das Gras auf der anderen Seite sei grüner, musste man feststellen, dass dem nicht so war. Es erfordert auch eine gewisse Begabung, zu erkennen, was man hat." (Seite 123)

Und aus einem Gespräch mit einer alten Frau:

"'Ich bereue bestimmte Entscheidungen, aber ich bin nicht verbittert. Wenn ich sauer wäre wegen allem, was ich hätte tun sollen, und allem, was ich nicht getan habe, dann könnte ich nicht weiterleben. Ich versuche zu akzeptieren, dass es ist, wie es ist, und nachzuholen, was möglich ist, und Dinge zu machen, die ich früher nicht geschafft habe.' - 'Aber genau davor habe ich Angst', sage ich, 'ich möchte nicht gemein sein, aber ich will wirklich nicht in dreissig Jahren auf Teneriffa sitzen und meine Entscheidungen bereuen! Ich möchte die richtigen treffen!' - Mary schaut mich ernst an. - 'Ja, vielleicht schaffst du es ja, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber wenn es nicht gelingt, und vielen gelingt es nicht, sich immer richtig zu entscheiden, dann ist es sicher keine gute Idee, in dreissig Jahren hier zu sitzen und verbittert zu sein! Du musst lernen, damit zu leben, dass du dich vielleicht manchmal nicht richtig entscheidest.'" (Seite 250)

(Aus: Bitter Fotze, Kiepenheuer & Witsch, 2009)

 

anstössig

geschrieben von undeutsch | 29 Jan, 2009
Wie von Gott geschaffen durch Gottes freie Natur zu wandern - was den einen Ausdruck unbeschwerten Lebensgefühls ist, ist für andere "anstössiges Verhalten". Für Melchior Looser zum Beispiel, Vorsteher des Appenzeller Justiz-, Polizei- und Militärdepartements. Deshalb sollen dort Nacktwanderer in Zukunft gebüsst werden: 200 Franken werden züchtig bekleidete Ordnungshüter ihnen gleich an Ort und Stelle aus den nicht vorhandenen Hosen ziehen (Tagesanzeiger von heute). Statt eigene Prüderie dafür ins Feld zu führen, weicht Looser aus: "Schliesslich halten sich im Sommer auch viele Kinder in unseren Bergen auf." Looser scheint selber keine zu haben. Sonst wüsste er: Kinder "blütteln" für ihr Leben gerne. Und nehmen es auch Erwachsenen nicht übel, wenn sie es tun.

Nackte Männer

geschrieben von undeutsch | 23 Jul, 2008

Das Buch "Scars" von Hermann Braendle und Barbara Buehler (Bucher-Verlag, www.quintessence.at) macht sichtbar, was sonst in die not-to-be-looked-at-anymore-Lücke fällt, die "verlorene Generation", wie Valentin Landmann schreibt, "zwischen Bubi und Opa": nackte Männer über 40.

Landmann: "Dieses Buch sucht nicht die puppenmässige Schönheit, sondern das Individuum. Wer in diesem Buch fotografiert wurde, ist nicht ein Identifikationsbild für jeden, sondern ein eigener einzelner individueller Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen, mit all seinen glatten Stellen und Falten, mit Ebenmässigkeit und Abweichung."

Mit all den meinen verabschiede ich mich in die Ferien - um sie einmal wieder ans Licht kommen zu lassen; nicht das Licht einer Studiolampe beim Fotografen, sondern das der Sonne, in www.villagesabliere.com.

Bis bald!

Bescheiden

geschrieben von undeutsch | 23 Jul, 2008

Was für ein Gegensatz: Vor ein paar Tagen hat ein Freund mir die Rede J.K. Rowlings vor Harvard-AbsolventInnen zukommen lassen, in der sie "the fringe benefits of failure" herausstreicht - heute lese ich in einem "News"-Interview mit Ex-Generalstabschef Heinz Häsler: Eine Führungskraft "muss etwas sein, und er muss etwas können. Er muss charakterlich so stark sein, dass er jederzeit mit gutem Gewissen seinen Untergebenen in die Augen schauen kann."

Inhaltlich ist sicherlich nichts gegen Häslers Worte einzuwenden; es ist der Ton der Worte, der sie zu einem Zeugnis kaltherziger Selbstgerechtigkeit werden lässt. - Schon nur das Wort "Untergebener" lässt mich schaudern. Und mein Gewissen wäre dann vor allem rein, wenn ich mir einzugestehen traute, was an Abgründigem auch in mir ist, was mich dem Geringsten meiner Mitmenschen gemein sein lässt.

Doch nun zu Rowling: Ihre Kurz-Ehe war implodiert, sie war arbeitslos, eine allein erziehende Mutter, so arm wie möglich in England, ohne wohnsitzlos zu sein - "I was the biggest failure I knew". Und dennoch will sie diese Zeit nicht missen, dieses Erlebnis, auf der ganzen Linie versagt zu haben: "...failure meant a stripping away of the inessential. I stopped pretending to myself that I was anything other than what I was".

Das erst habe ihr erlaubt, sich ganz auf sich selbst, auf ihr Herzensanliegen zu konzentrieren, "the only work that mattered to me ..., the one area I believed I truely belonged. I was set free, because my greatest fear had already been realised" - da spricht so etwas wie Demut heraus, aber keine weinerliche; das Gegenteil von Selbstgerechtigkeit.

Eine Demut, die wahre Grösse erst ermöglicht, menschlich gedeckt, die moderne Märchen möglich macht: "I still had a daughter whom I adored, and I had an old typewriter and a big idea."

Sie scheint bescheiden geblieben zu sein, auch heute, als eine der reichsten Frauen der Welt.

Scars

geschrieben von undeutsch | 21 Jul, 2008

Die Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch) hat mich auf ein wundervolles Buch aufmerksam gemacht, ein Stück Nacktkultur, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt: "Scars". Es zeigt ganzformatige Fotos nackter Männer über vierzig. Im Vorwort schreibt Philip Culbertson:

"...Mein Körper hat ... damit begonnen, seine eigene Geschichte zu erzählen, meine Geschichte und zwar ohne Selbstidealisierung, die ich ehedem konstruiert habe, um den Standards und Erwartungen von anderen im Hinblick darauf, wie ein männlicher Körper auszusehen habe, zu entsprechen. ... Ein externer Leser mag diese Narben hässlich finden, aber wenn ich sie ihre eigene Geschichte erzählen lasse, glaube ich, dass sie meine Geschichte erzählen, und zwar die von Freud und Leid. ... Nur dann bin ich frei und zufrieden ich selbst, wenn ich mich in der Öffentlichkeit nicht für meinen Körper oder meine Narration schäme. Mit dem Alter lerne ich, meine eigene Geschichte und meinen eigenen Wert zu schätzen."

