Schamlos im Nacktbereich

geschrieben von undeutsch | 1 Feb, 2010

"Nacktzone" stand unmissverständlich auf einem Schild vor dem Eingang zum Wellnessbereich mit Whirlpool, Saunas, Ruheräumen. Dahinter nackte Menschen, alte und junge, kleine und grosse, dicke und dünne. Mitten darunter ein Paar Mitte zwanzig, er in Badehose, sie in Bikini; ungeniert. Dass ihnen das nicht peinlich ist...?

Schwanz einziehen

geschrieben von undeutsch | 22 Sep, 2009

Als "absolut inakzeptabel" bezeichnet laut 20min von heute Hans Bühler, Mitglied von Natur und Sport Zürich, dass ein 26-jähriger Mann nackt an der Thur gejoggt ist. Absolut inakzeptabel ist für mich, dass "offizielle Naturisten" immer gleich den Schwanz einziehen, wenn wieder einmal jemand "öffentliches Ärgerniss" erregt hat. Ein Ärgerniss für mich ist, dass Menschen immer noch für Aufruhr sorgen, wenn sie sich so zeigen, wie sie sind - wie alle Menschen im Grunde sind: einfach nur nackt.

Textil-Camping

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Ich LIEBE FKK-Campings. Stellt euch mal diese Komödie vor (so erlebt diesen Sommer auf einem Textil-Camping, mehrmals, immer wieder):

Eine enge Duschkabine, nass natürlich und mit sandigem Boden. Davor eine lange Schlange wartender Menschen, weil jedeR ja rein muss, sich ausziehen, rasieren vielleicht, eincremen vielleicht, jedenfalls abtrocken und wieder anziehen und das DAUERT. Nun ja, auch ich: Ausziehen geht ja noch, duschen sowieso, abtrocknen auch - aber dann: Wie komme ich mit den nassen, leicht sandigen Füssen wieder in die verflixten Hosen? Bei den kurzen geht es einigermassen, auch wenn ich GARANTIERT innen ankomme und mir nassen Sand von innen ans Hosenbein schmiere. Wie aber um Himmels Willen, kriege ich es hin, dass bei LANGEN Hosen nicht ein Hosenbein in der nassen Lache auf dem Boden landet? Eines klemme ich mir unter den Arm oder hänge es über die Schulter, das andere kremple ich hoch; dann rein mit einem Fuss - das Sandproblem ist wie bei den kurzen; dann das angezogene Bein hochgekrempelt halten, das andere aufkrempeln, reinschlüpfen - wieder dieses Sandproblem, verschärft, weil ich mit dem Gleichgewicht ringe...

Richtig URLAUB dagegen der FKK-Camping:

Kein Ausziehen, weil man kommt schon nackt; keine Schlange, eine grosse Gemeinschaftsdusche; Platz; zum Abtrocknen geht man raus; auch anziehen (falls es abends etwas kühler geworden sein sollte oder man einen Ausflug plant) kann man sich ganz entspannt im Trockenen.

Wieso tun sich Menschen solche Textil-Campings eigentlich an?

Enthaarungswut

geschrieben von undeutsch | 17 Aug, 2009

Gunhild Kübler in der "NZZ am Sonntag": "Als Gründe für die derzeitige Enthaarungswut geben Mediziner und Soziologen an, dass durch die Nacktheit in den Medien, durch Pornofilme und durch knappe Badebekleidung der Intimbereich zu einem Thema für die Mode geworden sei. Womöglich breche sich auch bei jungen Frauen heute ein 'Hang zur Infatilisierung' Bahn - enthaarte Schamlippen sehen kindlich aus. Mit Sicherheit ist jedoch das Bedürfnis, den eigenen Körper zu stylen, heute so weit verbreitet wie nie zuvor. Und der Machbarkeitswahn sucht sich immer neue Gebiete. Der Trend geht hin zu makelloser Perfektion. Zum Kunstprodukt. Was am Mesnchen an seine Verwandtschaft mit dem Tier erinnern könnte, soll weg."

Und wo bleibt dabei - so meine bange Frage - Platz für tierisch guten Sex?

Verquere Logik?

geschrieben von undeutsch | 11 Feb, 2009

Da gibt die Schweiz international mal wieder die Lachnummer, der Zürcher Statthalter Bruno Graf spricht von einer "Rückkehr des viktorianischen Zeitgeistes" und ausgerechnet die FKK-Verbände klatschen Beifall: Der Kanton Appenzell macht nackt Wandern zu einem Offizialdelikt. "Man distanziere sich klar von den Nacktwanderern" zitiert der Tagi die Schweizer Naturisten Union und Kurt Fischer, Präsident des deutschen Verbandes für FKK sagt, sein Verband nehme konsequent keine "Nacktwanderer" auf. Denn: "Die Freiheit des Einzelnen hört bekanntlich dort auf, wo die Freiheit der anderen tangiert wird."

Von einer verqueren Logik spricht er und bemüht selbst eine solche. Denn: Tangiert es meine Freiheit nicht, wenn andere mir verbieten, nackt zu sein? Ich will mich nur so zeigen dürfen, wie Gott (oder die Natur) mich geschaffen hat. Viel eher dürfte ich fordern, dass der junge Mann in der Tram gegenüber sein Lippenpiercing entfernt, wenn er in die Öffentlichkeit tritt. Mich stört das nämlich. Oder noch schlimmer: Diese knallige, aufdringliche und zudem meist verlogene Werbung, die mich allenhalben anschreit, an jeder Strassenecke.

Wie viel müssen wir ertragen, ansehen, anhören - weil es eben so ist und weil eine Welt, in der es anders wäre, ärmer wäre, kälter, trist? Und da darf ein nackter Mann auf der Plakatwand dazu gehören, eine nackte Frau auf der Titelseite eines Magazins am Kiosk auch, ein ganz realer nackter Mann in den Appenzeller Bergen aber nicht?

Wo ist da die Logik?

Die Verbände verteidigen wohl eher ihre Pfründe. Und: Der alte Zwist zwischen "ordentlichen" (sprich meist: bieder-bünzligen) Naturisten hier und revoluzionären, anarchistischen oder zumindest alternativen Nudisten dort scheint immer noch nicht überwunden. Im Zweifel zähle ich mich lieber zu letzteren. Obwohl auch mir der Mut fehlt, nackt wandern zu gehen.

Auch ohne "Offizialdelikt".

anstössig

geschrieben von undeutsch | 29 Jan, 2009
Wie von Gott geschaffen durch Gottes freie Natur zu wandern - was den einen Ausdruck unbeschwerten Lebensgefühls ist, ist für andere "anstössiges Verhalten". Für Melchior Looser zum Beispiel, Vorsteher des Appenzeller Justiz-, Polizei- und Militärdepartements. Deshalb sollen dort Nacktwanderer in Zukunft gebüsst werden: 200 Franken werden züchtig bekleidete Ordnungshüter ihnen gleich an Ort und Stelle aus den nicht vorhandenen Hosen ziehen (Tagesanzeiger von heute). Statt eigene Prüderie dafür ins Feld zu führen, weicht Looser aus: "Schliesslich halten sich im Sommer auch viele Kinder in unseren Bergen auf." Looser scheint selber keine zu haben. Sonst wüsste er: Kinder "blütteln" für ihr Leben gerne. Und nehmen es auch Erwachsenen nicht übel, wenn sie es tun.

Nackte Männer

geschrieben von undeutsch | 23 Jul, 2008

Das Buch "Scars" von Hermann Braendle und Barbara Buehler (Bucher-Verlag, www.quintessence.at) macht sichtbar, was sonst in die not-to-be-looked-at-anymore-Lücke fällt, die "verlorene Generation", wie Valentin Landmann schreibt, "zwischen Bubi und Opa": nackte Männer über 40.

Landmann: "Dieses Buch sucht nicht die puppenmässige Schönheit, sondern das Individuum. Wer in diesem Buch fotografiert wurde, ist nicht ein Identifikationsbild für jeden, sondern ein eigener einzelner individueller Mensch mit all seinen Stärken und Schwächen, mit all seinen glatten Stellen und Falten, mit Ebenmässigkeit und Abweichung."

Mit all den meinen verabschiede ich mich in die Ferien - um sie einmal wieder ans Licht kommen zu lassen; nicht das Licht einer Studiolampe beim Fotografen, sondern das der Sonne, in www.villagesabliere.com.

