Vaterschaftsurlaub

geschrieben von undeutsch | 16 Mär, 2010

"Es verbiete sich in der Krise, Väter dafür frei zu stellen, dass sie mehr Zeit finden, mit ihren Kindern zu spielen. Krisen, die so in Familien entstehen, müssten privat bewältigt werden. Das ist die alte Devise der Privatisierer von Gewinnen. Im Ernstfall wird sie den Familien zum Verhängnis", schreibt Klaus Sorgo in der jüngsten Ausgabe der "Männerzeitung" (www.maennerzeitung.ch).

Wir kennen das: Im Namen von "Arbeitsplätzen" (die im Zweifel allerdings meist weit weniger wichtig sind als die Renditen der Kapitalgeber und die Löhne der Manager) dürfen Unternehmen nicht verpflichtet werden, (Sozial-)Lasten mit zu tragen oder besser: Sozial-Leistungen zu erbringen. Wenn es dann eng wird - zahlt die Allgemeinheit: über Steuern oder Versicherungsbeiträge. Letztlich sind es immer Menschen, die bezahlen (und nicht nur in den unteren Rängen der Gesellschaft, ironischerweise): mit ihrer Gesundheit, physisch wie psychisch.

"Prävention" bleibt ein leeres Schlagwort für Schönwetterreden.

Irreführung

geschrieben von undeutsch | 28 Sep, 2009

"Körperverletzung durch Irreführung" nennt Thilo Bode von www.foodwatch.de die Werbefalschaussagen der Lebensmittelindustrie. Zwei "Müsterli" aus dem Interview mit der "Sonntagszeitung":

"Wenn Sie sich 'Beo Heimat Apfel-Birne' kaufen, abgeblich eine 'Bio-Erfrischung' aus 'rein natürlichen Zutaten', wie der Hersteller wirbt, kriegen Sie in Wahrheit eine Brause ohne einen einzigen Bio-Apfel drin, dafür aber mit Aromen. Sie dürfen auf der Packung mit dem Spruch 'natürliche Aromen' werben, auch wenn diese nur mithilfe von Bakterien und Pilzen und nicht aus Früchten gewonnen wurden. Das Produkt ist dann Bio und schmeckt auch nach Apfel, enthält aber nicht die Spur der Frucht, die auf der Packung abgebildet ist. Lediglich der Zucker ist aus ökologischer Produktion."

"In Mövenpicks teurer Erdbeermarmelade für 'echte Feinschmecker' ist praktisch dasselbe drin wie bei anderen Marmeladen, aber für den doppelten Preis. Dafür steht 'Mövenpick of Switzerland' drauf. Hergestellt wird sie allerdings in Schleswig-Holstein."

Dinosaurier-Technologie

geschrieben von undeutsch | 11 Jun, 2008

Lebendige Systeme bestehen aus kleinen, auf einander bezogenen, vernetzten Einheiten, sind Netzwerke; Riesen-Konglomerate, auch kleinere Verhärtungen fallen aus dem System heraus, stören es, machen es krank, behindern den Fluss des Systems. Atomkraftwerke sind verhärtete Riesen-Konglomerate; schon von daher dem Leben entgegengesetzt - eine Dinosaurier-Technologie aus den Zeiten technischen Allmachtswahns.

Noch scheint er nicht überwunden. Atel plant ein neues Atomkraftwerk auch in der Schweiz. Die ewig Gestrigen hängen in alten Ideologien fest, klammern sich an technische Machbarkeitsphantasien, die Hybris reduktionistischer "Natur"-Wissenschaft.

Dabei wissen wir längst: Das Problem ist nicht, dass wir zu wenig Energie haben; das Problem ist, dass wir zu viel verbrauchen - gerade weil wir immer noch auf grosstechnische Lösungen setzen, statt vom Leben zu lernen. Es ist mehr als fraglich, ob wir ein krankes System dadurch retten können, dass wir noch mehr von dem tun, was es krank macht.

"Verantwortung"

geschrieben von undeutsch | 19 Mär, 2008

So ist es recht: Die Gewinne sind in private Kassen geflossen, in die der Aktionäre und der Top-Manager (das sind die mit der grossen "Verantwortung"), jetzt tragen grobe Mangementfehler faule "Früchte" - und der Staat soll's richten, sprich: das gemeine Volk, das am Ende immer bezahlt. "Ich glaube nicht mehr an die Selbstheilungskraft der Märkte", sagt der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und fordert ein konzertiertes Vorgehen von Notenbanken, Regierungen und Anlegern, um die globalen Finanzmärkte zu sichern.

Was Top-Manager unter der "Verantwortung" verstehen, für die sie sich so fürstlich entlöhnen lassen, zeigt sich auch in der gegenwärtigen Krise: Sie lassen ihre Mitarbeiter bluten und über die Klinge springen. Wenn die Manager Fehler gemacht, wenn sie sich verkalkuliert haben - fällt ihnen nichts Besseres ein, als treue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Strasse zu setzen. Dafür werden sie dann noch belohnt.

Viel geändert hat sich nicht seit dem Mittelalter.

Wem nützt Gleichstellung?

geschrieben von undeutsch | 10 Okt, 2007

"Was kommt nach dem Feminismus?" fragt Wolfgang Stadler in "info3". Dabei zitiert er Katharina Rutschky ("Emma und ihre Schwestern") - die sich gegen die "Gleichstellungsutopie" wendet; aus feministischer Sicht:

"Mit wem oder was sollen die gerade erst gleichberechtigten weiblichen Menschen eigentlich gleichgestellt werden? Möglichst haarklein und in Form von Statistiken kontrollierbar mit den männlichen Menschen! Diese schlechte Utopie wird uns gern mit dem Verweis schmackhaft gemacht, dass wir dann an der Macht in den Chefetagen teilnehmen dürften. Doch wer hat davon schon was ausser einer Handvoll Frauen? Also bleibt unterm Strich nur die niederschmetternde Erkenntnis: Von weiblichen Menschen wird nichts Neues erwartet - und schon gar nichts anderes als von männlichen Menschen, die wir uns überall zum Vorbild nehmen sollen... Die Überzeugung, dass Frauen defizitär, ja eigentlich nicht existent zu sein hätten, es weibliche Menschen gar nicht zu geben bräuchte: Das ist der Kern der Gleichstellungsutopie."

Empfohlen!

geschrieben von undeutsch | 12 Jun, 2007

Durchgeknallte "Fans" randalieren und brennen im Stadion Feuerwerkskörper ab - die Vereine müssen Strafe zahlen; letztlich auf Kosten derjenigen, die wirklich des Sportes wegen gekommen sind, die höhere Eintrittspreise oder TV-Gebühren zahlen müssen.