Bucher Verlag, www.quintessence.at

 

Körper

geschrieben von undeutsch | 17 Jun, 2008

Geiler Satz aus der aktuellen "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch):

"Ich beginne zu entdecken, dass ich nicht einen Körper habe, über den ich verfügen kann, sondern Körper bin." (Xaver Pfister)

Lindenberg at his best

geschrieben von undeutsch | 13 Jun, 2008
Eigentlich wollte ich ganz was anderes schreiben; aber auf der Fahrt hier her habe ich das neue Lindenberg-Album angehört (iPod sei Dank), das mir meine Frau gestern mitgebracht hat. Ich hätte nie gedacht, dass Lindenberg noch einmal so ein starkes Album gelingen würde; aber es ist wirklich "stark wie zwei": Lindenberg at his best! - Das beste deutsche Rock-Album aller Zeiten. Das schlägt sogar "Mensch". (Natürlich ist es seichter - aber SO schön...!)

Nicht-materielles Vermögen

geschrieben von undeutsch | 30 Mai, 2008

In der aktuellen "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch) findet sich ein Beitrag über "Die Ökonomie des ganzen Hauses", in der Thomas Huber-Winter interessante Gedanken für den Trennungs-Fall formuliert:

"Das Eherecht bestimmt klar: Das während einer Ehe erworbene Vermögen (Errungenschaft) inklusive Vorsorgekapital wird hälftig aufgeteilt. Auch bei unverheirateten Paaren können Sachwerte fair verteilt werden. Wie aber kann das nicht-materielle «Vermögen», die Früchte der Arbeit, die sich in fest an die Personen gebundenen Beziehungen und Kompetenzen zeigen, gerecht unter den sich Trennenden aufgeteilt werden?

Wie kann der klassische Familienernährer am «Vermögen» der ehemaligen Partnerin im privaten Bereich, insbesondere an der Beziehung zum Kind bzw. zu den Kindern, teilhaben, das sie aufbauen und pflegen konnte, weil er sie vom Gelderwerb entlastete? Wie kann die klassische Hausfrau nach der Trennung am «Vermögen» des ehemaligen Partners in der Berufswelt teilhaben, das er dank ihrer Entlastung von Haus- und Familienarbeit aufbauen und pflegen konnte? Solche «Vermögens»-Werte lassen sich nicht in Franken aufrechnen und neu verteilen.

Eine Möglichkeit des Teilens wäre die gegenseitige Unterstützung nach der Trennung in der jeweils anderen «Vermögens»-Nachbildung: Der Mann unterstützt die berufliche Entwicklung der Frau, die Frau unterstützt die Verstärkung der Beziehung des Mannes zum Kind."

Schön wärs.

Der Richtige

geschrieben von undeutsch | 3 Apr, 2008

Hab gerade bei Steffen (http://www.steffenhro.blogspot.com/) einen schönen kleinen Film entdeckt. Aber Achtung! - geht um Liebe, Sex, Gewalt, AIDS und den "Richtigen", den man(n) er-leben will.

Prävention

geschrieben von undeutsch | 12 Feb, 2008

Wie pervers ist die Gesellschaft, in der wir leben? Da fordert ein Ratgeber der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Eltern von Kleinstkindern auf, Kinder beim Wickeln zu streicheln, zu kitzeln, zu liebkosen und zu küssen. Und auch Scheide und Klitoris dabei nicht geflissentlich zu übersehen. - Und wir handeln das öffentlich unter dem Schlagwort "Erotik mit Kindern" ab, schelten es eine Anleitung zu sexuellen Handlungen mit Kindern; ein Strafrechtsprofessor meint gar, wer diesem Rat folge, riskiere "unter Umständen strafrechtliche Konsequenzen".

Also gut, drehen wir das Rad zurück, sagen wir wieder "Pfui Teufel" zu den "Schamregionen", züchten wir eine weitere Generation verklemmter Neurotiker mit einem gespaltenen Verhältnis zum Körper - und sorgen wir so dafür, dass sich die Spirale echter sexueller Übergriffe munter weiter dreht.

Die Broschüre will Kinder unterstützen, ihren Körper als lustvoll, als gut, als rundum OK zu erfahren - überall, ohne Tabus und "entwertete Zonen" -, Stolz auch auf ihre Geschlechtlichkeit zu entwickeln. Sie ist reinste Prävention.

"Getrennt erziehend"

geschrieben von undeutsch | 29 Okt, 2007

Der Fall Ruben/Hunkeler zeigt einmal mehr: Es ist grausam, Eltern ihre Kinder, Kindern ihre Eltern zu entreissen - nur weil die Eltern sich trennen wollen oder müssen. Ob die Kinder beim Vater leben oder bei der Mutter ist zweitrangig - so lange sie den anderen Elternteil regelmässig sehen, erleben können. Am besten wäre es, wenn sie sowohl beim Vater wie bei der Mutter leben könnten. In sehr viel mehr Fällen wäre das möglich. Denn getrennte Eltern werden nicht "allein erziehend", sie werden "getrennt erziehend" - gemeinsam oder parallell, je nach dem Grad ihrer Kooperationsfähigkeit.

"Getrennt erziehend" mit "gemeinsamem Sorgerecht", besser vielleicht: "geteiltem Sorgerecht" - das sollte, müsste der Normalfall sein. Dann wären Fälle wie der von Ruben, seiner Mutter und seinem Vater nicht mehr so schrecklich häufig.

Qualitätsbewusst...

geschrieben von undeutsch | 17 Okt, 2007

Australische Wissenschaftler um David Greening haben herausgefunden: Sperma wird "schlecht", wenn es zu lange im Hoden "lagert". Und "zu lange" heisst bereits: drei Tage. 20min: "Durch tägliche Ejakulation wurde die Sperma-Qualität deutlich erhöht. Nach drei Tagen enthielt das Ejakulat zwar mehr Spermien, diese waren aber häufiger deformiert. Je länger nämlich Sperma in den Hoden bleibt, desto anfälliger ist es für DNA-Schäden."

Männer, die auf die Qualität ihrer Spermien achten... - muss ich den Gedanken zu Ende ausführen? Es lebe die Wissenschaft!