Bis bald!

Bescheiden

geschrieben von undeutsch | 23 Jul, 2008

Was für ein Gegensatz: Vor ein paar Tagen hat ein Freund mir die Rede J.K. Rowlings vor Harvard-AbsolventInnen zukommen lassen, in der sie "the fringe benefits of failure" herausstreicht - heute lese ich in einem "News"-Interview mit Ex-Generalstabschef Heinz Häsler: Eine Führungskraft "muss etwas sein, und er muss etwas können. Er muss charakterlich so stark sein, dass er jederzeit mit gutem Gewissen seinen Untergebenen in die Augen schauen kann."

Inhaltlich ist sicherlich nichts gegen Häslers Worte einzuwenden; es ist der Ton der Worte, der sie zu einem Zeugnis kaltherziger Selbstgerechtigkeit werden lässt. - Schon nur das Wort "Untergebener" lässt mich schaudern. Und mein Gewissen wäre dann vor allem rein, wenn ich mir einzugestehen traute, was an Abgründigem auch in mir ist, was mich dem Geringsten meiner Mitmenschen gemein sein lässt.

Doch nun zu Rowling: Ihre Kurz-Ehe war implodiert, sie war arbeitslos, eine allein erziehende Mutter, so arm wie möglich in England, ohne wohnsitzlos zu sein - "I was the biggest failure I knew". Und dennoch will sie diese Zeit nicht missen, dieses Erlebnis, auf der ganzen Linie versagt zu haben: "...failure meant a stripping away of the inessential. I stopped pretending to myself that I was anything other than what I was".

Das erst habe ihr erlaubt, sich ganz auf sich selbst, auf ihr Herzensanliegen zu konzentrieren, "the only work that mattered to me ..., the one area I believed I truely belonged. I was set free, because my greatest fear had already been realised" - da spricht so etwas wie Demut heraus, aber keine weinerliche; das Gegenteil von Selbstgerechtigkeit.

Eine Demut, die wahre Grösse erst ermöglicht, menschlich gedeckt, die moderne Märchen möglich macht: "I still had a daughter whom I adored, and I had an old typewriter and a big idea."

Sie scheint bescheiden geblieben zu sein, auch heute, als eine der reichsten Frauen der Welt.

Scars

geschrieben von undeutsch | 21 Jul, 2008

Die Männerzeitung (www.maennerzeitung.ch) hat mich auf ein wundervolles Buch aufmerksam gemacht, ein Stück Nacktkultur, wie man es nur selten zu Gesicht bekommt: "Scars". Es zeigt ganzformatige Fotos nackter Männer über vierzig. Im Vorwort schreibt Philip Culbertson:

"...Mein Körper hat ... damit begonnen, seine eigene Geschichte zu erzählen, meine Geschichte und zwar ohne Selbstidealisierung, die ich ehedem konstruiert habe, um den Standards und Erwartungen von anderen im Hinblick darauf, wie ein männlicher Körper auszusehen habe, zu entsprechen. ... Ein externer Leser mag diese Narben hässlich finden, aber wenn ich sie ihre eigene Geschichte erzählen lasse, glaube ich, dass sie meine Geschichte erzählen, und zwar die von Freud und Leid. ... Nur dann bin ich frei und zufrieden ich selbst, wenn ich mich in der Öffentlichkeit nicht für meinen Körper oder meine Narration schäme. Mit dem Alter lerne ich, meine eigene Geschichte und meinen eigenen Wert zu schätzen."

Bucher Verlag, www.quintessence.at

 

Körper

geschrieben von undeutsch | 17 Jun, 2008

Geiler Satz aus der aktuellen "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch):

"Ich beginne zu entdecken, dass ich nicht einen Körper habe, über den ich verfügen kann, sondern Körper bin." (Xaver Pfister)

Nackt zur Wahrheit

geschrieben von undeutsch | 6 Dez, 2007

"Nackt zur Wahrheit" - wenn das mal kein Buchtitel ist! Joachim Weickert rezensiert auf Amazon:

"David Deida hilft uns mit diesem Buch unsere Wahrheit wieder zu finden. Er beschreibt die Illusionen des Verstandes und zeigt uns den Weg des Herzens. In der Manier von Barry Long erläutert David Deida mit seiner klaren, liebevollen Präsenz unser verhaftet Sein in der Welt der Vergangenheit und Zukunft. Schonungslos direkt verdeutlicht er unser Spiel, zeigt uns unsere Maskerade... die Selbsttäuschung!... um uns dann die Möglichkeit zu geben wie wir uns mit unserer Wahrheit, der Wahrheit unseres Herzens, unserer Seele verbinden können. Er beschreibt wie wir in all unseren Beziehungen Erfüllung finden können indem wir ehrlich zu uns selbst sind. Er führt uns auf dem Weg des Herzens durch unseren vergessenen Schmerz, konfrontiert uns mit unseren unterdrückten Emotionen und ungeliebten Gefühlen und ebnet uns den Weg zurück in unsere Vollständigkeit. Es ist höchste Zeit für die Wahrheit... auch wenn wir am Ende nackt darstehen! Nackt sein bedeutet pur sein... wahrhaftig."

Nackt sein bedeutet pur sein - ein schöner Satz. Das Buch aber dürfte mir, fürchte ich, zu newage-ig daherkommen. Anschauen werde ich es mir bei Gelegenheit aber sicher einmal.

Öffentliches Ärgernis

geschrieben von undeutsch | 10 Aug, 2007

Der Mensch, so wie er ist, "wie Gott ihn schuf" - ist ein "öffentliches Ärgernis".

Eigentlich muss ich gar nichts dazu sagen.

Der Irrsinn ist offensichtlich.

Nackt - oder Michalsky

geschrieben von undeutsch | 30 Mai, 2007

Heute habe ich meinen Top-Designer entdeckt. Bei Tchibo:

"Ich bin am allerliebsten so, wie Gott uns alle schuf. Wenn das gerade mal nicht geht, dann trage ich Jeans, T-Shirt und Sneaker."

Michael Michalsky

Konstantin Wecker: Schattenseiten

geschrieben von undeutsch | 27 Mai, 2007

Auch auf seine Drogen"karriere" kommt Konstantin Wecker (wieder) zu sprechen in seinem neuen Buch ("Die Kunst des Scheiterns"):

"Hier spricht kein Geläuterter, wie man mir manchmal unterstellen wollte. Ich bin nach wie vor gefährdet, nicht gefeit vor Rückfällen, bin wie so viele andere oft immer noch verstrickt in Sehnsüchte nach diesen Augenblicken, da man die Ewigkeit zu fassen glaubt. Und immer noch herzlich denen verbunden, die es nicht geschafft haben, die am Boden liegen, ausgezählt, abgeschoben, vergessen. Und ich möchte nicht eintauchen in die Abgründe und Schattenseiten all der braven unantastbaren Bürger, die sich erregen über die Schwäche der anderen, ich möchte nicht dabei sein, wenn sie die Haustüre zugeschlagen haben und ihr wahres Gesicht zeigen. Es ist schon schlimm genug, den eigenen Lügen unter die Augen zu treten."

Wie gesagt: ein Buch über Nacktkultur...!!

Konstantin Wecker: Abgründe

geschrieben von undeutsch | 27 Mai, 2007

Ich muss sehr viel lesen zurzeit; dass ab und zu auch ein WIRKLICH gutes Buch darunter ist – dafür sorgt meine Frau. Jetzt hat sie mir „Die Kunst des Scheiterns“ mitgebracht, autobiografische Betrachtungen von Konstantin Wecker mit dem Untertitel „Tausend unmögliche Wege, das Glück zu finden“. An einer Stelle fragt er darin, was ihn – den Wecker von heute – mit diesen vielen anderen verbindet, an die er sich erinnert, den „jungen, faltenlosen Mann mit seinem beneidenswert dichten Haarwuchs“, die Stimme auf alten Schallplatten von ihm. „Weil mein Name unter dem Foto steht?“ – Oder weil er Geheimnisse dieser Person weiss, die anderen verborgen sind?