Der FCZ will da nun nicht mehr mitspielen - er leitet die Rechung portioniert an identifizierte Randale-"Fans" weiter: "Verursacherprinzip". - Ein mutiger Schritt, zur Nachahmung unbedingt empfohlen!

Peanuts

geschrieben von undeutsch | 10 Jun, 2007

Aufschrei vergangene Woche: Die (notabene freigesprochenen, das heisst juristisch unschuldigen, das heisst auch zu Unrecht angeklagten) ehemaligen Swissair-Verantwortlichen erhalten Prozesskostenentschädigungen von zusammen rund 3 Millionen Franken.

Heute publiziert die Sontagszeitung weitere Zahlen, die die Summe relativieren: "Konservativ geschätzt" kassierten die sieben Ankläger für ihre strafrechtlichen Untersuchungen in den vergangenen Jahren rund 6 Millionen Franken. Und noch einmal 4,5 Millionen gaben sie für Gutachten aus, die sie überwiegend gar nicht verwenden konnten: 10,5 Millionen für eine - letztlich - ungerechtfertigte Anklage. So werden die 3 Millionen für die Verteidiger-Kosten vergleichsweise zu Peanuts!

Mittelalter

geschrieben von undeutsch | 7 Jun, 2007

Totalitäre Tendenzen setzen sich auch in der "Gesundheits"industrie immer mehr durch. Jetzt hat der Deutsche Ärztetag gefordert, für Kinder eine generelle Impf-Pflicht einzuführen, die eine Gemeinschaftseinrichtung wie einen Kindergarten oder eine Schule besuchen. Ärzten, die sich öffentlich empfohlenen Impungen gegenüber kritisch äussern, werden berufsrechtliche Sanktionen angedroht.

Die "moderne" Ärzteschaft in der Nachfolge der katholischen Kirche: mit verbindlicher "Lehrmeinung", Exkommunikation und Zwangsmassnahmen wie im Mittelalter. - Da scheint jemand mit dem Rücken zur Wand zu stehen.

Kein Wunder: Immer mehr Menschen kehren den "Halbgöttern" in Weiss den Rücken und suchen nach Alternativen. Weil sie spüren: Die "Naturwissenschaft" hat die Medizin in eine Sackgasse geführt. - Hoch effizient, aber weiter von "Heilkunst" entfernt als je zuvor.

Totalitärer Machtmissbrauch

geschrieben von undeutsch | 7 Jun, 2007

Was ist das? Zermürbungstaktik, Salamitaktik oder schlicht totalitärer Machtmissbrauch?

Ich kenne keine einzige Umfrage, in der nicht eine deutliche Mehrheit der Verbraucher gentechnisch manipulierten Nahrungsmitteln eine Abfuhr erteilt hätte: Die Menschen wollen keine Gentechnik in Lebensmitteln. Dennoch werden ungeniert Freilandversuche genehmigt und die EU-Agrarminister planen, gentechnisch hergestellte Zusatzstoffe sogar für Bio(!)-Lebensmittel zuzulassen.

Jetzt hat das Augsburger Verwaltungsgericht den Freistaat Bayern in einem Eilentscheid verpflichtet, in einem staatlichen Versuchsgut Honig vor Pollen von MON 18-Genmais zu schützen. Imker und Verbraucher hätten ein Recht auf Honig ohne das Gen-Konstrukt.

Hoffentlich ein Beispiel, das Schule macht - um dem totalitären Machtanspruch von Landwirtschafts-/Nahrungsmittelindustrie und mit ihr verbündeter Politik Grenzen zu setzen. Im Interesse und Namen der Bürger.

(Informationsquelle: Info3, www.info3.de)

5 Franken pro Liter Benzin!

geschrieben von undeutsch | 1 Jun, 2007

Umweltminister Moritz Leuenberger will eine neue Abgabe auf Benzin und Diesel einführen, berichtet heute. Bis zu 50 Rappen pro Liter schwebt ihm vor; damit will er den öffentlichen Verkehr fördern - um die Umweltschutzziele doch noch zu erreichen, die der "Klimarappen" nicht erreicht hat. Rolf Hartl von der Erdölvereinigung bezweifelt den Nutzen der neuen Massnahme: "Damit die Schweizer wirklich weniger tanken, müsste der Benzinpreis auf 3 bis 5 Franken steigen."

Ist das eine Forderung? Ich stelle sie schon lange, seit fast 30 Jahren - und heute wieder; obwohl ich ab August teilweise auf das Auto umsteige(n muss), um zur (neuen) Arbeit zu fahren; vielleicht gerade deshalb: Wer die Umwelt belastet, der soll auch blechen; "Verursacherprinzip" nennt man das.

Wetten, dass aber schon die vergleichsweise harmlosen 50 Rappen am (theatralischen) Widerstand "bürgerlicher" Populisten scheitern werden?

Begeisternd

geschrieben von undeutsch | 21 Mai, 2007

Begeisternder "Siegeszug des Kapitalismus": 30 Prozent der 29'000 Befragten in 29 ehemals "kommunistischen" Ländern haben angegeben, es gehe ihnen heute wirtschaftlich besser als vor dem Fall des "eisernen Vorhanges".

Die grosse Mehrheit hingegen meint, es ginge ihnen heute keineswegs besser als 1989.

(Umfrage im Auftrag der Weltbank; Zahlen aus 20min.)

Telekom-Rechenexempel

geschrieben von undeutsch | 17 Mai, 2007

Rund 50'000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter will die Deutsche Telekom auslagern - damit die in Zukunft für rund 4 Stunden Mehrarbeit pro Woche 9 Prozent weniger Gehalt bekommen. Bis zu 900 Millionen Euro will der Konzern damit pro Jahr einsparen. "Wo soll es denn herkommen?" rechtfertigt sich Telekom-Chef René Obermann. "Wir können das Geld doch nicht drucken."

Nein, Herr Obermann, von Drucken redet niemand; nicht bei einem Konzerngewinn von gut drei Milliarden Euro. Es muss gar nirgends herkommen, das Geld - es ist schon längst da. Sie müssten es nur statt den Aktionären den MitarbeiterInnen zukommen lassen.

(Alle Zahlen aus dem aktuellen Spiegel.)

Bücher? Da war doch was...

geschrieben von undeutsch | 11 Mai, 2007

Erschreckende Zahlen aus einer online-LeserInnen-Befragung von 20min:

21 Prozent der 6008 TeilnehmerInnen gaben an, im Laufe eines Jahres kein einziges Buch zu lesen. 28 Prozent antworteten mit "1-3 Bücher" pro Jahr.

Das heisst, dass rund die Hälfte der 20min-LeserInnen, die sich an der Umfrage beteiligten, jährlich höchstens drei Bücher liest. Die Hälfte!...