Wem nützt Gleichstellung?

geschrieben von undeutsch | 10 Okt, 2007

"Was kommt nach dem Feminismus?" fragt Wolfgang Stadler in "info3". Dabei zitiert er Katharina Rutschky ("Emma und ihre Schwestern") - die sich gegen die "Gleichstellungsutopie" wendet; aus feministischer Sicht:

"Mit wem oder was sollen die gerade erst gleichberechtigten weiblichen Menschen eigentlich gleichgestellt werden? Möglichst haarklein und in Form von Statistiken kontrollierbar mit den männlichen Menschen! Diese schlechte Utopie wird uns gern mit dem Verweis schmackhaft gemacht, dass wir dann an der Macht in den Chefetagen teilnehmen dürften. Doch wer hat davon schon was ausser einer Handvoll Frauen? Also bleibt unterm Strich nur die niederschmetternde Erkenntnis: Von weiblichen Menschen wird nichts Neues erwartet - und schon gar nichts anderes als von männlichen Menschen, die wir uns überall zum Vorbild nehmen sollen... Die Überzeugung, dass Frauen defizitär, ja eigentlich nicht existent zu sein hätten, es weibliche Menschen gar nicht zu geben bräuchte: Das ist der Kern der Gleichstellungsutopie."

Öffentliches Ärgernis

geschrieben von undeutsch | 10 Aug, 2007

Der Mensch, so wie er ist, "wie Gott ihn schuf" - ist ein "öffentliches Ärgernis".

Eigentlich muss ich gar nichts dazu sagen.

Der Irrsinn ist offensichtlich.

Kinder: Störfaktoren der Ego-Gesellschaft

geschrieben von undeutsch | 9 Aug, 2007

In Zürich ist eine Frau einer ultracoolen "Lounge" verwiesen worden - weil sie gestillt hat. Die stellvertretende Direktorin des "Lakeside": "Wer gediegen ein Cüpli trinkt, will vielleicht nicht beim öffentlichen Stillen zusehen." Ein 20min-Leser setzt noch eins obendrauf: "Wenn man ein Kind hat, muss man halt in Gottes Namen auf gewisse Dinge verzichten und kann nicht zu jeder Tageszeit überall sein."

"Cüpli" sind DINKS vorbehalten, Mütter sollen heim an den Herd. Sind sowieso sowas von obervorgestern. Wer kriegt denn heute noch Kinder?

Man kann so denken: Kinder als Privatsache, im Grunde unerwünschte Störfaktoren der für mobile Menschen optimieren Spass-Gesellschaft (die immer nur MEINEN Spass meint, nicht den anderer Menschen).

Ein Hoch dem Egoismus - und die Ewigvorgestrigen, die heute noch Eltern werden, ab in die Ghettos, in denen sie und ihre zweibeinigen Plagegeister nicht stören.

Eigentlich konsequent.

Nach uns keine Zukunft, nach uns die Sintflut; aber whirlpoolwarm, bitteschön.

Konstantin Wecker: aufdringlich glücklich

geschrieben von undeutsch | 15 Jun, 2007

Kein Weckerbuch ohne Gesellschaftskritik - intelligente Gesellschaftskritik:

"Wir leben in einer Gesellschaft, deren heiligstes Ziel die Ablenkung zu sein scheint. Alle Angebote für die Freizeit spiegeln den kostspieligen Versuch wider, jede freie Sekunde zu verhindern, in der wir in der Stille uns selbst begegnen könnten. Überflutet von vorgekauten Bildern, haben wir kaum noch eine Chance, eigene Vorstellungen von Trauer und Freude zu entwickeln. Man führt uns vor, wie man weint, wann man lacht, warum man sich freut. Und schon längst haben wir vergessen, dass all diese aufdringlich glücklichen Menschen auf den Werbeplakaten nur unsere Verzweiflung zu überspielen versuchen. Unsere Verzweiflung über die Unmöglichkeit, sich Glück kaufen zu können."

(Aus: "Die Kunst des Scheiterns. Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden.")

Treue

geschrieben von undeutsch | 5 Jun, 2007

Auf einen hoch interessanten Treue-Begriff bin ich in der neuen Männerzeitung gestossen ("Männer lieben"):

"Wenn jemandem treu sein - dann mir selber, mir und all meinen unliebsamen Seiten. Mich dir mit all meinen unliebsamen Seiten zuzumuten, heisst für mich, dir treu sein", sagt dort Peter Oertle im Gespräch mit seiner Frau Andrea Fröhlich.

Das sollte man gedanklich gründlich durchkauen. Und dann - zumindest ansatzweise - leben.

Kaisershit

geschrieben von undeutsch | 30 Mai, 2007

Wir streben ja - natürlich - eine Hausgeburt an: entspannte Atmosphäre, gewohnte Umgebung; das vermittelt Sicherheit, Geborgenheit, erlaubt der Frau, sich zu öffnen, hinzugeben - und dem Kind, sich auf die Welt zu kämpfen, dorthin, wo es hingehört: nach Hause, in seine Familie. In Ruhe.

Erschreckende Zahlen heute in 20min: Fast jede dritte Schwangere lässt sich heute in der Schweiz ihr Kind aus dem Bauch schneiden. Operation statt Geburt - ein toller Start ins Leben...!

Konstantin Wecker: Ketten des Ruhms

geschrieben von undeutsch | 30 Mai, 2007

Ich weiss jetzt, weshalb sie mir so unsagbar Leid tun, Paris Hilton, Lindsay Lohan oder Britney Spears, wenn sie – von den Medien in ein gleissendes Dauerrampenlicht gezerrt – wieder einmal mit Spott und Häme übergossen werden von neidkomplexgeplagten Schreiber- oder Filmerlingen, die sich berechtigt, ja berufen fühlen, prominente Menschen zu quälen. Konstantin Wecker („Die Kunst des Scheiterns“) über Prominenz:

"Prominente sind bedauernswerte Wesen, die immer so tun müssen, als seien sie glücklich mit den Rollen, die sie vor dem gemeinen Volk zu spielen haben. Dieses Lächeln im Blitzlichtgewitter, diese Minuten der vielleicht manchmal wirklich die Eitelkeit befriedigenden Aufmerksamkeit als Preis für ein Leben in Ketten. In Ketten des Ruhms.

Wenn Sie, lieber unberühmter Mitmensch, bei einem moralischen Lapsus ertappt werden, bei etwas, was Sie vielleicht durchaus in Ordnung finden, was aber nicht mit der angesagten Moral kompatibel ist - also wenn Sie zum Beispiel beim Rauchen in öffentlichen Gebäuden erwischt worden sind -, dann wechseln Sie eben mal schnell den Stadtteil. Oder Sie ziehen aus der Kleinstadt in die Grossstadt.