„Es sind die Abgründe, die uns verbinden, diesen anderen, der meinen Namen trägt, und mich. Ganz bestimmt sind es nicht die Lügen, die man der Gesellschaft von sich auftischt. Die sind austauschbar, derer bedient sich jeder. Schneidert sich doch jeder eine Persönlichkeit zusammen, je nach seiner handwerklichen Fähigkeit matt oder schillernd und nicht selten nach einem Schnittmuster, das die Aussenwelt anbietet, trotz aller scheinbaren Individualität doch mehrheitskompatibel, nicht wirklich kantig, nicht wirklich angreifbar.“

Wir werden noch sehen: Wecker zeigt uns nicht nur seine Fassaden in dem Buch. Er zeigt auch seine Hintergründe. Und lässt uns die Abgründe zumindest erahnen.

Es ist eben - auch - ein Buch über Nacktkultur. Kein Wunder: Seit Langem schon hat Konstantin Wecker Einfluss auf mein Denken. Zum Glück.

nothing to hide...

geschrieben von undeutsch | 24 Mai, 2007

Das wären Arbeitsbedingungen! (Klicke auf den Link, bestätige dass du 18 bist - keine Angst: KEINE Pornografie - und dann auf den Beamer im Bild.)

http://www.nothing-to-hide.co.uk/

Spencer-Baby

geschrieben von undeutsch | 8 Mai, 2007

Bin gerade auf ein wunderschönes Bild gestossen, als ich einem Event von Spencer Tunick auf der Spur war. Es ist auf www.spiegel.de veröffentlicht worden.

Neuer Trend: ungeschminkt

geschrieben von undeutsch | 17 Apr, 2007

Wirbel um Kate Moss: Sie wagt es, "ungepflegt" (Daily Mail), ja "verwittert" (FMH-Chefredakteur Chris Bell) unter die Leute zu gehen - ungeschminkt einfach. Ist sie unglücklich? Passt Sie sich ihrem Partner Pete Doherty an?

"Vielleicht hat sie", schreibt Bettina Weber in der Sonntagszeitung, auch "einfach keine Lust mehr auf das ganze Prozedere. Vielleicht stören sie ihre Fältchen kein bisschen. Vielleicht findet sie Make-Up-Verzicht cool. Und läutet damit einen neuen Trend ein. Nämlich den der Natürlichkeit. Frauen sollten sie dafür lieben."

Nicht nur Frauen. Alle, denen Menschen lieber sind, als aufgestylte Püppchen.

Selten", meint Bettina Weber, "war ein Trend emanzipierter. Und günstiger." Und die Zeit, die frau sich morgens spare, könne sie in Schlaf investieren. "Was sich wiederum positiv auf den ungeschminkten Teint auswirkt." - Die einzigen, die davon nicht profitieren sind die Bosse (und Bossinnen) der "Schönheits"-Industrie. Um sie ist es nicht schade.

Also: Weiter so, Kate Moss! Nur nicht unterkriegen lassen.

Wahre Schönheit

geschrieben von undeutsch | 6 Mär, 2007

Die Kamera lügt nicht? Weit gefehlt - wie die "Kampagne für wahre Schönheit" von Dove zeigt. Beispiele gefällig? Guckst du hier:

http://www.doveworld.ch/ch_de/ch_de/index.html - und klickst "Initiative für wahre Schönheit" an.

Schaut euch zuerst den Kurzfilm "Body Talk" an, dann "Evolution" - und dann sie Werbe- und Modewelt mit ganz neuen Augen...

Wenn ihr dann wieder einmal in den Spiegel schaut: Auch das ist ein Model - im Urzustand.

Drei Bilder

geschrieben von undeutsch | 28 Feb, 2007

Drei Postkarten begleiten mich schon eine Weile - Bilder der Freikörperkultur, die ich von Urlauben an der französischen Atlantikküste mitgebracht, bzw. in einem Postkarten-Shop gefunden habe.

Das erste, das mich fasziniert hat, früher, ist dieses: ein Paar im ästhetischsten Alter, schön in Szene gesetzt.

FKK, aesthetisch - Postkarte

Später fand ich ein natürlicheres, lebensechteres, das mein Bild von FKK noch besser zum Ausdruck brachte:

FKK, natuerlich - Postkarte

Meine Frau schliesslich machte mich auf dieses Foto von Tim Macpherson aufmerksam; es bringt ihr Bild von FKK wohl am besten zum Ausdruck - und mir gefällt es von Tag zu Tag besser: Zusammen älter werden und sich nicht verstecken - das könnte ein schönes Ziel sein. Eine andere Art der Schönheit als im ersten Bild.

FKK, verwittert - Postkarte

Tantra

geschrieben von undeutsch | 16 Jan, 2007

Trägt Tantra zu einer friedlicheren Welt bei? Möglicherweise.

Das im Westen entwickelte Neo-Tantra hat, so wie ich es verstehe, viel damit zu tun, die sinnliche Erlebnisfähigkeit des Menschen zu steigern bzw. ihn aus dem Gefängnis seiner erlebnisbeschränkenden Vorstellungswelt zu führen.

Zunächst einmal erscheint mir Tantra als vollkommen moralfrei, in einem guten Sinne: Es gibt keine beschränkenden Soll-Vorstellungen, du bist als Mensch aufgerufen, bis an deine Grenzen zu gehen - und darüber hinaus. Das Instrument sind die Sinne, ist der Körper, ist das körpervermittelte sinnliche Erleben. Der "Treibstoff" ist die Lust, immer weiter zu gehen.

So hat Tantra etwas Entgrenzendes, Befreiendes. Wenn wir uns darauf einlassen, konfrontiert es uns mit uns selbst: unseren Tabus, Ängsten, Vorstellungen und unserer "Moral" - mit dem gesamten Korsett, das uns zu "guten", aber auch angepassten Menschen macht, zu Menschen, die einen Teil von sich verstecken, verleugnen, unterdrücken.

Es hilft uns, das Korsett zu sprengen. Behutsam begleitet, ist das ganz gewiss ein Beitrag zu mehr Zu-frieden-heit, letztlich.

"Sekten"

geschrieben von undeutsch | 15 Jan, 2007

In dem bereits erwähnten (schriftlichen) Gespräch in den Kommentaren zu meinem Beitrag "Erektionen", verweist Albert immer wieder auf Seiten, die das ZEGG (www.zegg.de) oder Tamera (www.tamera.org) als "Psychosekten" "entlarven".

Ich habe die Links stehen gelassen, weil sich jeder selbst ein Bild machen soll - ergänze sie nur um die Links der "Sekten" selbst. Mir ist der Sekten-Vorwurf im Laufe meines Lebens mehrfach begegnet, meist - wie sich mir bei näherem Betrachten erschlossen hat - völlig zu unrecht.

Damit will ich nicht sagen, dass es keine Sekten gibt oder sektiererische Tendenzen ganz allgemein. Oh doch, die gibt es, zuhauf. Aber nicht alles, worauf mit der "Sektenkeule" eingedroschen wird, ist auch eine.

Im Gegenteil: Für mich hat das oft SEHR beschränkte Weltbild vieler selbst ernannter "Sektenjäger" und "Aufklärer" selbst sektiererischen Charakter. Für sie gilt nur, was rational nachvollziehbar ist - alles, was ausserhalb ihres begrenzen Horizontes liegt, ist ihnen suspekt. Sie reduzieren die Wirklichkeit auf das, was sie wahrnehmen und verstehen können - und wollen auch anderen verbieten, diese allzu engen Grenzen des Verstandes zu sprengen.

Nein: Um beurteilen zu können, ob etwas sektiererisch ist oder nicht, ob es zu mir, meinem Wahrnehmen, Denken, Fühlen und Wollen passt, mir passt - muss ich mir schon die Mühe machen, selber hinzusehen. Und das heisst immer auch: Mich mit den Menschen auseinandersetzen, die den Ort, die Institution, Gruppe prägen. Aus der Ferne geht das schlecht.

Erektionen

geschrieben von undeutsch | 6 Jan, 2007

Als ich vor Jahren mit einer freiwilligen Gruppe meiner damaligen Klasse einen Besuch des grössten Schweizer Naturisten-Geländes vorbereitet habe, hatten die Jungs vor allem eine Sorge: dass sie dort einen Steifen bekommen könnten. Die Angst vor der Erektion begleitet Jungen, sobald sie sich ihrer Erektionen, der Reaktionen anderer darauf und spätestens schliesslich deren (sexueller) Bedeutung bewusst werden.

Später tritt die Angst um die Erektion hinzu: Die Sorge darum, er könnte seinen Mann nicht stehen, wenn eine Frau morgens bereit und willig unter die Bettdecke schlüpft; die Sorge, er könnte seinen Dienst quittieren, mitten im Liebesspiel, abtauen und wirkungslos werden.