Für die Mehrheit der Schweizer Bundesräte dürfte auch gelten, dass ihnen zu "Bücher?" gerade einmal "Dan Brown" oder "Harry Potter" einfällt. Anders ist es nicht zu erklären, dass sie Bücher zum x-beliebigen Handelsgut erklärt und sich geweigert haben, die Buchpreisbindung zum Gesetz zu erheben.

Dabei hätten sie doch nur einmal Zeitung lesen müssen - und darin, was z.B. die Franzosen für Erfahrungen gemacht haben, als sie die Buchpreisbindung abgeschafft und später - erschrocken - wieder eingeführt haben. Aus den Erfahrungen anderer zu lernen, wäre ein Zeichen von Intelligenz - offenbar Mangelware in einer Gesellschaft, die daran ist, das Lesen zu verlernen.

Lebens-Mittel

geschrieben von undeutsch | 28 Apr, 2007

Kann man in einem Satz sagen, was Demeter vor allen anderen Arten biologischer Landwirtschaft (und erst recht konventioneller) auszeichnet? Frau kann es - Renée Herrnkind, Demeter-Pressesprecherin in "Info3":

"Es geht bei den Bio-Dynamischen nicht darum, irgendwelche problematischen Stoffe wegzulassen, sondern es geht darum, der Natur mehr zurückzugeben, als wir von ihr nehmen."

Weiter: "Sie zu achten, zu respektieren, zu verstehen, zu erforschen und zu entwickeln. Und dabei nicht nur das Stofflich-Materielle im Blick zu haben, sondern im Einklang mit den Kräften zu wirken. So entstehen dann die Lebensmittel, die Körper, Seele und Geist wirklich nähren."

Lebens-Mittel eben.

Kinder als Fortbildung

geschrieben von undeutsch | 27 Apr, 2007

Die Meldung ist schon älter und nur aus zweiter Hand; wichtig ist sie trotzdem. 20min zitierte einen Cash-Bericht über eine Studie der Clark University (USA):

Manager mit Kindern seien die besseren Führungskräfte. Sie schätzten die Fähigkeiten anderer Mitarbeiter besser ein, seien stressresistenter und geduldiger, gingen besser mit Konflikten um und könnten Kompromisse eingehen.

Eigentlich logisch. Kinder sind kein Klotz am Bein - sie sind eine Herausforderung, eine ganzheitliche. Sie ersetzen so manches Fortbildungs- und eben auch Führungs-Seminar. Sie sollten ein Wettbewerbsvorteil sein auf dem Arbeitsmarkt - auch für Frauen übrigens!

Lärmsteuer

geschrieben von undeutsch | 23 Apr, 2007

Die Mechanismen der (sozialen) Marktwirtschaft zu nutzen, um politische erwünschte Ziele zu erreichen, ist eine viel diskutierte und wirksame Massnahme. Anders ausgedrückt: Auf das Privatwohl und -wehe zu zielen, um das Gemeinwohl zu mehren.

Das schweizer Bundesamt für Umwelt fordert, das nun auch im Hinblick auf Lärm(emissionen) zu tun: Wer Lärm produziert und die Umwelt damit belastet, soll eine Steuer zahlen, als Lenkungsabgabe. Gemeint sind Flughäfen, Fabriken, Betreiber von Autostrassen.

Das Prinzip könnte man ausdehnen und z.B. die Kfz-Steuern ausschliesslich an der Höhe der Fahrzeug-Emissionen ausrichten: der Schadstoff-Emissionen wie der Lärmemissionen. Stark progressiv steigend.

Dann müssten wir über Offroader und anderen Blödsinn nicht mehr ideologisch diskutieren: Wer sie fahren will und damit die Mitwelt weit überdurchschnittlich belastet, soll auch dafür blechen; und zwar spürbar.

Teutonen-Schwemme?

geschrieben von undeutsch | 22 Feb, 2007

"Wie viele Deutsche verträgt die Schweiz?" fragt der Blick derzeit die Schweizer Massen. Gerade, als ich Angst bekommen habe, bald zu einer verfolgten Minderheit gezählt zu werden, stellt das Blatt mit der noch grösseren Auflage richtig: viele - und noch mehr.

 (weiter)

Beschämend

geschrieben von undeutsch | 17 Feb, 2007
Ich habe gerade ein Viererpack Max Havelaar-Orangensaft gekauft und damit dazu beigetragen, dass "wir Schweizer" Weltmeister sind - wenigstens in dieser einen Kategorie: Schweizerinnen und Schweizer geben pro Kopf weltweit am meisten für fair gehandelte Waren aus. In absoluten Zahlen allerdings wandelt sich das Bild und wird (auch da) beschämend: Es sind gerade einmal 30 Franken. Nicht pro Monat - im Jahr.

Hilflos

geschrieben von undeutsch | 16 Feb, 2007

Ich bin bekanntlich nicht immer einer Meinung mit Christoph Blocher. Manchmal aber sagt der Mann etwas, das durchaus zitierenswert ist. Und auch zitiert wird, wie jetzt von Staatsanwalt Christian Weber im Swissair-Prozess:

"Wir müssen damit aufhören, dass Verwaltungsräte gut bezahlte Leute mit öffentlichem Ansehen sind, die in guten Zeiten nutzlos und in schlechten Zeiten hilflos sind."

Vernunftbegabt

geschrieben von undeutsch | 14 Feb, 2007

Zwei Meldungen heute, gleich untereinander.

"Die Wirtschaft der Euro-Zone hat das Jahr 2006 fulminant beendet und das Wachstumstempo der USA erreicht."

Jipphi! Da geht etwas: Aufschwung, Wohlstand, Arbeit!

Zweite Meldung: "Ungeachtet der drohenden Klimaerwärmung steigt in der Schweiz der Verbrauch von Treibstoff. Im Jahr 2006 wurden 6,58 Millionen Tonnen Benzin, Diesel und Kerosin verbrannt. Das sind 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr."

Auch mehr, logisch; ein unerfreulicher Nebeneffekt; nicht zu vermeiden...

Wie sagte neulich jemand zu mir: Der Mensch ist das einzige Tier, das seinen eigenen Lebensraum selbst zerstört.

Denn nur er ist vernunftbegabt.

Schade, dass er nicht mehr daraus macht.

Ausgleichende Steuer

geschrieben von undeutsch | 1 Feb, 2007

Interessanter Vorschlag von NZZ-Autor Beat Kappeler (in SozialAktuell) als Schritt auf dem Weg zum bedingungslosen Grundeinkommen:

"Ein ungenügendes Haushaltseinkommen, gemäss Steuererklärung, wird automatisch durch das Steueramt aufgefüllt. Steigt das Einkommen dereinst an, zieht man nur ca. 20 Prozent jedes zusätzlich verdienten Dollars von der Hilfe ab - zu jeder Zeit hat der Haushalt einerseits genügend Geld trotz minimalen, weltmarktgerechten Löhnen, andererseits auch den Anreiz, zusätzliches Einkommen zu erwerben."