Oder meinetwegen wandern Sie aus nach Australien.

Besser noch in den Jemen. Da darf man rauchen. Mohammed hat sympathischerweise das Rauchen ausdrücklich gestattet.

Keiner kümmert sich um Sie. Sie können neu beginnen. Neue Freunde, neue Identität, neues Leben.

Als Promi aber sind Sie verloren. Sie leben in Angst und Schrecken, dass Ihre kleinen Schweinereien, die sich alle anderen auch leisten, schon tags darauf an den Pranger gestellt werden.

Und irgendwann leben Sie nicht mehr, wie Sie wollen, sondern wie Sie glauben, dass die Öffentlichkeit es will.

Oder die Presse.

Prominent sein ist ein Gefängnis, das man dauernd mit sich herumschleppt. Und in den meisten Fällen ist das Urteil lebenslänglich."

Konstantin Wecker: der liebe Gott

geschrieben von undeutsch | 29 Mai, 2007

Warum ist Gott unsichtbar? Fragte einer seiner Söhne Konstantin Wecker. Seine Antwort hat mir Tränen in die Augen getrieben - wird in ihr der "liebe Gott" für Kinder doch greifbar:

"Er ist ja gar nicht unsichtbar. Er ist in allem vorhanden, aus jeder Blume lacht er dir zu, und wenn die Mama dich in den Arm nimmt, dann nimmt dich auch der liebe Gott in den Arm. Er versteht alles, was du tust, und wenn du mal etwas gemacht hast, wofür du dich furchtbar schämst, und wenn du glaubst, keiner mehr hat dich lieb, dann ist er für dich da. Er war schon da, bevor die Welt durch seine Liebe erschaffen wurde. Du brauchst ihn nicht erst im Himmel zu suchen, denn er ist ja in dir zu Hause."

(aus: "Die Kunst des Scheiterns")

Konstantin Wecker: gutes Benehmen

geschrieben von undeutsch | 27 Mai, 2007

Zwei Menschen sind mir seit Langem Vorbild geblieben: Konstantin Wecker und Henning Köhler. Von Wecker liegen jetzt autobiografische Betrachtungen vor: "Die Kunst des Scheiterns". Darin findet sich auch ein Kapitel über Erziehung und über - "brave Kinder":

"Sicher, manchmal haben meine Frau und ich schon neidisch zum Nachbartisch geschielt, wenn da Kinder sassen, die keine Salzfässer ausschütteten, keine Löcher in den Tisch ritzten, nicht dauernd aufsprangen, um den Bruder zu ärgern, nicht die Nudeln über den ganzen Tisch verstreuten."

Das kenne ich; nur zu gut.

Da tut es gut, dass ein wohl begründetes Aber folgt: Brav und ruhig am Tisch sitzende Kinder sind ein Widerspruch in sich.

"Gerade der übermässige Wert, der auf gutes Benehmen gelegt wird, vermittelt dem Kind, dass Verhalten wichtiger ist als Sein. Ein folgenschwerer Irrtum, der zwar angepasste Bürger hervorbringt, aber fremdbestimmte Menschen."

Ersparen Sie mir, den an dieser Stelle unumgänglichen Exkurs über "Grenzen". Dazu vielleicht ein andermal mehr. Oder weiter unten.

Lassen wir die Kinder an dieser Stelle einfach einmal Kinder sein: wild und ungebändigt. Danke.

Konstantin Wecker: Schattenseiten

geschrieben von undeutsch | 27 Mai, 2007

Auch auf seine Drogen"karriere" kommt Konstantin Wecker (wieder) zu sprechen in seinem neuen Buch ("Die Kunst des Scheiterns"):

"Hier spricht kein Geläuterter, wie man mir manchmal unterstellen wollte. Ich bin nach wie vor gefährdet, nicht gefeit vor Rückfällen, bin wie so viele andere oft immer noch verstrickt in Sehnsüchte nach diesen Augenblicken, da man die Ewigkeit zu fassen glaubt. Und immer noch herzlich denen verbunden, die es nicht geschafft haben, die am Boden liegen, ausgezählt, abgeschoben, vergessen. Und ich möchte nicht eintauchen in die Abgründe und Schattenseiten all der braven unantastbaren Bürger, die sich erregen über die Schwäche der anderen, ich möchte nicht dabei sein, wenn sie die Haustüre zugeschlagen haben und ihr wahres Gesicht zeigen. Es ist schon schlimm genug, den eigenen Lügen unter die Augen zu treten."

Wie gesagt: ein Buch über Nacktkultur...!!

Konstantin Wecker: Abgründe

geschrieben von undeutsch | 27 Mai, 2007

Ich muss sehr viel lesen zurzeit; dass ab und zu auch ein WIRKLICH gutes Buch darunter ist – dafür sorgt meine Frau. Jetzt hat sie mir „Die Kunst des Scheiterns“ mitgebracht, autobiografische Betrachtungen von Konstantin Wecker mit dem Untertitel „Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden“. An einer Stelle fragt er darin, was ihn – den Wecker von heute – mit diesen vielen anderen verbindet, an die er sich erinnert, den „jungen, faltenlosen Mann mit seinem beneidenswert dichten Haarwuchs“, die Stimme auf alten Schallplatten von ihm. „Weil mein Name unter dem Foto steht?“ – Oder weil er Geheimnisse dieser Person weiss, die anderen verborgen sind?

„Es sind die Abgründe, die uns verbinden, diesen anderen, der meinen Namen trägt, und mich. Ganz bestimmt sind es nicht die Lügen, die man der Gesellschaft von sich auftischt. Die sind austauschbar, derer bedient sich jeder. Schneidert sich doch jeder eine Persönlichkeit zusammen, je nach seiner handwerklichen Fähigkeit matt oder schillernd und nicht selten nach einem Schnittmuster, das die Aussenwelt anbietet, trotz aller scheinbaren Individualität doch mehrheitskompatibel, nicht wirklich kantig, nicht wirklich angreifbar.“

Wir werden noch sehen: Wecker zeigt uns nicht nur seine Fassaden in dem Buch. Er zeigt auch seine Hintergründe. Und lässt uns die Abgründe zumindest erahnen.

Es ist eben - auch - ein Buch über Nacktkultur. Kein Wunder: Seit Langem schon hat Konstantin Wecker Einfluss auf mein Denken. Zum Glück.