Das (scheinbare) Eigenleben des kleinen Mannes stresst den grossen, von Anfang an - und ohne Ende?

Vielleicht hat die Angst um die Erektion mehr mit der Angst vor der Erektion zu tun, als wir gemeinhin denken. In beiden Fällen müssen, möchten wir natürliche Reaktionen unterdrücken, kontrollieren, was sich vielleicht gerade dadurch immer weniger kontrollieren lässt. Liessen wir die Erektionen zu - in der Sauna, im Schwimmbad, beim Einkaufen, müssten wir uns vielleicht später weniger um sie sorgen.

Sabine Lichtenfels (www.sabine-lichtenfels.de) hat sinngemäss einmal gesagt: Wenn ein Mann beim Anblick einer Frau eine Erektion bekommt - warum stört uns das? Ist es nicht in Wahrheit ein Kompliment? - Zumindest Ausdruck der Lebenskraft in uns, die wir nicht zu unterdrücken trachten sollten.

Freikörperkultur

geschrieben von undeutsch | 8 Dez, 2006
Habe gerade gemerkt, dass der führende Blog zum Thema "Nacktkultur" - dieser - unter dem Stichwort "Freikörperkultur" FKK so weit hinten gelistet ist bei Google, dass es schon gar nicht mehr wahr ist. Deshalb dieser kurze Beitrag, in dem die Begriffe FKK und Freikörperkultur explizit vorkommen - weil sie schliesslich der "Nacktkultur" verwandt sind; wenn auch begrenzter.

nackt - ein Skandal!

geschrieben von undeutsch | 29 Nov, 2006

"Jenna und Barbara Bush, die Zwillingstöchter des US-Präsidenten, geraten während ihres Argentinien-Besuchs täglich in die Schlagzeilen: Sie sollen sogar nackt über den Hotelflur gerannt sein."

Heisst es heute auf www.20min.ch. Welch ein Skandal!

Klar geraten sie damit in die Schlagzeilen dieser bigotten, heuchlerischen Welt: weil jeder gerne dabeigewesen wäre, sich das aber nicht einzugestehen traut. Oder zuzugeben.

Nackt sind wir alle. Menschen sind so, so sehen sie aus. Was sollte daran anstössig sein? Anstössig sind - möglicherweise - die Gedanken, die wir uns machen, die Bilder und Fantasien, die in uns aufsteigen, wenn wir nackte Menschen sehen, junge nackte Mädchen wie die Bush-Töchter.

Wenn es einen Skandal gibt, dann sind wir dessen Urheber, nicht sie.

Der Sexguru und unser "kultureller Hintergrund"

geschrieben von undeutsch | 27 Nov, 2006

Da kocht die Volksseele: wenn jemand es wagt, anders als die meisten zu leben - und das auch noch auf dem Gebiet, auf dem so viele sich als klägliche Versager erleben - der Liebe und der Sexualität. Wo so viele gar nicht mehr hinzufühlen wagen, TUN andere etwas - das darf nicht sein; das stellt einen selbst in Frage, rückt die eigene Enttäuschung, die eigene Betäubung vor Augen, gefährdet den Verdrängungs-(Schein-)Frieden, in dem wir uns so gerne einrichten, hinter dem wir uns so gerne verschanzen.

"Sexguru" tönt es aus dem Blätterwald, weil in Nenningkofen ein Psychiater es wagt, in seiner Lebensgemeinschaft "Kirschblüte" freie Liebe und "tantrische Rituale" zu praktizieren. Ein reformierter Pfarrer warnt: "Diese Menschen verleugnen ihren kulturellen Hintergrund und schaden sich längerfristig."

Das Thema Liebe und Sexualität ist nicht gelöst, für alle nicht. Auf diesem Gebiet schaden wir uns alle längerfristig - auch, ja gerade, wenn wir unseren "kulturellen Hintergrund" nicht "verleugnen", sprich: krampfhaft am Ideal der Einehe und sexueller "Treue" festhalten. Die Liebe ist so viel vielfältiger als unsere beschränkten Vorstellungen von ihr!

Zwei, drei, vier Frauen zu haben, ist längst in unseren "kulturellen Hintergrund" eingedrungen, das schockt heute keinen mehr - nacheinander wie beim deutschen Ex-Kanzler Schröder. Nebeneinander haben es auch nicht wenige - heimlich. Die Kirschblütler um Samuel Widmer machen es bewusst, öffentlich; sie setzen sich mit den Gefühlen auseinander, die es aufbrechen lässt. Weil sie wissen: Es muss Pioniere geben, die Neues wagen.

Damit wir alle uns eines Tages längerfristig weniger schaden; weil unser "kultureller Hintergrund" eine neue Information erhält: Wie wir lernen können, mit der Eifersucht konstruktiv umzugehen; und (enttäuschte) Liebe nicht mehr in Krieg münden zu lassen.

Liebesgarten

geschrieben von undeutsch | 21 Jul, 2006

Bin gerade von hier http://www.rainbowinfo.net/ nach hier http://lovegarden.ch/liebesgarten/ geraten und habe das entdeckt:

Stell Dir vor:
- jede Stadt, jedes Dorf hat seine Liebeszone...
- Jedes Festival, sein Liebeszelt...
Jeder öffentliche Platz, seine Liebesecke..
Im Aufbau:
http://lovezones.net - input welcome...

Nackt ins Büro?

geschrieben von undeutsch | 5 Jul, 2006

"Wie nackt darf man ins Büro?" fragt heute der "Blick". Blöde Frage. Ich habe schon ganz nackte Menschen in Büros gesehen (auf FKK-Geländen); niemand dort hat sich daran gestört.

"Wie aufreizend darf man ins Büro?" Das wäre schon eher eine Frage, über die nachzudenken sich lohnte. Obwohl mir auch das eher eine Frage des persönlichen Geschmacks denn eine allgemeinen Normierungsbedarfs zu sein scheint.

Stadt-FKK

geschrieben von undeutsch | 4 Jul, 2006

In (manchen) islamischen Ländern dürfen Frauen ihr Kopfhaar nicht zeigen. In den angeblich freien "westlichen" Ländern dürfen wir alle nicht zeigen, was wir zwischen den Beinen haben. - Wird eine Diskriminierung dadurch besser, dass sie nicht nur die Hälfte aller Menschen, sondern alle betrifft?

So wie wir von Natur aus sind, dürfen wir nicht in die Öffentlichkeit. Dieser Wahnsinn wird nicht dadurch gesünder, dass (fast) alle bei uns geneigt sind, ihn als "normal" zu betrachten.

Diese Gedanken schossen mir durch den Kopf, als ich mich ein wenig auf www.waldfkk.de umgesehen habe...

(Dort war ich gelandet, als ich einen Link zurückverfolgt hatte. Jemand war auf "Flattersatz" gelandet, als er "Zeigelust" bei Google eingegeben hatte. Der erste Treffer bei diesem Suchbegriff war "WaldFKK".)

Hemmungen

geschrieben von undeutsch | 4 Jul, 2006

Alle zehn Minuten, habe ich einmal irgendwo gelesen, durchzuckt ein Gedanke explizit sexuellen Inhalts Kopf, Herz und was sich sonst noch so durchzucken lässt; bei Männern jedenfalls; bei Frauen sei es eine halbe Stunde, im statistischen Durchschnitt.

Solche Gedanken haben Kraft, sind nicht blutleer, sie gehen mit Gefühlen einher und tragen Willensimpulse mit sich; sie erregen uns, laden uns auf. Gerade jetzt im Sommer, wo sie sich mit einer ganzen Flut von Sinneseindrücken verbinden, mit Wärme, Licht, mit Auslösereizen: nackten Beinen, Füssen, grosszügig Einblick gewährenden Dekolletés, stringverzierten Rundungen in eng anliegenden Röcken...

Man müsste es knistern hören. Man hört nichts, nur lärmige Geschäftigkeit. Kein Sex; der bleibt versteckt.

Wie gross ist das Ausmass dessen, was wir Stunde um Stunde verleugnen, verdrängen, verschieben, abspalten, zu verstecken trachten; unterdrücken? Wie gross die Frustration, die wir so anhäufen? Weil die Energie kein Ventil findet, keinen gesellschaftlich anerkannten Ausdruck? Weil es keine würdigen Räume gibt für sexuelle Impulse in unserer Gesellschaft?