Weshalb Dollar? Weil das in den USA seit Clinton so funktioniert; "earned income tax credit" heisst das da.

"Weil das Kind ein Störfaktor ist" - Zitat 2

geschrieben von undeutsch | 20 Jan, 2007

Heute im "Samstagsinterview" des "Bund":

"Wenn eine Gesellschaft Pläne macht, wie man Kinder in Hunderterpacks wegplanen kann, geht das mit der Tatsache zusammen, dass man immer weniger Kinder hat, weil das Kind ein Störfaktor ist. Man verabsolutiert den Lebensweg der Erwachsenen zum Nachteil der Kinder, man erkennt nicht, dass man damit gleichzeitig die Zukunft zerstört. Man bastelt verzweifelt an entgleisten Sozialsystemen herum, und gleichzeitig zerstört man absichtsvoll das Einzige, was Zukunft bringt, nämlich Nachwuchs."

Gertrud Höhler

Die Literaturwissenschaftlerin, Autorin und Kanzlerinnen-Beraterin plädiert dafür, Kinder und Karriere anders unter einen Hut zu bringen, als damit, Kinder gleich nach der Geburt in Krippen abzuschieben: "Ein Kind ist nur einige Jahre sehr klein. Diese paar Jahre kann man mehr Intensität für die Fürsorge verwenden, ohne dass das ganze restliche Leben ohne Karriere verlaufen muss."

Unter einer Voraussetzung: Wenn die Gesellschaft Kindererziehungsjahre als Berufspraxisjahre anerkennt, ohne Vorbehalte - und als Lern-, Lehr- und Erfahrungszeit.

"Zwang zum Erwerb" - Zitat 1

geschrieben von undeutsch | 19 Jan, 2007

Aus Info3 (www.info3.de):

"Die Welt ist voll von Menschen, die das Notwendige wahrnehmen und Sinnvolles tun aus eigener Intention und Verantwortung, die Lösungen bringen durch sich selbst für Probleme unserer Zeit, und die dafür aber nicht genügend leben können, weil ihnen das Geld fehlt, weil ein Zwang zum Erwerb sie von der Arbeit abhält."

Enno Schmidt/Daniel Häni

Kann man schöner ausdrücken, was ein bedingungsloses Grundeinkommen ändern würde?

Qualitätszeitung "20min"

geschrieben von undeutsch | 15 Jan, 2007

Ich bin (unter anderem) Journalist. Ich müsste mit einstimmen in den Chor derjenigen, die 20min, die Gratiszeitung, als "qualitativ minderwertig" oder gar "gefährlich" einstufen. So wie Presserats-Präsident Peter Studer: "Mit Besorgnis stelle ich fest, dass die leserstärkste Zeitung der Schweiz '2o Minuten' ist. Punkto Recherche, Analyse und Kommentierung bietet sie wenig ... Informationen sind auf ihren Kern reduziert, die Relevanz erschöpft sich weitgehend im Soft-News-Bereich."

Genau: Kurze, prägnante Information ohne selbstgefällige Kommentare und viel Unterhaltung - das bietet 20min. Dass sie so schnell sogar den "Blick" hat überholen können, spricht für ihre Qualiät, nicht dagegen; wenn man unter Qualität zumindest auch versteht, Leserwünsche, Lesererwartungen zu erfüllen. Denn viele Zeitungen produzieren sich immer noch in einem Elfenbeinturm - an den Lesern vorbei. Das tut 20min nicht, sie ist am Puls der Zeit.

Insofern stimmt ein Vorwurf doch: "Gefährlich" könnte 20min sein. Sie könnte die etwas lethargischen "alten Zeitungs-Tanten" aus ihrem Sommerschlaf reissen - und dazu zwingen, sich auf die Leserinnen und Leser zuzubewegen.

Michael Hug, Chefredaktor der "Berner Zeitung": "Wir Jounalisten sehen uns oft allzu selbstgefällig in einer aufklärerischen Rolle und unterschätzen dabei sträflich, dass unser Publikum von vielen Themen mehr versteht als wir selbst, dass es nicht a priori 'aufgeklärt', sondern informiert werden will". Zumindest von einer Tageszeitung.

Deshalb lese ich 20min. Gerne.

Glutamat

geschrieben von undeutsch | 14 Jan, 2007

"Es ist das Wesen echten Fortschritts, dass es nicht nur einmalige Glückstreffer gibt, sondern man an der Spitze bleibt und die Suppen- und Esskultur grundlegend beeinflussen ... kann" sagt Ex-Suppenfabrikant Heinrich Oswald ("Knorr") im Samstagsinterview des "Bund".

Beeinflussen? Ja: Knorr hat die Tütensuppe mit Glutamat erfunden, Aromat auf den Markt gebracht und "Stocki". Aber "echter Fortschritt"?

Dabei habe ich noch etwas ausgelassen: ... - da stand noch "verbessern", "...Die Esskultur grundlegend beeinflussen und verbessern kann."

Glutamat greift das Hirn an.

Vereinbarkeit bei Hess Natur

geschrieben von undeutsch | 11 Jan, 2007
"Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ein Unternehmen ausmachen", schreibt "Hess Natur" in der Kundenzeitschrift "dialog". Die Öko-Bekleider (www.hess-natur.com) scheinen es begriffen zu haben: Hess Natur hat "Ziele definiert, die es Mann und Frau gleichermassen ermöglichen, Familie und Beruf stressfrei unter einen Hut zu bringen. Teilzeitpositionen für Führungskräfte, Zuschüsse für die Kinderbetreuung, Bereitstellung einer Familienbeauftragten und eine Kinder-Notfall-Aufsicht sind dabei nur einige der Massnahmen". Dafür ist das Unternehmen jetzt von Familienministerin Ursula von der Leyen mit dem Grundzertifikat "Audit Beruf und Familie" ausgezeichnet worden. Gratulation!

Vereinbarkeitsfrage

geschrieben von undeutsch | 6 Jan, 2007

Na also, geht doch: Zwei Wochen geben die Migros, UBS, Swisscom und Swiss Re männlichen Angestellten frei, die Väter werden; eine Woche ist es bei der SBB, bei Novartis, Ikea und der Bank Coop. Grosszügig, weil völlig freiwillig. Der erste Schritt in eine richtige Richtung. Und doch erst der erste Schritt.

Denn die Vereinbarkeitsfrage ist nicht nur ein Frauenthema. Sie ist sogar vor allem ein Männerthema. Oder sollte es zumindest sein.