Spencer-Baby

geschrieben von undeutsch | 8 Mai, 2007

Bin gerade auf ein wunderschönes Bild gestossen, als ich einem Event von Spencer Tunick auf der Spur war. Es ist auf www.spiegel.de veröffentlicht worden.

Feminismus

geschrieben von undeutsch | 15 Apr, 2007

Julia Onken in der "Sonntagszeitung":

"Die moderne Frau geht selbstverständlich davon aus, dass ihr die gleichen Rechte zustehen wie einem Mann. Sie kämpft nicht, sie beansprucht. Sie klagt nicht an, sie holt sich ihren Teil. Sie sieht sich nicht als Opfer, sie erlebt sich als Handelnde."

"Der neue Feminismus richtet sich nicht gegen den Mann, sondern will mit ihm partnerschaftlich die Welt gestalten. Er klagt Männer nicht an, sondern verhandelt mit ihnen. Der neue Feminismus verabschiedet sich vom Täter-Opfer-Gedanken; Frauen übernehmen Selbstverantwortung und Männer ebenfalls. Fakten werden benannt, aber nicht bejammert. Die Triebfeder ist nicht Kränkung, sondern das Bewusstsein, dass Frauen die gleichen Rechte zustehen wie Männern."

"Denn es gibt trotz allem noch immer viel zu tun. Vor allem im Bereich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf."

Für Frauen wie für Männer.

Freigeben

geschrieben von undeutsch | 2 Mär, 2007

Ich werde bei Vorträgen und Kurzworkshops immer wieder gefragt, was wir denn um Himmels Willen TUN könnten in dieser oder jener Situation, mit diesem oder jenem (durchgeknallten) Teenager. Meine Antwort ist immer die gleiche: darauf vertrauen, dass es gut kommt - und uns klar machen, dass "gut" ganz anders aussehen kann, als wir uns das vorstellen. (Vergleiche: www.PubertaetVerstehen.ch).

Natürlich kann - und muss - man mehr tun, als abwarten, Tee trinken und beten. Aber das Wesentliche ist doch dieses Grund-Vertrauen.

Ich habe in "Info3" (www.info3.de) in einem völlig anderen Zusammenhang den gleichen Gedanken gefunden, schön poetisch formuliert von Astrid Wörn:

"Im Freigeben des anderen liegen Schmerz und Heilung zusammen. Abgeben, freigeben, den guten Mächten übergeben, dass sie meine Lieben schützen und behüten auf ihrem Schicksalsweg, auch wenn ich nicht weiss, wohin er führt."

Drei Bilder

geschrieben von undeutsch | 28 Feb, 2007

Drei Postkarten begleiten mich schon eine Weile - Bilder der Freikörperkultur, die ich von Urlauben an der französischen Atlantikküste mitgebracht, bzw. in einem Postkarten-Shop gefunden habe.

Das erste, das mich fasziniert hat, früher, ist dieses: ein Paar im ästhetischsten Alter, schön in Szene gesetzt.

FKK, aesthetisch - Postkarte

Später fand ich ein natürlicheres, lebensechteres, das mein Bild von FKK noch besser zum Ausdruck brachte:

FKK, natuerlich - Postkarte

Meine Frau schliesslich machte mich auf dieses Foto von Tim Macpherson aufmerksam; es bringt ihr Bild von FKK wohl am besten zum Ausdruck - und mir gefällt es von Tag zu Tag besser: Zusammen älter werden und sich nicht verstecken - das könnte ein schönes Ziel sein. Eine andere Art der Schönheit als im ersten Bild.

FKK, verwittert - Postkarte

Dilemma

geschrieben von undeutsch | 27 Feb, 2007

Auf ein schier unlösbares Dilemma weist Patrick Lienert in seiner Kolumne in wireltern hin: Wenn Männer als "aufgeklärte mitteleuropäische Gutmenschen" sich "selbstredend an der Brutaufzucht voll" beteiligen - verlieren sie ihren Sex-Appeal; gerade auch für die Frauen, mit denen sie jetzt Brutaufzucht betreiben:

"Wir wurden von ihnen einst als potenzieller Mondflieger, Jahrhundert-Künstler, Kriegsheld, Jungunternehmer oder zumindest als Bürohengst wahrgenommen. Nicht als passabler Windelwechsler. Und weil wir Männer uns erstmals in der Geschichte in diesem Ausmass aufs glatte Terrain der Kinderaufzucht begeben, offenbaren wir erstmals auch so viele Schwächen. So viele kleinere und grössere Gelegenheiten, den weiblichen Unmut auf uns zu ziehen, hatten wir noch nie. Irgendetwas machen wir immer falsch."

Kenne ich.

Was hilft? Immer ein bisschen Astronaut bleiben, Lebenskünstler und Manager. Und auch die Frauen werden, bleiben lassen, was sie wollen. "Heldenhaft leben" also - siehe dort!

Jedermanns Depp

geschrieben von undeutsch | 27 Feb, 2007

Ich liebe "Psycho-Tests". Der in der "Wir Väter"-Ausgabe von "wireltern" hat mich schon nach der ersten Frage genervt. Dafür ist die Auswertung geil:

"Sie haben von jedem ein bisschen? Zudem plagt Sie chronisch ein schlechtes Gewissen Kindern, Chef, Frau und Wasserschildkröte gegenüber? Abends fallen Sie nudelfertig ins Bett, in der festen Überzeugung, jedermanns Depp zu sein? Sie beneiden Ihre Single-Freunde heiss um Ruhe, Frieden, Ausgang und Ausschlafen, schwärmen mit ihnen von Jennifer Lopez' Kehrseite - und würden nie, nie, niemals und um nichts in der Welt tauschen wollen, denn etwas Wunderbareres, als mit Ihrem Sohn zu besprechen, warum Nashörner so schlecht Fahrrad fahren und Ihrem Töchterchen beim Schlafen zuzusehen, gibt es garantiert nirgendwo westlich des Urals? Bravo! Genauso müssen Männer mit Kindern sein: kreuznormal, nicht perfekt, hart am Rande des Wahnsinns und - seeeehr gerne Vater."

Frühling

geschrieben von undeutsch | 21 Feb, 2007

In zehn Tagen beginnt - meiner Rechung nach - der Frühling. Vom Sonnenstand her entspricht der heutige Tag dem 19. Oktober. Die Sonne gewinnt an Kraft.

Schon gestern war (wieder) ein echter Frühlingstag - oder eben doch nicht: Es war warm, zumindest in der Sonne; die hat auch geschienen, die Vögel haben gezwitschert. Und doch fehlte diesem "Frühling" etwas nach dem ausgefallenen Winter: das Befreiende.