Was wir öffentlich anfachen, drängen wir ab in private Räume hinter möglichst verschlossenen Gardinen. Oder in Klos und Bordelle, an den Stadtrand und auf Autobahnparkplätze. Keine Ecke im Stadtpark, im Freibad, in der es möglich ist zu zeigen, was man fühlt, auszudrücken, was einen bewegt, auszuleben, was sich nicht verstecken, was aufblühen will. Weshalb?

Wovor haben wir Angst, wenn wir fliessen liessen, was sich Bahn brechen will, wenn wir Sex zuliessen als Kommunikations- und Ausdrucksform, als (lustvollen) Teil des (alltäglichen) Lebens? Was würden wir verlieren ausser unseren Hemmungen, Beschränkungen, diesem verdrückten Teil in uns, der das Licht nur scheut, weil wir ihn nicht sehen wollen? Der strahlen könnte, wenn wir ihn nur liessen?

Auch wenn er nicht schön ist, nicht edel, nicht geläutert und "gut". Er ist; lasst ihn leben!

Leben pur

geschrieben von undeutsch | 25 Jun, 2006

Es gibt eine Seite im Internet, die seit einiger Zeit mit meinem Blog verlinkt ist, eine Seite über "nacktes Leben" in Deutschland: die Geschichte der Nacktkultur, das Verhältnis der Religionen dazu, ein Exkurs über Scham - auf hohem Niveau, wie ich jetzt feststellen durfte, als ich mir endlich einmal die Zeit genommen habe, das umfangreiche Material zu lesen.

Wer wissen will, das hinter FKK, Nudismus und "Naturismus" steckt - hier findet er Informationen, Thesen, Beispiele. Besonders die Ausführungen zum Verhältnis von Nacktsein und Sexualität gefallen mir, der Verweis auf Apollon und Dionysos, die im menschlichen Seelenleben untrennbar verbunden sind, ob uns das passt oder nicht.

Lest selber:

www.pfeilinfo.de/artikel/nackt_in_deutschland_02/leben_pur/leben_pur.html

Ans Licht holen!

geschrieben von undeutsch | 24 Mai, 2006

Wenn es einen Grundgedanken der Nacktkultur gibt, dann ist es dieser: ans Licht holen!

Wir haben nicht nur individuell unausgeleuchtete Ecken der Seele, die anzuschauen sich lohnt; auch gesellschaftlich haben wir einige(s) verdrängt; dort wuchert der Rassismus, dort wächst die Gewaltlust.

Gewalt hat mit Angst zu tun, der Angst, zu versagen, unter die Räder zu kommen, an den Rand gedrückt zu werden - ins Nichts zu versinken. Angst ist Performance: Für einen kurzen Moment drängt hervor, was sich zeigen will, was gesehen werden will - "Ich bin noch da, mit mir müsst ihr rechnen, seht her, ich kann etwas bewirken, an dem ihr nicht vorbeisehen könnt!" Es ist ein aus Ohnmacht geborenes Machtgefühl, das für einen Moment überschäumt; kurz flackert auf, was viel zu lange zurückgedrängt worden ist.

Der Mensch will sich zeigen; er will etwas bewirken. Wenn wir ihm keine Bühne geben, sucht er sich eine; dann zwingt er uns hinzusehen.

Geben wir den jungen Menschen Bühnen, geben wir ihnen Gärten, Werkstätten, in und an denen sie sich erproben können - und eine Aussicht auf Erfolg. Dann verschwindet die Gewalt und mit ihr der Rassismus.

Wir brauchen keine perfekt verwaltete Harz-IV-Gesellschaft, wir brauchen offene Räume. Brecht die Betondecken auf, allenthalben. Lasst die Menschen spielen, feiern - experimentieren und arbeiten. Lasst sie ihre Show abziehen; sie wollen sich einbringen. Sie wollen nicht versorgt werden. Sie wollen etwas tun - für sich und für andere.

Mamalou

geschrieben von undeutsch | 27 Apr, 2006

"Mamalou" heisst das poetisch-akrobatische Tanztheater von Monique Schnyder, das ich heute mit meiner Gruppe im Burgdorfer Stadttheater angeschaut habe. Langsam entfalten sich die Bilder, immer wieder neu Überraschendes zaubert Monique Schnyder aus Alltagsgegenständen, verwandelt sie mit Hilfe ihres Körpers, verwandelt ihren Körper mit Hilfe ihrer, be- und verkleidet sich mit Lanpenschirmen, verwickelt sich in einem langen fliessenden Stück Stoff, entwickelt ihn zu einem immer knapperen Kleid, sich durch ihn von der biederen Hausfrau zum Vamp und zurück. Und steht am Schluss als Zwitterwesen zwischen Fledermaus und Schmetterling auf der Bühne und durch das schillernde Flügelgewebe schimmert ihr Körper, der Körper einer schönen, muskulösen, aber wohl geformten Frau.

Atemberaubend schön die Gestalten, die sie entwickelt, die Formen, das Flattern und Fliessen, sich Aufbäumen und Zusammenfallen - und doch bleibt mein (männlicher) Blick gefesselt an die darin verborgene, sich dahinter abzeichnende Form; und einmal mehr stelle ich fest: Es gibt keine vollkommenere Gestalt auf dieser Welt als den weiblichen Körper. Ohne ihn wäre auch dieses fabelhafte Flügelwesen auf der Bühne nur bewegter Stoff, seelenlos und langweilig.

Frühlingsgefühle

geschrieben von undeutsch | 24 Apr, 2006

Na also, geht doch: der dritte Tag ohne Socken! Meiner persönlichen Jahreszeiten-Rechnung nach hat damit der Sommer begonnen - endlich.

Passend dazu heute auch eine Bildstrecke auf www.20minuten.ch - "nackt": den neueste Streich von Spencer Tunick.

Und als ich heute unter diesem Stichwort gegoogelt habe, bin ich auf ein Bild gestossen, in dem die Frühlingsgefühle ein wenig arg mit einem Mann durchgehen, der für Tunick posiert (hat). Weil das Bild nach deutschen Recht sicherlich als "pornografisch" einzuschätzen ist und ich keinen Ärger bekommen will, hier nur der Link:

(Nur klicken, wenn du über 18 bist!)

http://www.theborderlinemusic.com/figafemale.jpg

Der hat wohl irgendetwas falsch verstanden... - Es spricht aber für die Toleranz der Tunick-"Models", dass er es durfte...

Anti-Helden

geschrieben von undeutsch | 3 Apr, 2006

Früher habe ich Helden geliebt, versucht, mich an ihnen zu orientieren, habe sie nachgespielt, Menschen mit hoher Moral, "perfekte" Menschen, die auch einmal einen Fehler machen, nie aber einen fatalen, Menschen, die ihren Kopf immer wieder aus der Schlinge ziehen, Lösungen finden auch in den vetracktesten Situationen, einmal kurz die Beherrschung verlieren, ja, aber sich immer wieder einfangen, edle Menschen; wie Winnetou und Captain Kirk.

Heute liebe ich Anti-Helden, wie Inspector Rebus zum Beispiel, scheinbar Gescheiterte, die immer noch leben, trotzdem Erfolge feiern, sich aber nicht so recht daran erfreuen können, weil sie sich selbst nicht genügen. Ich liebe Bücher, die mir erlauben, an ihrem verbogenen Leben Anteil zu nehmen, ihre Irrungen mitzuverfolgen, äusserlich wie innerlich. Weil ich sie nur zu gut verstehen kann.

Weil das Leben so ist, weil es uns Helden des Alltags zu allerlei Verrenkungen zwingt. Weil wir alle uns selbst nicht genügen, und je mehr wir uns an Helden orientieren, desto weniger.

Der Gedanke kam mir, als ich "Die Sünden der Väter" gelesen habe, als ich Mitleid empfand mit Inpector Rebus, dem Gescheiterten, dem Alkohol zwar Entronnenen, aber Einsamen, der es nicht hinkriegt mit den Frauen, nicht hinkriegt mit seiner Tochter. Es war ein wohlwollendes Mitleid, das ich empfand, ein liebevolles, fast zärtliches. Ich hätte ihn fast, durch das Buch hindurch, in den Arm nehmen wollen.

Mit gedruckten Gestalten gelingt mir das. Mit lebenden weniger. Oft am wenigsten mit mir selbst. Wie viel weiter wären wir, wenn wir so auf alle Menschen zugehen könnten; in dem unerschütterlichen Bewusstein: Sie geben ihr BESTES. Und sie dafür lieben könnten.