Biologen-Hetze

geschrieben von undeutsch | 14 Dez, 2006

Wenn jemand an den Darwinismus glaubt - ist das seine Sache. Wenn er den Unsinn als "wissenschaftlich" deklariert, auch. Wenn er aber antritt, andere Auffassungen mundtot zu machen, geht das entschieden zu weit.

Hans Jörg Jacobsen, ehemaliger Präsident des Verbands Deutscher Biologen, ist einer, der das tut, schreibt zumindest "Info3" (www.info3.de). Er und sein Biologie-Kollege Prof. Ulrich Kutschera aus Kassel führen, so das Magazin, eine Mobbing-Kampagne gegen einen Mitarbeiter des Kölner Max-Planck-Instituts, der es als Genetiker gewagt hatte, Darwins Theorie zu bezweifeln.

Auf Jacobsen bezieht sich auch der "Spiegel" in einem Hetzartikel gegen den ersten und einzigen Lehrstuhl für biologisch-dynamische Landwirtschaft an der Universität Kassel-Witzenhausen. In fünf Jahren wird der vom Land Hessen übernommen und damit dauerhaft eingerichtet - wenn die Kampagne der Darwin-Anhänger keinen Erfolg hat.

Der Verband Deutscher Biologen setzt sich unter anderem dafür ein, gentechnische Landwirtschaft in Deutschland freizugeben und wirbt auf seiner Website mit exzellenten Kontakten zu Pharma- und Chemiekonzernen. Kein Wunder, dass ihnen ein unabhängiger Lehrstuhl so ganz anderer Prägung ein Dorn im Auge ist. Er steht ihren Lobby-Aktivitäten im Weg.

Kluge Köpfe

geschrieben von undeutsch | 20 Nov, 2006

Punkto Lohn- und Lohnnebenkosten, klagt die deutsche Wirtschaft, ist Deutschland nicht konkurrenzfähig. Trotzdem brummt der Export; und: Unter 68 Regionen in der EU landeten elf Mal deutsche Bundesländer in den Top 20, was ihre Innovationskraft anbelangt. Das zeigt ein Innovationsindex, den das Statistische Landesamt Baden-Württemberg berechnet hat.

Auch international kann sich Deutschland sehen lassen: Knapp 20 Prozent aller Patentanmeldungen weltweit stammen aus Deutschland; "besser" sind nur die - weitaus grösseren - USA; sie lieferten 2005 ein knappes Viertel aller Patentanmeldungen.

Was wieder einmal zeigt: Kosten sind nicht die ganze Wahrheit. Ein wesentlicher Standortvorteil sind motivierte, kreative MitarbeiterInnen. "Kluge Köpfe", wie man sie in Deutschland noch häufig findet - nicht nur hinter der "FAZ".

Manager rechnen anders

geschrieben von undeutsch | 9 Nov, 2006

"Nur" noch 1,2 Milliarden (sic!) Franken Gewinn weist die Swisscom für die ersten drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres aus. Bliebe es am Jahresende dabei, könnte das Unternehmen damit rein rechnerisch zwischen 6'000 und 12'000 Menschen zusätzlich Arbeit verschaffen. Die Manager aber rechnen anders: Sie kündigten an, 390 Stellen abzubauen.

"Eigentum verpflichtet", heisst es in der deutschen Verfassung. Das juckt schon deutsche Unternehmen wenig; schweizerische gar nicht.

Lustkauf

geschrieben von undeutsch | 3 Nov, 2006

"Lustkäufe", steht im aktuellen "Spiegel", machen glücklich. Das haben Wissenschaftler der Universität von British Columbia herausgefunden. "Lustkauf" meint dabei nicht die schnelle Nummer mit Damen und Herren, die ihre Körper dazu zur Verfügung stellen, auch keine Shopping-Tour bei Beate Uhse, nicht einmal den Kauf roter Rosen: Alles, was uns Spass macht zu kaufen, Produkte, die uns ein gutes Gefühl vermitteln, selbst wenn wir wissen, dass es nicht "vernünftig" ist.

Eine Tassimo-Kaffeemaschine zum Beispiel, die ich gerne hätte: Ökologischer Blödsinn, weil Kapselsystem, sozial unverantwortlich, weil weit und breit ohne Max Havelaar-Kaffee, ökonomisch unsinnig, weil viel zu teuer pro Tasse Kaffee - und trotzdem (für mich) verlockend.

Wenn die Wissenschaftler Recht haben, hätte ich lange Freude daran. Viel länger jedenfalls als an jeder "vernünftig" abgewogenen Kaufentscheidung. Ich würde den Kauf nicht bereuen.

Wenn ich Zeit habe, zitiere ich einmal ein paar Sätze von Allan Guggenbühl zu diesem Thema. In "Pubertät - echt ätzend" meint der nämlich, dass junge Menschen heute sich über den Konsum in unsere Gesellschaft initiieren. Konsumprodukte sind längst zu einem Wert-Ersatz geworden. Wir kaufen Gefühle, Status und Selbstwertempfinden, vielleicht sogar "Sinn" - nicht Produkte.

Marktwirtschaft

geschrieben von undeutsch | 23 Okt, 2006
Manchmal funktioniert sie doch, die Steuerungs-Funktion des Marktes; wenn ein Anbieter vollkommenen ökologischen Blödsinn betreibt z.B. wie Cailler mit seiner PET-Verpackung für Schokolade. Damit ist bald wieder Schluss - die aufwändigen Verpackungen blieben schlichtweg in den Läden liegen. Gut so. Schade nur um die 40 Millionen Franken, die Nestlé damit in den Sand gesetzt hat. Die wären auf dem Konto von Geenpeace oder des WWF weitaus nutzbringender angelegt gewesen.

Konsumgeil

geschrieben von undeutsch | 18 Okt, 2006

Unsere profit- und konsumgeile Gesellschaft beginnt, sich selbst in den Schwanz zu beissen: Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz hat Schulden, im Schnitt 500 Franken. Betreibungsbeamte fordern deshalb ein "Schulfach Schuldenberatung".

Ich fordere: Bremst die aus, die sich hemmungslos an Unmündigen zu bereichern versuchen. Handyrechnungen an Minderjährige, die 50 Franken im Monat übersteigen, sind inskünftig unzulässig, illegal, null und nichtig.

Ähnliches gilt für den Barverkauf von Elektronikartikeln und Klamotten: Bei 100 Franken ist Schluss. Wer mehr ausgeben will, braucht die Unterschrift der Eltern. Genauso wie für schriftliche Kaufverträge.