Der Frühling kommt schleichend wie der Winter sich davongestohlen hat: ohne Macht, ohne Jubilieren; er ist kein Triumpf.

Ich frage mich, welche Geister wir gestern ausgetrieben haben, bei der Fasnacht: die eines Winters, der keiner war - oder die des Frühlings, die wir verschreckt haben.

Falls letzteres, hoffe ich, sie kommen zurück: mit Pauken und Trompeten!

Qualitätszeitung "20min"

geschrieben von undeutsch | 15 Jan, 2007

Ich bin (unter anderem) Journalist. Ich müsste mit einstimmen in den Chor derjenigen, die 20min, die Gratiszeitung, als "qualitativ minderwertig" oder gar "gefährlich" einstufen. So wie Presserats-Präsident Peter Studer: "Mit Besorgnis stelle ich fest, dass die leserstärkste Zeitung der Schweiz '2o Minuten' ist. Punkto Recherche, Analyse und Kommentierung bietet sie wenig ... Informationen sind auf ihren Kern reduziert, die Relevanz erschöpft sich weitgehend im Soft-News-Bereich."

Genau: Kurze, prägnante Information ohne selbstgefällige Kommentare und viel Unterhaltung - das bietet 20min. Dass sie so schnell sogar den "Blick" hat überholen können, spricht für ihre Qualiät, nicht dagegen; wenn man unter Qualität zumindest auch versteht, Leserwünsche, Lesererwartungen zu erfüllen. Denn viele Zeitungen produzieren sich immer noch in einem Elfenbeinturm - an den Lesern vorbei. Das tut 20min nicht, sie ist am Puls der Zeit.

Insofern stimmt ein Vorwurf doch: "Gefährlich" könnte 20min sein. Sie könnte die etwas lethargischen "alten Zeitungs-Tanten" aus ihrem Sommerschlaf reissen - und dazu zwingen, sich auf die Leserinnen und Leser zuzubewegen.

Michael Hug, Chefredaktor der "Berner Zeitung": "Wir Jounalisten sehen uns oft allzu selbstgefällig in einer aufklärerischen Rolle und unterschätzen dabei sträflich, dass unser Publikum von vielen Themen mehr versteht als wir selbst, dass es nicht a priori 'aufgeklärt', sondern informiert werden will". Zumindest von einer Tageszeitung.

Deshalb lese ich 20min. Gerne.

Vereinbarkeitsfrage

geschrieben von undeutsch | 6 Jan, 2007

Na also, geht doch: Zwei Wochen geben die Migros, UBS, Swisscom und Swiss Re männlichen Angestellten frei, die Väter werden; eine Woche ist es bei der SBB, bei Novartis, Ikea und der Bank Coop. Grosszügig, weil völlig freiwillig. Der erste Schritt in eine richtige Richtung. Und doch erst der erste Schritt.

Denn die Vereinbarkeitsfrage ist nicht nur ein Frauenthema. Sie ist sogar vor allem ein Männerthema. Oder sollte es zumindest sein.

Erektionen

geschrieben von undeutsch | 6 Jan, 2007

Als ich vor Jahren mit einer freiwilligen Gruppe meiner damaligen Klasse einen Besuch des grössten Schweizer Naturisten-Geländes vorbereitet habe, hatten die Jungs vor allem eine Sorge: dass sie dort einen Steifen bekommen könnten. Die Angst vor der Erektion begleitet Jungen, sobald sie sich ihrer Erektionen, der Reaktionen anderer darauf und spätestens schliesslich deren (sexueller) Bedeutung bewusst werden.

Später tritt die Angst um die Erektion hinzu: Die Sorge darum, er könnte seinen Mann nicht stehen, wenn eine Frau morgens bereit und willig unter die Bettdecke schlüpft; die Sorge, er könnte seinen Dienst quittieren, mitten im Liebesspiel, abtauen und wirkungslos werden.

Das (scheinbare) Eigenleben des kleinen Mannes stresst den grossen, von Anfang an - und ohne Ende?

Vielleicht hat die Angst um die Erektion mehr mit der Angst vor der Erektion zu tun, als wir gemeinhin denken. In beiden Fällen müssen, möchten wir natürliche Reaktionen unterdrücken, kontrollieren, was sich vielleicht gerade dadurch immer weniger kontrollieren lässt. Liessen wir die Erektionen zu - in der Sauna, im Schwimmbad, beim Einkaufen, müssten wir uns vielleicht später weniger um sie sorgen.

Sabine Lichtenfels (www.sabine-lichtenfels.de) hat sinngemäss einmal gesagt: Wenn ein Mann beim Anblick einer Frau eine Erektion bekommt - warum stört uns das? Ist es nicht in Wahrheit ein Kompliment? - Zumindest Ausdruck der Lebenskraft in uns, die wir nicht zu unterdrücken trachten sollten.

Ja!

geschrieben von undeutsch | 12 Dez, 2006

Eine schöne Zeile aus der aktuellen Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch):

"Leute, die sich sorgten um die Welt, in der ihre Kinder einst leben sollten, lachte er aus. Vor solchem Pessimismus, meinte er, dürfte das Ja zum Leben sich nicht ducken."

(aus einer Kurzgeschichte von Klaus Sorgo)

nackt - ein Skandal!

geschrieben von undeutsch | 29 Nov, 2006

"Jenna und Barbara Bush, die Zwillingstöchter des US-Präsidenten, geraten während ihres Argentinien-Besuchs täglich in die Schlagzeilen: Sie sollen sogar nackt über den Hotelflur gerannt sein."

Heisst es heute auf www.20min.ch. Welch ein Skandal!

Klar geraten sie damit in die Schlagzeilen dieser bigotten, heuchlerischen Welt: weil jeder gerne dabeigewesen wäre, sich das aber nicht einzugestehen traut. Oder zuzugeben.

Nackt sind wir alle. Menschen sind so, so sehen sie aus. Was sollte daran anstössig sein? Anstössig sind - möglicherweise - die Gedanken, die wir uns machen, die Bilder und Fantasien, die in uns aufsteigen, wenn wir nackte Menschen sehen, junge nackte Mädchen wie die Bush-Töchter.

Wenn es einen Skandal gibt, dann sind wir dessen Urheber, nicht sie.