Liebenswerte Makel

geschrieben von undeutsch | 1 Apr, 2006

Manchmal ist es gut, wenn man(n) die Perspektive wechselt. Beim Durchblättern von "Glück", dem "Pornoheft für Mädchen", fällt mir auf: Angezogen sehen die Jungs leckerer aus, als ohne Kleider - zumindest auf den ersten Blick. Vor allem bei Tobias sticht das ins Auge: ein gut aussehender junger Mann in lässiger Kleidung - hohe Erwartungen an das, was darunter zum Vorschein kommen wird. Und eher enttäuschend, was dann kommt.

Wie gesagt: auf den ersten Blick. Denn wenn ich mich nur ein wenig in eine Frau versetze (oder einen schwulen Mann), also einmal nur ansatzweise mir vorstelle, ich könnte mit verliebten Augen auf den nackten Tobias schauen - dann ändert sich das Bild. Dann sind es gerade die "Mängel", die "Makel", die ihn und seinen Körper liebenswert erscheinen lassen.

Das ist ja die Tragik der nachgebesserten Werbebilderflut, auch der herkömmlichen Hochglanzsex- und -pornohefte: Dass sie uns ein Körperbild vorspiegeln, das zwar "perfekt", aber auch steril und unzugänglich ist, Oberfläche für Projektionen aller Art, aber nicht wirklich; weit weg von dem, was wir tagaus, tagein erleben, an uns ebenso wie an unseren Partnern.

Was faszieniert mich an dem Körper meiner Frau? Sind das nicht gerade die kleinen "Unebenheiten", die Risse im Bild, das Spezielle, Individuelle, das, was sie (für mich) so unverwechselbar, so einzigartig macht? Ich will keine pickelfreie, cremegebräunte, silikongepolsterte und computergeschliffene Schaufensterpuppe - ich will sie; so wie sie ist; genau so.

Das geht mir durch den Kopf, als ich den nackten Tobias sehe, der scheinbar so viel schöner aussah, als die Kleider ihn noch schützten. Der mir jetzt wehrlos ausgeliefert ist - meiner Kritiksucht oder meiner Liebeskraft. Wenn ich eine Frau wäre, wollte ich ihn knuddeln. Er sieht süss aus; wie süss, sehe ich erst, wenn er nackt ist.

LEBEN

geschrieben von undeutsch | 28 Mär, 2006

Seit ich mir bewusst bin, dass ich denken kann, rege ich mich über Scheinheiligkeit auf, laufe ich innerlich Sturm gegen dieses dumpfe saturierte Zufriedensein, dieses strahlende, selbst-gefällige Dumpfbackentum, das sich moralisch so überlegen vorkommt, so unangreifbar. Ich frage mich immer, was hinter diesen hochglanzpolierten Fassaden ist - gähnende Leere oder brodelndes Unwohlsein, das sich so nur tarnt? In Amokläufen bricht es mitunter hervor, meist dämmert es in diesem ewigen Rentenzustand einem belanglosen Tod entgegen. - Und das soll mir als das "wahre Leben" verkauft werden, als das "richtige Leben"; das soll mir Vorbild sein?

Pfui Teufel!

Ich meine: Soll sich doch lebendig begraben, wer das möchte. Aber es als das "rechte Leben" verkaufen, dieses spannungslose Dahinvegetieren, diesen langweiligen Stillstand hinter zugezogenen Blümchengardinen?

Nein danke!

Dann lieber nackt durch den Regen laufen, stürzen und sich wieder aufrappeln, mit aufgeschlagenen Knien, blutenden Lippen und Augen, in denen Regenwasser sich mit Tränen mischt, Tränen der Freude, der Verzweiflung, der Trauer und der Lust.

L-E-B-E-N.

Die wohlanständigen Spiessgartenschreberbürger werden das nie begreifen. Sie haben es nicht erlebt. Wie denn auch, in ihren Anstandssärgen?

SOMMERschlussverkauf

geschrieben von undeutsch | 4 Mär, 2006

Dem kalten Spätwinter-Sauwetter zum Trotz: ein Ausblick auf den SOMMERschlussverkauf 200X:

Das wär' mal was anderes!...

(gefunden auf www.vivrenu.de)

Nackt, nicht sexuell

geschrieben von undeutsch | 28 Feb, 2006

Seit ich Volkmars Text gelesen habe, weiss ich, was mich neulich so empört hat, als jemand zu mir sagte: "In einem bestimmten Alter sollten Eltern sich vor ihren Kindern nicht nackt zeigen. Die Jugendlichen müssen ihre eigene Sexualität selbst entdecken und entwickeln, sie dürfen in dieser Zeit nicht ungefragt mit der Sexualität anderer konfrontiert werden. Ihre Schamgrenzen muss man achten."

Satz zwei und drei kann ich voll und ganz zustimmen. Satz eins nicht. Empörend ist der angenommene Zusammenhang zwischen Satz eins und Satz zwei und drei.

Wenn ich morgens auf dem Weg von meinem Bett ins Bad nackt durch meine Wohnung laufe, hat das mit Sexualität nichts zu tun.

Wenn ich dabei noch einen Abstecher in die Küche mache, um das Teewasser aufzusetzen, hat das mit Sexualität nichts zu tun.

Wenn ich im Bad auf meine Frau treffe, die dort steht und nackt ihre Zähne putzt; selbst wenn ich sie anschaue und mir denke: "Was habe ich doch für eine wunderschöne Frau" - dann hat das mit Sexualität nichts zu tun.

Wenn ich mich einen Sekundenbruchteil später daran erinnere, wie sie vorhin im Bett noch meinen Pimmel fest in ihren Händen hielt; wenn ich zwei Sekunden später hinter sie trete, ihre Brüste umfasse und mich noch einmal ein wenig an ihr reibe - das hat mit Sexualität zu tun.

Davon bekommen meine Kinder nichts mit. Dafür ist die Badtür geschlossen wie es vorher die Schlafzimmertüre war.

Nacktsein kann mit Sexualität zu tun haben. Muss es aber nicht. Mit Erwachsenen-Sexualität darf ich Kinder egal welchen Alters nicht ungefragt konfrontieren. Mit Nacktsein schon.

 (weiter)

Schuld- und Angstgefühle

geschrieben von undeutsch | 27 Feb, 2006

Wer nicht gerne nackt ist oder es kaum erträgt, andere nackt zu sehen, wer also in meinen Worten "verklemmt" ist (vergleiche meinen gleichnamigen Beitrag), der ist blockiert; durch verdrängte Schuld- und Angstgefühle. Sagt der bereits in "Körperlust - fühlen wie damals" zitierte Volkmar (wenn ich ihn richtig verstanden habe):

Kinder er-leben eine lustvolle Freude am Schauen und Sich-Zeigen. Wenn sie es dürfen, ist das gut. Wenn nicht, bekommen sie ein Problem: Einen Teil von sich müssen sie abspalten, einen (lustvollen) Teil ihres Er-Lebens dürfen sie nicht zeigen. Sie fühlen sich nicht angenommen, nicht bedingungslos geliebt.

Während später für die einen Nacktsein bedeutet, wieder etwas von der Seeligkeit unbekümmerter Kinderjahre zu tanken, ist es für die anderen angstbesetzt: sie fürchten "einen Absturz in jene finstere Urangst: verlassen, einsam und in übergrosser Gefühlskälte 'lebendig begraben' zu sein", schreibt Volkmar.

Auch der Übergang von der kindlichen in die erwachsene Sexualität gelingt ihnen nicht. Sie lernen nicht zu unterscheiden zwischen der kindlich-unbefangenen Lust am Nacktsein (die sie nie erfahren haben, bzw. die ihnen vergällt wurde) und der erwachsenen-sexuellen, libidinösen Lust am Nacktsein, am Schauen und Sich-Zeigen (die sie auch nur schambesetzt erleben). Sie fühlen keine Möglichkeit, libidinöse Regungen zu kontrollieren und zu kanalisieren, sie fürchten "eine jederzeit mögliche Eruption".

Sie empfinden die magische Anziehung, die Nacktsein auf sie ausübt, die "Schaulust", die sie als falsch, als bestrafenswert einzuschätzen gelernt haben, - und an die Stelle der logischen Selbstbestrafung tritt die Fremdbestrafung, "mit dem geballten Hass aus ihrem bisherigen, an Lebendigkeit be- und verhinderten Leben".