In der Kinderfalle

geschrieben von undeutsch | 16 Okt, 2006

Interessantes Dossier in der "Brigitte": "Väter zwischen Kind und Karriere". Darin präsentiert die Frauenzeitschrift vier "Helden der Kinderzimmer", die "vom Ernährer zum Koch wurden" und verleiht ihnen "rein symbolisch" eine Medaille.

Ich dreh' sie einmal um: André Bade, 33; sein Frau ist Rechtsanwältin. Stefan aus dem Siepen, 42; seine Frau ist Diplomatin, sie teilen sich den Job. Uwe Scheffler, 42; seine Frau ist Ärztin. Und Winfried Growe, 40; seine Frau ist Steuerberaterin.

In "Das dämliche Geschlecht" schreibt Barbara Bierach sinngemäss: Frauen müssten sich nicht wundern, wenn sie in der Kinderfalle landeten; würden sie Berufe wählen, in denen sie ordentlich Kohle machen würden wie ihre Männer, müsste das nicht so sein. - Siehe oben!

"Rund vier Fünftel aller Männer sagen in Umfragen, dass ihre finanzielle Situation sie daran hindere, in Teilzeit oder Babypause zu gehen", heisst es im Brigitte-Dossier. Die Auswahl der "Helden" zeigt: Es ist auch so.

Dennoch: Auch Männer sind dämlich. Kommt ihnen nämlich endlich einmal ein Personalchef entgegen, wie der ebenfalls im Brigitte-Dossier vorgestellte Matthias Malessa von Adidas, dann greifen sie nicht zu. Malessa "hat flexible Arbeitszeitmodell entworfen und die Möglichkeit geschaffen, Dinge von zu Hause aus zu erledigen. Gemeinsam mit der Stadt wurden Krippenplätze eingerichtet, aber mehr Männer gingen deshalb bislang nicht in die Babypause. Von gut tausend Mitarbeitern ist es gerade mal ein dutzend."

Weil es vielelicht doch nicht nur um die Kohle geht. Sondern auch ums Prestige. Und da sollen sich - bitte schön - auch weiterhin die Frauen bücken.

Staatsaufträge

geschrieben von undeutsch | 29 Sep, 2006

SVP-Grossrat Rudolf Guggisberg fordert: Der Kanton Bern soll künftig bei Staatsaufträgen Unternehmen bevorzugen, die Lehrlinge ausbilden. FDP-Präsident Johannes Matyassy widerspricht: Damit würden ausserkantonale und internationale Unternehmen benachteiligt - "das wäre eine Wettbewerbsverzerrung."

Dem widerspreche ich. Der Staat ist nicht einem abstrakten "freien Wettbewerb" verpflichtet - ohnehin eine ideologische Konstruktion -, sondern seinen Bürgerinnen und Bürgern. Deshalb ist die Idee von Guggisberg gar nicht schlecht - wenn gewährleistet ist, dass auch solche Unternehmer zum Zug kommen, die gar keine Lehrlinge ausbilden können oder dürfen, weil ihre "Buden" zu klein sind.

Lehrlinge sollten ein Kriterium sein, umweltfreundliche Arbeit ein zweites, regionale Nähe ein drittes - und dann auch der Preis. Aber in dieser Reihenfolge.

Schiefes Bild

geschrieben von undeutsch | 29 Sep, 2006

"Wer mit einem Transparent vor dem Gebäude steht, sollte zunächst einmal froh sein, dass er noch einen Vertrag hat", kommentiert Swiss-CEO Christoph Franz den Streik der Ex-Crossair-Piloten. Da hat er Recht. Das gilt aber für alle Piloten, auch für die der Ex-Swissair. Dass sie unverhältnismässig bevorzugt werden, begründet es nicht. Und: Schuld daran, dass die Swiss nach wie vor auf so wackligen Beinen steht, sind gewiss nicht die Piloten oder andere "einfache Mitarbeiter"; es sind die Manager, diejenigen, die - wie immer - ihre Schäfchen ins Trockene gebracht haben und sich vor Existenzsorgen nicht fürchten müssen.

Ohnmacht

geschrieben von undeutsch | 27 Sep, 2006

Vor Jahrzehnten schon hat er als einer der Ersten vor den Folgen der globalen Erwärmung gewarnt, heute noch muss James Hansen vom Goddard-Institut der NASA ohnmächtig zusehen, wie wir mit Treibhausgasen die Erdatmosphäre weiter aufheizen. Seit 1976 stieg die Durchschnittstemperatur auf der Erde alle zehn Jahre um rund 0,2 Grad Celsius. 1'700 Tier- und Pflanzenarten wandern seither polwärts, durchschnittlich 6,5 Kilometer im Jahr. "Wenn die globale Erwärmung noch zwei bis drei Grad weitergeht, werden wir wahrscheinlich Veränderungen sehen, die aus der Erde einen anderen Ort machen, als den, den wir kennen", sagt Hansen. Immer noch.

Swissstreik

geschrieben von undeutsch | 27 Sep, 2006

(Konnte der Versuchung nicht widerstehen, diese drei "s" in der Überschrift zu patzieren.)

Auch wenn (fast) alle anderer Meinung sind: Ich kann verstehen, dass die ehemaligen Crossair-Piloten bei der "Swiss" sauer sind und streiken. Es geht einfach nicht, dass in einunddemselben Unternehmen die einen für die gleiche Arbeit weitaus mehr bekommen als die anderen - nur weil die einen früher bei der Pleite gegangenen Nobelfirma "Swissair" angestellt gewesen sind, die anderen bei der hässlichen Tochter "Crossair". Es gibt nur eine Lösung: Runter mit den überrissenen Swissair-Löhnen, rauf mit denen der Ex-Crossair-Piloten. So treffen sie sich in der Mitte - wie vor gut vier Jahren in der "Swiss".

Wer ist so blöd?

geschrieben von undeutsch | 21 Sep, 2006

Aber hallo, Kurt - schalt mal deinen Grips ein.

"Eltern müssen zugunsten der Kinder Prioritäten setzen", kommentiert der Berner FDP-Gemeinderat Kurt Wasserfallen Thesen von Eva Herman (ARD-Tagesschau): "Man kann nicht alles haben."

Richtig - wenn es um Privatvergnügen geht. Geht es aber bei Kindern nicht. Kinder sind auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Wir können sie Zuwanderern überlassen - oder als überalternde Gesellschaft zugrunde gehen. Wenn wir aber selbst etwas ändern wollen, unsere gesellschaftliche Zukunft selbst in die Hand nehmen und gestalten wollen - dann brauchen wir Eltern. Eltern, denen es gut geht; nicht Eltern, die sich gesellschaftlich aufs Abstellgleis geschoben und verarscht fühlen müssen.