Der Sexguru und unser "kultureller Hintergrund"

geschrieben von undeutsch | 27 Nov, 2006

Da kocht die Volksseele: wenn jemand es wagt, anders als die meisten zu leben - und das auch noch auf dem Gebiet, auf dem so viele sich als klägliche Versager erleben - der Liebe und der Sexualität. Wo so viele gar nicht mehr hinzufühlen wagen, TUN andere etwas - das darf nicht sein; das stellt einen selbst in Frage, rückt die eigene Enttäuschung, die eigene Betäubung vor Augen, gefährdet den Verdrängungs-(Schein-)Frieden, in dem wir uns so gerne einrichten, hinter dem wir uns so gerne verschanzen.

"Sexguru" tönt es aus dem Blätterwald, weil in Nenningkofen ein Psychiater es wagt, in seiner Lebensgemeinschaft "Kirschblüte" freie Liebe und "tantrische Rituale" zu praktizieren. Ein reformierter Pfarrer warnt: "Diese Menschen verleugnen ihren kulturellen Hintergrund und schaden sich längerfristig."

Das Thema Liebe und Sexualität ist nicht gelöst, für alle nicht. Auf diesem Gebiet schaden wir uns alle längerfristig - auch, ja gerade, wenn wir unseren "kulturellen Hintergrund" nicht "verleugnen", sprich: krampfhaft am Ideal der Einehe und sexueller "Treue" festhalten. Die Liebe ist so viel vielfältiger als unsere beschränkten Vorstellungen von ihr!

Zwei, drei, vier Frauen zu haben, ist längst in unseren "kulturellen Hintergrund" eingedrungen, das schockt heute keinen mehr - nacheinander wie beim deutschen Ex-Kanzler Schröder. Nebeneinander haben es auch nicht wenige - heimlich. Die Kirschblütler um Samuel Widmer machen es bewusst, öffentlich; sie setzen sich mit den Gefühlen auseinander, die es aufbrechen lässt. Weil sie wissen: Es muss Pioniere geben, die Neues wagen.

Damit wir alle uns eines Tages längerfristig weniger schaden; weil unser "kultureller Hintergrund" eine neue Information erhält: Wie wir lernen können, mit der Eifersucht konstruktiv umzugehen; und (enttäuschte) Liebe nicht mehr in Krieg münden zu lassen.

Modern mit altem Zopf

geschrieben von undeutsch | 20 Nov, 2006

Die Schweiz trägt modernen Lebensformen Rechnung. Ganz ernsthaft wird jetzt diskutiert, dass Ehepartner im Regelfall auch nach der Heirat ihre eigenen Namen behalten. Auch die Heimatorte ändern nicht.

So wird Schluss gemacht mit der Praxis, die Frau rechtlich dem Manne unterzuordnen: Auf Augenhöhe sollen sie nebeneinander stehen, auch in der Ehe.

Die Kinder sollen den Namen tragen, auf den sich die Eltern einigen. Einigen sie sich nicht, bekommen die Kinder den Namen der Mutter.

Das ist unverständlich. Besser wäre es, die Kinder trügen in diesem Fall beide Namen - bis sie 18 werden und sich für einen entscheiden müssten. Damit sich nicht auch in eine sonst so fortschrittliche Regelung schon wieder das unheilvolle Primat der Mutter einschleicht, das wir andernorts als alten Zopf abzuschneiden uns bemühen.

Liebe ist

geschrieben von undeutsch | 15 Nov, 2006

Wenn zwei Männer miteinander ins Bett gehen, schaden sie niemandem; im Gegenteil: Sich und dem anderen tun sie (hoffentlich) etwas Gutes. Wenn zwei Männer sich ineinander verlieben, ist das schön - weil es immer schön ist, wenn Menschen lieben. Wenn sie zusammen leben wollen, sollte das allen nur Recht sein. Weshalb denn auch nicht?

Völlig unverständlich also, dass ein Abgeordneter des südafrikanischen Parlamentes den Dienstag als den "traurigsten Tag in zwölf Jahren Demokratie" bezeichnet hat. Weil das Parlament an diesem Tag die so genannte "Homo-Ehe" gebilligt hat.

Dass es sich um einen "christlichen Abgeordneten" gehandelt habe, macht die Reaktion nicht verständlicher; im Gegenteil: Behauptet das Christentum nicht, die "Religion der Liebe" zu sein? Seit wann gibt es "gute Liebe" und "schlechte Liebe"? Liebe ist.

Macht Religion intolerant?

geschrieben von undeutsch | 13 Nov, 2006

Elton John fordert, "organisierte Religion total (zu) verbannen". In einem Interview mit dem "Observer" sagte er, Religion verwandle Menschen in "hasserfüllte Lemminge". Als Beispiel nannte der Musiker den Schwulen-Hass, den die Religionen stets geschürt hätten.

Erst jüngst fand sich in der Zeitung ein Bericht über randalierende orthodoxe Juden, die gegen eine Schwulen-Parade in Israel auf die Strasse gegangen waren - um nicht immer nur Beispiele aus der islamischen Welt zu zitieren.

Ich gebe zu: Johns Forderung hat etwas. Mir geht sie allerdings zu weit. Was ich fordern würde, ist eine weltweite "Antirassismus-Strafnorm" wie in der Schweiz: Wer andere Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung angreift, verunglimpft, bedroht, unterdrückt oder ausbeutet, wird verwarnt, geächtet, bestraft. Er schliesst sich selbst aus der Gemeinschaft toleranter, oder einfach: menschlicher Menschen aus.

Nur müssten wir das noch viel deutlicher machen; vor allem angesichts all der fanatischen Scharfmacher weltweit, in allen Kulturen, unter dem Deckmantel (fast) aller Religionen.

Väter unter Generalverdacht

geschrieben von undeutsch | 10 Nov, 2006

Väter können oder wollen nicht erziehen. Mütter schon. - So einfach ist das Elternbild weiter Teile derer, die professionell mit Eltern arbeiten. In einem "Fachbeitrag" über den "Umzug zum anderen Elternteil" von Daniela Studer heisst es:

"Bei einer Trennung oder Scheidung fällt in der Regel dem einen Elternteil das Sorgerecht, dem anderen das Besuchsrecht zu. (...) Ist die Fähigkeit der Mutter zur Kindererziehung nicht massiv eingeschränkt, wird in den meisten Fällen das Sorgerecht der Mutter zugesprochen."

So weit - schlecht genug, aber nun einmal die Realität. Wirklich hart wirds vier Absätze weiter:

"Bei einem Umzug müssen mit dem Vater viele Fragen vorgängig geklärt werden. Die optimale Betreuung des Kindes muss gewährleistet sein und der Vater muss sich die nötige Zeit nehmen können, um sich angemessen um das Kind zu kümmern. (...) Der neue Wohnort des Kindes beim Vater muss ähnlich geprüft werden, wie wenn es sich um eine Pflegefamilie handeln würde..."