Sie haben etwas in sich blockiert und um diesen "inneren Gegner" ruhig zu stellen, benötigen sie einen "äusseren Feind" - um selbst in Balance bleiben zu können. Sie bekämpfen "das Bewusstwerden all jener damals eingerasteten Schuld- und Angstgefühle rigoros ..., indem der Anlass dafür - zumindest ansatzweise, oft mit Hilfe aussen stehender Autoritäten - in aller 'Unschuld' vernichtet wird."

Körperlust - fühlen wie damals

geschrieben von undeutsch | 27 Feb, 2006

In einem Kommentar zu meinem Beitrag "verklemmt" hat Volkmar auf einen längern Text zum Thema hingewiesen, den er verfasst hat: http://www.helpsv.com/nackt-psychosozio.pdf. Seine wichtigsten Thesen (so weit ich sie verstanden habe):

Wer auf gesunde Weise nackt sein will, knüpft damit an Erfahrungen aus der Kindheit an: an die unbekümmerte Schau- und Zeigelust der Kinderjahre ebenso wie an das Gefühl, bedingungslos geliebt und anerkannt zu werden. Als Erwachsener kann er unterscheiden zwischen diesem kindlichen Lebensgefühl und der erwachsenen-sexuellen Komponente, die sich im Nacktsein durchdringen. Er kann der sexuellen Komponente folgen, oder nicht. Er kann pendeln. Die Libido steht zu seiner - freien - Verfügung.

In Volkmars Worten:

"Wer keine Schuldgefühle entwickeln muss, während sich durchaus kontrollierbare körperliche, ja: auch sexuelle Gefühle anbieten, bewusst werden und auf wechselweise Befriedigung zielen, der/diejenige

kann sich entkleiden, dabei Lust empfinden, dabei auch wieder ein wenig aus dem 'Wieder-Kind-Sein' an Zufriedenheit und Geborgenheit 'auftanken'

oder darüber hinaus und beinahe gleichzeitig adulte sexuelle Spiele einleiten und auf vielfältige 'ganzheitliche' Art geniessen -

oder ohne sexuelle Appetenz den alltäglichen Verrichtungen nachgehen - bloss lustvoll-unbekleidet."

"Nackt zu leben, sei es auch nur gelegentlich, bedeutet denen, die es tun: lebendig sein, fühlen wie damals; Körperlust, Gelassenheit, Wärme, Kälte; die Verfügbarkeit kontrollierter Libido und: sich daher frei, behutsam, lustvoll beziehen dürfen auf andere."

Nicht jedeR kann das. Darüber später mehr.

"verklemmt"

geschrieben von undeutsch | 22 Feb, 2006

"Verklemmt", habe ich geschrieben, "war ein viel gebrauchtes Wort in meiner Jugend." Auch in diesem Blog taucht es ab und zu auf. Was oder wer ist eigentlich "verklemmt"? - Ein Versuch:

Verklemmt ist ein Mensch über 20, der über eigene sexuelle Erfahrungen verfügt und nicht unbefangen über Sex reden kann (wenn nicht Missbrauchs- oder sonstige traumatische Erfahrungen dahinter stecken).

Verklemmt ist ein Mensch, dem es Mühe macht, andere Menschen nackt zu sehen (wenn es sich nicht um ein nur ästhetisches Problem handelt).

Verklemmt ist ein Mensch unter 11 und über 17, dem es unangenehm ist, sich in einer Sauna, einer Gemeinschaftsdusche oder gar zu Hause nackt zu bewegen.

Es schadet nicht unbedingt etwas, wenn ein Mensch verklemmt ist. Einer wirklich befriedigenden Sexualität steht es meist im Weg. Und oft sicher auch einem unbeschwerten Lebensgefühl. - Aber wie viele haben schon damit leben gelernt. Sie beweisen: Es geht.

Ich habe auch nichts dagegen - solange es sich nicht gegen andere Menschen wendet. Genau dazu neigen verklemmte Menschen aber gerne, um von sich selbst anzulenken: Sie projizieren ihr eigenes Problem auf andere - und werfen denen "unmoralisches Verhalten" vor.

Sobald das Verklemmtsein anderer zu einer beklemmenden Atmosphäre führt, hört der Spass auf. Unsere ganze Gesellschaft ist tendenziell so, immer noch, ja wieder mehr - allen Love- und Street-Parades zum Trotz.

Stark und authentisch

geschrieben von undeutsch | 21 Feb, 2006

Wie viel dürfen wir unseren Kindern von uns zumuten? Eine heikle Frage. Sie zielt auf einen Grundwiderspruch, den auch ich nicht ganz auflösen kann.

Einerseits wollen Kinder und vor allem Jugendliche authentische Erwachsene, spürbare Erwachsene, nicht abgehobene, selbstgefällige Moral-Apostel. Sie wollen erwachsene Menschen, mit Ecken und Kanten, Stärken und Schwächen, an denen sie sich messen und reiben können. Keine selbsternannten Könige und Königinnen auf dem Thron.

Andererseits nervt nichts sie mehr als Weinerlichkeit. Gerade in der Pubertät suchen sie starke Figuren, an denen sie sich orientieren können, keine Jammerlappen, für die sie sich schämen, die sie verachten müssen. Sie suchen immer noch Lichtgestalten in uns; zumindest Menschen, die ihnen Stand halten können, die nicht einbrechen, wenn sie uns kritisieren, provozieren, herausfordern.

Stark sollen wir sein - und authentisch. Wir sind aber nicht immer stark. Sollen wir unseren Kindern dann etwas vorspielen?

Nein, wir sollen uns zeigen wie wir sind. Aber unseren Müll nicht auf sie abladen. Sie sind keine erwachsenen Partner, noch nicht. Sie wollen uns noch idealisieren - und verteufeln dürfen. Wir dürfen schwach sein, uns auch schwach zeigen mitunter - aber immer so, dass klar wird: Die Verantwortung dafür, die liegt bei uns. Wir suchen nicht Hilfe, wir betteln nicht um Mitleid, wir wollen nichts erreichen damit, niemanden erpressen, niemandem ein schlechtes Gewissen machen. Wir sind - jetzt gerade - so. Aber wir behalten das Heft in der eigenen Hand.

Vertrauensbruch

geschrieben von undeutsch | 15 Feb, 2006

Ärzte haben ihre "Standesregeln" höher zu werten als die Liebe - sonst sind sie schnell ihren Job los. Das zeigt jetzt ein Fall aus der Schweiz: Der Chefarzt des Psychiatriezentrums Oberwallis ist gefeuert worden - "wegen nicht korrektem beruflichem Verhalten" und weil dieses Verhalten zu einem Vertrauensbruch zwischen dem Chefarzt und der Direktion geführt habe.

Der Chefarzt hatte sich verliebt; in eine Patientin; und mit ihr "eine Intimbeziehung unterhalten", wie es heute in 20min steht.

Also ich werde lieber von Menschen mit Herz und Gefühlen behandelt, als von kalten Apparatetechnikern, die selbst so reibungslos funktionieren wie eine Maschine. Der Rauswurf des Chefarztes führt auch bei mir als (potenziellem) Patienten zu einem Vertrauensbruch - mit einem Medizinsystem, dessen "Standesregeln" es Ärzten verbietet, Menschen zu bleiben.

Öffentlich kopulieren

geschrieben von undeutsch | 7 Feb, 2006

Ich weiss nicht, wie häufig Schweine öffentlich kopulieren. Hunde tun es gelegentlich, das habe ich beobachtet. Löwen tun es, das weiss ich aus dem Fernsehen. Wahrscheinlich tun es alle Tiere, die es überhaupt tun. Sie ziehen sich nicht hinter die Büsche zurück.

Menschen ziehen sich zurück. Weil es ihnen peinlich ist, dass sie überhaupt kopulieren; weil ihnen peinlich ist, wie sie es tun; oder wie sie dabei aussehen. Dann schieben sie ihre Kinder vor: Die dürften das nicht sehen. Die könnten damit nicht umgehen.

Affen haben diese Sorge nicht. Deren Kinder sehen zu und lernen was dabei. Vielleicht weil Affen ihren Kindern nichts anderes vormachen, als Affen zu sein. Sie geben sich nicht als etwas anderes aus, als sie sind.