Heute entscheiden sich immer mehr potenzielle Eltern gegen Kinder. Weil die Entscheidung für Kinder immer auch eine Entscheidung gegen eine Karriere ist, trotz Krippen. Eltern sind einfach nicht mehr so flexibel wie es die Arbeitswelt zumindest von Kaderleuten erwartet.

Wer sich für Kinder entscheidet, entscheidet sich für Mehrkosten - UND Einkommensverzicht. Wer, Kurt Wasserfallen, ist so blöd? Quengelnde Kinder aufzuziehen, während die Nachbarn im Porsche in diesem Jahr schon zum dritten Kurztrip in die Karibik aufbrechen?

Wir müssen uns schleunigst etwas einfallen lassen, wenn wir Eltern nicht weiterhin auch noch dafür bestrafen wollen, dass sie unsere Gesellschaft mit der nächsten Generation ausstatten: Anerkennung, finanzielle Anreize, Karrieremöglichkeiten - und sicher auch Horte und Krippen und Ganztagesschulen. Einen Teil der Last darf schon die Gesellschaft tragen, die letztlich von den Kindern profitiert.

Gesundheit untergeordnet

geschrieben von undeutsch | 12 Sep, 2006
Marcel Jann stirbt langsam an Lungenkrebs. Auslöser: Asbestfasern aus der Eternit-Fabrik, in deren Nähe er als Kind lebte. Die jüngste "Männerzeitung" bringt ein Interview mit ihm. Marcel sagt: "Die Asbestfaser galt wegen ihrer vielfältigen Eigenschaften jahrzehntelang als Wunderfaser, die den damit arbeitenden Unternehmungen Riesenumsätze eintrug. Für sie galt allein die Maxime der wirtschaftlichen Rentabilität, auch als bereits genug Hinweise und Belege vorhanden waren, die die Gefährlichkeit der Asbestfasern dokumentierten. Die Gesundheit und Unversehrtheit der Belegschaft und weiterer mit Asbest in Berührung kommender Personen wurden als untergeordnet betrachtet." Ich lese es und denke an den Mobilfunk. Eine Neuauflage des gleichen leidigen Themas?

Gute Idee?

geschrieben von undeutsch | 21 Jul, 2006

Lehrlinge sollen sich bei Lehrstellenmangel Lehrstellen teilen können. Wenn der eine in der Schule ist, ist der andere im Betrieb und umgekehrt - gute Idee zweier KantonsrätInnen, fand jetzt der Regierungsrat.

Ich frage: Was nutzen all die noch so kreativen Anstrengungen, Lehrstellen zu schaffen, wenn der Anschluss nicht gewährleistet ist? Was sät man Hoffnungen in die Herzen und Köpfe der Jugendlichen, die dann doch so oft nicht in Erfüllung gehen?

Wir haben zu wenige Lehrstellen, ja. Aber wir haben auch - und vor allem - zu wenige Arbeitsplätze für LehrabgängerInnen. (Auch) da liegt das Problem. Und das lässt sich mit "Splitting" nicht so einfach lösen.

Oder doch? Wenn alle auf 10 Prozent ihres Einkommens verzichten würden, könnten wir - rein rechnerisch - zehn Prozent mehr Stellen schaffen. Das wäre gelebte Solidarität statt leeren Geredes.

Nur: Wir haben kein Vertrauen darauf, dass solch ein Opfer auch ankäme - und nicht wieder in die Taschen der ohnehin schon Superreichen flösse. An ihnen wäre es, ein Zeichen zu setzen.

Für 10 Prozent eines Ospel-Gehaltes liessen sich einige Stellen schaffen; Lehr- und Arbeitsstellen.

Kooperation und "Brüderlichkeit"

geschrieben von undeutsch | 13 Jul, 2006

Erheitertes Schenkelklopfen allenthalben, wenn man erzählt, dass Rudolf Steiner von den drei Idealen der Französischen Revolution - Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - der Wirtschaft ausgerechnet die Brüderlichkeit vorangestellt hat.

Dabei ist das gar nicht so abwegig. Schon heute produzieren wir meist nicht für uns, sondern für andere - und gut nur dann, wenn wir neben unserem vor allem auch deren Nutzen im Auge behalten.

Dass das viel weiter gehen kann - und im Sinne Steiners auch sollte, macht jetzt die SBB vor. "Assoziatives Wirtschaften" hat Steiner genannt, was die SBB in "runden Tischen" verwirklicht hat. Das Bahnunternehmen stand im Güterverkehr vor dem Problem, massiv kürzer treten zu müssen, um aus den roten Zahlen heraus zu kommen; vor allem, sich auf die rentablen Verladepunkte zu konzentrieren: 97 Prozent des Umsatzes wurden zuvor über nur 50 Prozent der Verladepunkte abgewickelt.

Jeder andere hätte die 3 Prozent unrentabler Verladepunkte einfach gestrichen. Nicht aber die Bahn. Sie setzte sich mit allen betroffenen Kunden zusammen und suchte nach individuellen Lösungen. Höchst erfolgreich, wie "via" jetzt berichtet:

"Auch regionale Wirtschaftsvertreter setzten sich mit SBB Cargo an den Tisch. So zum Beispiel in Rapperswil, wo ein runder Tisch mit Vertretern des Arbeitgeberverbandes und des Kantons St. Gallen zustande kam. Mit Erfolg: Damit eine gewisse Mindesttransportmenge garantiert ist, konnte ein weiterer Unternehmer aus der Region davon überzeugt werden, künftig auf der Schiene zu transportieren."

Zum Vorteil aller: Der SBB, des betroffenen Unternehmens, der anderen Unternehmer - und der Umwelt, die wieder etwas weniger Verkehr auf der Strasse zu verkraften hat. Merke: Absprachen in der Wirtschaft sind nicht immer von Nachteil. Sie könnten der Weg in eine "brüderlichere" Zukunft sein.

Mangelnder Service

geschrieben von undeutsch | 13 Jul, 2006

Ich habe gerade ein Päckchen zur Post gebracht, nicht besonders gross, nicht besonders schwer, ein dünnes Buch, eine Tasse, ein Holz-Jojo für meine Patentochter in Deutschland, Gesamtwert knapp 30 Franken. Porto: 21 Franken.

Solche Gebühren bin ich mittlerweile gewohnt. Nicht aber, dass sie mit mangelndem Service einhergehen. "Zerbrechlich" habe ich gross auf das Päckchen geschrieben; die Dame am Postschalter machte mich darauf aufmerksam, dass die Post darauf keine Rücksicht nehme - und bot mir eine andere Versandart an, mit Lieferschein und zusätzlicher Transportversicherung.

Für eine bunte Kindertasse, für die ich fünf Franken bezahlt habe.