Die Mutter bekommt das Sorgerecht, wenn ihre "Fähigkeit zur Kindererziehung nicht massiv eingeschränkt" ist, der Vater steht unter Generalverdacht. Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Das ist Sexismus pur.

Es geht noch weiter im Text:

"Vielleicht hilft eine kleine Liste, auf der aufgeschrieben wird, was den anderen Elternteil für eine kindorientierte Erziehung qualifiziert. Einige Erziehungsgrundsätze müssen vielleicht mit dem Vater neu diskutiert werden."

Dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein.

Lustkauf

geschrieben von undeutsch | 3 Nov, 2006

"Lustkäufe", steht im aktuellen "Spiegel", machen glücklich. Das haben Wissenschaftler der Universität von British Columbia herausgefunden. "Lustkauf" meint dabei nicht die schnelle Nummer mit Damen und Herren, die ihre Körper dazu zur Verfügung stellen, auch keine Shopping-Tour bei Beate Uhse, nicht einmal den Kauf roter Rosen: Alles, was uns Spass macht zu kaufen, Produkte, die uns ein gutes Gefühl vermitteln, selbst wenn wir wissen, dass es nicht "vernünftig" ist.

Eine Tassimo-Kaffeemaschine zum Beispiel, die ich gerne hätte: Ökologischer Blödsinn, weil Kapselsystem, sozial unverantwortlich, weil weit und breit ohne Max Havelaar-Kaffee, ökonomisch unsinnig, weil viel zu teuer pro Tasse Kaffee - und trotzdem (für mich) verlockend.

Wenn die Wissenschaftler Recht haben, hätte ich lange Freude daran. Viel länger jedenfalls als an jeder "vernünftig" abgewogenen Kaufentscheidung. Ich würde den Kauf nicht bereuen.

Wenn ich Zeit habe, zitiere ich einmal ein paar Sätze von Allan Guggenbühl zu diesem Thema. In "Pubertät - echt ätzend" meint der nämlich, dass junge Menschen heute sich über den Konsum in unsere Gesellschaft initiieren. Konsumprodukte sind längst zu einem Wert-Ersatz geworden. Wir kaufen Gefühle, Status und Selbstwertempfinden, vielleicht sogar "Sinn" - nicht Produkte.

Querulanten und "Binder"

geschrieben von undeutsch | 25 Okt, 2006

Wunderbarer Text-Auszug aus der aktuellen "Männerzeitung". Peter Oertle überträgt darin seine Erfahrungen beim Bauen von Trockenmauern auf die Funktion von "Querulanten" in der Gesellschaft: Sie sind "Binder", geben Halt - und machen es den "Normalen" erst möglich, "normal" zu sein.

O-Ton:

 (weiter)

In der Kinderfalle

geschrieben von undeutsch | 16 Okt, 2006

Interessantes Dossier in der "Brigitte": "Väter zwischen Kind und Karriere". Darin präsentiert die Frauenzeitschrift vier "Helden der Kinderzimmer", die "vom Ernährer zum Koch wurden" und verleiht ihnen "rein symbolisch" eine Medaille.

Ich dreh' sie einmal um: André Bade, 33; sein Frau ist Rechtsanwältin. Stefan aus dem Siepen, 42; seine Frau ist Diplomatin, sie teilen sich den Job. Uwe Scheffler, 42; seine Frau ist Ärztin. Und Winfried Growe, 40; seine Frau ist Steuerberaterin.

In "Das dämliche Geschlecht" schreibt Barbara Bierach sinngemäss: Frauen müssten sich nicht wundern, wenn sie in der Kinderfalle landeten; würden sie Berufe wählen, in denen sie ordentlich Kohle machen würden wie ihre Männer, müsste das nicht so sein. - Siehe oben!

"Rund vier Fünftel aller Männer sagen in Umfragen, dass ihre finanzielle Situation sie daran hindere, in Teilzeit oder Babypause zu gehen", heisst es im Brigitte-Dossier. Die Auswahl der "Helden" zeigt: Es ist auch so.

Dennoch: Auch Männer sind dämlich. Kommt ihnen nämlich endlich einmal ein Personalchef entgegen, wie der ebenfalls im Brigitte-Dossier vorgestellte Matthias Malessa von Adidas, dann greifen sie nicht zu. Malessa "hat flexible Arbeitszeitmodell entworfen und die Möglichkeit geschaffen, Dinge von zu Hause aus zu erledigen. Gemeinsam mit der Stadt wurden Krippenplätze eingerichtet, aber mehr Männer gingen deshalb bislang nicht in die Babypause. Von gut tausend Mitarbeitern ist es gerade mal ein dutzend."

Weil es vielelicht doch nicht nur um die Kohle geht. Sondern auch ums Prestige. Und da sollen sich - bitte schön - auch weiterhin die Frauen bücken.

Gott verwahre...

geschrieben von undeutsch | 6 Okt, 2006

Ein heisses Eisen fasst der "Beobachter" in Ausgabe 20 an: die Verwahrung von Straftätern. Er stellt den Fall Robert Wenger vor. Obwohl Wenger nur kleinere Betrügereien und Diebstähle beging, wurde er 54 Jahre lang verwahrt. Auch Kurt Papst (Name von der Redaktion geändert) ist verwahrt worden. Er passt schon besser ins Bild, ist Sexualstraftäter - nach Schweizer Strafrecht. "In Deutschland wäre er straflos geblieben oder mit bedingten Strafen davongekommen", schreibt der "Beobachter"; für die gleichen Taten.

Oder Markus Wenger, auch er Sexualstraftäter, aber längst therapiert. Sieben Jahre war er geflohen, lebte fünf davon in Deutschland - "'ohne rückfällig zu werden', wie er betont. In der Nähe von Dresden baute er aus dem Nichts ein erfolgreiches Handelsunternehmen auf und gründete eine Familie - sein Sohn ist inzwischen zehn Jahre alt." Dann wurde ihm eine Verkehrskontrolle zum Verhängnis, er sitzt wieder, in der Schweiz, verwahrt.

Der beste Satz steht kurz vor dem Ende des Beitrages: "Im Strassenverkehr nimmt man jährlich 500 Tote in Kauf. Bei Straftätern gilt hingegen punkto Risiko eine Nulltoleranz."

Auch wenn das unverhältnismässig ist; auch wenn es unmenschliche Folgen hat. Diffuse Ängste sind stärker als Vernunft und Mitmenschlichkeit.