Menschen schon.

P.S.: Die Anregung zu diesem Beitrag verdanke ich einem Blick in die Statistik dieses Blogs. Die Mehrheit der Leser(Innen?) gelangt über folgendes Stichwort auf meine Seite: "Schweinchenstrand".

Power of Naivity

geschrieben von undeutsch | 24 Jan, 2006

Aus einem Bericht von Leila Dregger (www.igf-online.org):

Im November 2005 pilgerten rund 50 Menschen vier Wochen lang durch Israel und Palästina. Organisiert vom Team des Peace Research Village Middle East in Tamera und Israel, geleitet von Sabine Lichtenfels und Benjamin von Mendelssohn. Wir begannen am See Genezareth, durchwanderten Nordisrael, die Westbank und gingen bis Jerusalem.

Das heilige Land - kann hier jemals Frieden entstehen? Diese Frage wird für mich immer verbunden bleiben mit Gesichtern.

Gesichter wie das der jungen Israelin, die vor zwei Jahren ein Bus-Attentat überlebt hat. Monate lang lag sie im Krankenhaus, lernte alles neu, essen, trinken, sprechen. Noch immer steht ihr der Schock im Gesicht geschrieben, aber sie sagt: "Ich kann nicht wütend auf den Attentäter sein. Ich habe mir das Flüchtlingslager angeschaut, aus dem er kam. Vielleicht hätte ich an seiner Stelle ähnlich gehandelt."

Oder Usran, unsere erste Gastgeberin auf der anderen Seite der Mauer. Ihre Familie überschüttete uns mit Essen, Trinken und Herzlichkeit. Ich stellte ihr Michal vor, und es dauerte einen kleinen Moment, bis Usran begriff, dass dies eine Israelin ist. Ein Feind. Noch nie hatte sie andere Israelis kennengelernt als Soldaten. Ein Augenblick verging schweigend, schauend. Dann: "Welcome, welcome, this house is your house."

Es sind wenige, deren Blick nicht durch Angst verstellt ist. Die Überlebende des Bus-Attentats ist eine von ihnen, sie sagte: "Das wichtigste ist, keine Angst zu haben. Denn aus Angst entsteht nur eins: Hass. Und aus Hass ensteht nur eins: Gewalt."

Kann es Frieden geben im heiligen Land? An Frieden zu glauben, gilt in Israel und Palästina oft als naiv. Zu Fuss durch Israel und Palästina? Unmöglich. Israelis in die Westbank? Palästinenser, die sie willkommen heissen? Niemals. Aber es ging, und zwar so gut, dass das Wort von der "Power of Naivity" die Runde machte.

Die Kraft der Naivität, das ist in Wirklichkeit das unbeirrbare Bestehen auf Menschlichkeit. Es ist die Visionskraft, auch in der Not die Chance zu sehen und auch hinter der Maske des Feindes den Menschen. Es ist der ungezähmte Wille, sich trotz Drohung immer wieder für Vertrauen zu entscheiden.

Leila Dregger, www.igf-online.org

Oversexed but underfucked

geschrieben von undeutsch | 9 Jan, 2006

Auszüge aus einem Beitrag im Sonntagsblick-Magazin Sie+Er über "Porn Art":

"Reflexe einer Gesellschaft, die sich permanent erregt und gerade deshalb keine Befriedigung findet." - "eine Sucht nach perfekten Sex, die keiner zu stillen vermag." - "Kein Kommentar bringt die immer aggressivere Gier nach dem ultimativen Paarungskick besser auf den Punkt als die Selbstironie mancher T-Shirt-Träger. Ihr frustrierter Slogan ist ein aktuelles Gesellschaftsprogramm: 'Oversexed but underfucked'."

Ist dem noch etwas hinzuzufügen?

Freakbewusstsein

geschrieben von undeutsch | 22 Dez, 2005

Weit mehr als "Multikulti": Der Gegenentwurf zur gebürsteten nationalstaatlichen Einheitsgesellschaft muss vielfältiger gedacht sein. Nicht nur gehören Menschen mit den verschiedensten nationalen, kulturellen und religiösen Wurzeln dazu, nicht nur Menschen unterschiedlichster sexueller Prägungen und Neigungen, sondern auch Menschen mit unterschiedlichsten Formen von "Behinderung": Menschen eben, die sich weniger dadurch definieren, dass sie dieser oder jener Gruppe angehören, als dass sie - jeder für sich und jeder auf seine Weise - "Freaks" sind: anders - und gerade dadurch unverzichtbar. - Wurde mir klar, als ich heute in der neuen Ausgabe der Curaviva-Zeitschrift über behinderte homosexuelle Menschen las: "Seit kurzem versuchen Behinderte, zu einem stolzen 'Freakbewusstsein' zu gelangen und sich selber einzubringen in die Gesellschaft. 'Schliesslich sind wir ein Teil der Vielfalt des Lebens', unterstreicht auch Aiha Zemp" - eine Psychologin, die mit Arm- und Beinstümpfen geboren worden ist, als "Laune der Natur", wie sie selber sagt.

"Teil der Vielfalt des Lebens" sein und stolz sein dürfen darauf - schöner kann man (frau) nicht ausdrücken, was eine menschliche Gesellschaft lebenswert macht.

"Moralisch anstössig"

geschrieben von undeutsch | 22 Dez, 2005

Als ich im Kino die Vorschau von "Brokeback Mountain" gesehen habe, dachte ich spontan: Das ist etwas für die Jungs, mit denen ich arbeite, die Bewohner der Lehrlings-Wohngruppe, die ich leite. Das provoziert sie, das stösst an ihre Homophobie, reizt sie, ihr (in diesem Punkt viel zu enges und wirklichkeitsfremdes) Weltbild zu weiten: schwule Cowboys - und erst noch solche, die nicht einfach offen schwul sind, sondern heiraten - und doch nicht von einander lassen können.

Dass man(n) das auch anders sehen kann, lehrt mich ein Blick in 20min: Die US-Bischöfe haben den Film als "moralisch anstössig" verurteilt.

Vielleicht ist es ja gerade das, was mich an ihm reizt: Er stösst an zu enge Moralvorstellungen, zertrümmert ein unmenschliches Moralkorsett, eines, das dem Menschen, dem Menschlichen in all seinen vielen, faszinierenden Facetten nicht gerecht wird. "Moralisch anstössig" wird so für mich zu einem Qualitätsmerkmal.

Nacktkultur wie ich sie verstehe

geschrieben von undeutsch | 6 Dez, 2005

"Nacktkultur", wie ich sie vertrete, hat verschiedene Wurzeln. Hier einige Stichworte:

1. Die Lebensreform-Bewegung, Freikörperkultur und "Naturismus": Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper, kein Fleisch, keine Drogen und viel Bewegung an frischer Luft, nackt möglichst; Leben im Einklang mit der Natur.

2. Liberalismus: So viel Raum für Individualität, Kreativität und Vielfalt wie möglich, so wenig Staat wie nötig; geistiger Wettbewerb und Freiheit, die erst dort endet, wo sie die Freiheit des anderen ernsthaft bedroht.

3. Anthroposophie: Geist, (Seele, Leben) und Materie als die zwei Seiten ein und desselben, untrennbar durchwoben und verbunden; der Mensch als Ursprung, Ziel und Offenbarung aller Entwicklung aus unbewussten in immer bewusstere Zustände; Freiheit als Tun einzig aus der Liebe zur Tat.

4. Sozialismus: Der Mensch als gesellschaftliches Wesen, zu sich selbst kommend erst in der Begegnung mit dem Du, auf Kommunikation, Austausch angelegt, mit dem Willen, seinen Beitrag zu leisten, seinen Platz in der Gemeinschaft zu finden und seine Aufgabe darin. Und: "Freiheit ist immer die Freiheit des anders Denkenden."

Das Credo der Nacktkultur: Der Mensch wird erst in Freiheit friedvoll leben, wenn er sich aller Hüllen entledigt, zu sich selbst durchdringt, seinen Kern freilegt und sich so zeigt, wie er ist. Wenn er andere so zu akzeptieren, respektieren, achten lernt, wie sie sind, hier und jetzt. Wenn er sich und alle anderen als auf dem Weg Befindliche erkennt, unfertig, unvollkommen, fehlerhaft. Aber liebenswert, derade deshalb.

"Wer etwas tut, macht Fehler. Wer nichts tut, macht alles verkehrt."