"heute..."

geschrieben von undeutsch | 17 Mai, 2006
Heute muss auch ich mich einmal über "heute..." äussern, die neue Gratis-Abend-Pendlerzeitung aus dem Hause Ringier ("Blick"): hoch aktuell, übersichtlich und locker zu lesen - aber "dünn"; da bietet sogar "20min" drei Mal mehr Lesestoff! Highlights: Die "Bilder von heute", "Nadjas TV-Tipp...", "daily blogging", das "Bio-Wetter" und "I love fashion" auf der Letzten - Alltagsfrauen statt barbusige "Schönheiten"; das suggeriert: Wir sind eineR von euch. Käse ist nur das TV-Programm; es ist viel zu dicht gedrängt. Wer will sich schon das "20min" vom Morgen aufheben müssen, um abends zu wissen, was in der Glotze kommt?

Lehre für SexarbeiterInnen

geschrieben von undeutsch | 12 Mai, 2006

Eine Lehre für Huren? Nicht um sie zu "retten", "vom falschen Weg abzubringen", sondern um sie sattelfest zu machen in ihrem Beruf, sie mit den notwendigen medizinischen, psychologischen und rechtlichen Kenntnissen auszustatten, die es ihnen ermöglichen, ihren Beruf selbstbewusst, würdig und vor allem sicher auszuüben? Christine Häsler, Grossrätin der Berner Freien Liste im Kanton Bern, ist jetzt mit einer entsprechenden Forderung bei der Kantonsregierung abgeblitzt. Der erscheint eine Ausbildung für Sexarbeiterinnen mit Eintrag ins Berufsregister nicht umsetzbar - weil sich keine geeigneten Lehrbetriebe finden liessen.

Dabei wäre das ja erst das ebenfalls angestrebte Ziel der Initiative: Wer die Sexarbeiterinnen aus ihrer Schmuddelecke holt, in die unsere Gesellschaft sie immer noch verdrängt, obwohl sie wie kaum andere Berufstätige einen Liebesdienst leisten, wer es ihnen ermöglicht, ihren Beruf aufrechten Hauptes, anerkannt und geachtet auszuüben, der holt die ganze Branche aus den dunklen Nischen, in die sie jetzt noch verbannt ist. Der ermöglicht es auch Freiern, selbstbewusster aufzutreten - und der macht es möglich, dass nicht skrupellose Ausbeuter oder schmierige Unterweltkleinganoven die Szene bestimmen, sondern Platz geschaffen wird für anständige SexunternehmerInnen, für die ihr Gewerbe ist, was es sein könnte: ein Dienstleistungszweig wie andere auch.

Schade, dass so eine Vision am bürokratischen Kleinmut der Regierungsbeamten scheitert. Bleib dran, Christine Häsler!

Lippenbekenntnisse

geschrieben von undeutsch | 18 Apr, 2006

Die gute Nachricht zuerst: Seit 2004 ist der Zigarettenumsatz in der Schweiz um gut 10 Prozent zurückgegangen. - Die schlechte Nachricht: Die Hersteller wollen den Trend mit Discount-Preisen jetzt kehren - und Coop hilft mit; ausgerechnet Coop, die sich mit Bio-Labeln und sozialem Engagement einen Namen zu machen versuchte, als Geiz noch nicht ganz so geil war.

Womit einmal mehr bewiesen wäre, dass "der Markt" nichts taugt, wenn es darum geht, Menschen gerade vor dem zu beschützen, wozu "der Markt" drängt: hemmungslosem Konsum und gesundheitsschädlichem Verhalten. "Selbstbeschränkungen" der Industrie müssen systembedingt Lippenbekenntnisse bleiben, Kosmetik - und letzlich wieder nur: Marketing.

So ist einmal mehr die Politik gefragt: grossflächige Rauchverbote wie im Tessin - und ein komplettes Werbeverbot für Tabakprodukte.

Eigenkapitalrendite begrenzen!

geschrieben von undeutsch | 8 Apr, 2006

Um fast 30 Prozent hat die Migros 2005 den Gewinn gesteigert, auf rund 700 Millionen Franken. 1223 Vollzeitstellen hat sie im gleichen Zeitraum gestrichen. Rechne ich eine Volzeitstelle sehr grosszügig mit 100'000 Franken, reicht eine Million für 10 Stellen; 700 Millionen Franken entsprechen 7000 Stellen. Kein Grund für den Abbau also, rein rechnerisch.

Die Migros ist aber keine Ausnahme; allenthalben steigen die Gewinne - und werden MitarbeiterInnen entlassen.

In diesen Zusammenhang ein Reform-Vorschlag für UNO und die G8: Begrenzt weltweit die zulässige (Eigen-)Kapitalrendite auf höchstens 8 Prozent im Jahr. Was darüber hinausgeht, fliesst in einen Fonds, aus dem Jungunternehmern mit zinslosen Darlehen und Startzuschüssen unter die Arme gegriffen wird - oder aus dem Investitionen in Umweltschutzmassnahmen bezuschusst werden; oder Bildungsmassnahmen; oder...

Wir wären einige der drängendsten Probleme schnell(er) los...!

5'400 Franken

geschrieben von undeutsch | 21 Mär, 2006
Ich verdiene mehr als Marcel Ospel, der Chef der UBS! 5'400 Franken verdient der, wie 10vor10 ausgerechnet hat. - Allerdings in der Stunde, nicht im Monat wie ich.

30 Rappen für ein T-Shirt

geschrieben von undeutsch | 17 Mär, 2006

Erschreckendes Rechenbeispiel der "Erklärung von Bern":

Für ein Originaltrikot der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bezahlen wir 100 Franken. Davon bleiben 50 Franken im Detailhandel (5 Franken führt der an den Schweizer Fussballverband ab). 35 Franken bekommt die Herstellerfirma Puma (die 10 Franken davon in Marketing und Sponsoring steckt). 5 Franken kosten Gebühren und Transport. Auf 10 Franken belaufen sich die Produktionskosten.

Die Näherin bekommt davon 30 Rappen. 30 Rappen pro T-Shirt, für das wir 100 Franken bezahlen.

"Prix Garantie" schadet "Naturaplan"

geschrieben von undeutsch | 15 Mär, 2006
Mehrmals schon habe ich hier darauf hingewiesen - nun schlägt es sich auch statistisch in Zahlen nieder: Der Billigtrend gefährdet diejenigen, die hochwertig, umwelt- und sozialverträglich produzieren. Nachdem Coop in der Schweiz die "Prix Garantie"-Linie eingeführt hat, ging 2005 der Umsatz der Öko-Label-Produkte wie "Naturaplan" zurück - erstmals seit 1993. Die Billigprodukte haben den Trend zu verantwortungsvolleren Kaufentscheiden gebrochen. Geiz ist geil, wer denkt da schon an die Konsequenzen?